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Andreas Möllers ist als Schiedsrichter in zwei verschiedenen Sportarten unterwegs

Hand und Fuß mit Leib und Seele

Coesfeld

Ein falscher Pfiff, klar, der kann vorkommen. Aber keiner, der auf die Gratwanderung zwischen zwei Sportarten zurückzuführen ist. „Wenn ich auf dem Platz stehe, bin ich sofort richtig drin“, versichert Andreas Möllers. Dabei kann es durchaus vorkommen, dass er ein Handspiel streng ahnden muss, während wenige Stunden später sofort ein Pfiff ertönt, wenn der Ball mit dem Fuß berührt wird. Verkehrte Welt? Nicht für den Coesfelder, der mit Leib und Seele als Schiedsrichter unterwegs ist. Und das in zwei Sportarten: Fußball und Handball – oft beides an einem Wochenende.

Von Frank Wittenberg

Schon ein paar Tage her, aber sie pfeifen noch immer gemeinsam auf dem Handball-Parkett: Andreas Möllers (links) und sein Kollege Georg Beeke.

Ungewöhnlich? Definitv. „Ich kenne keinen, der das sonst noch so macht“, zuckt der 57-Jährige mit den Schultern. Und noch ungewöhnlicher wird es, wenn er davon erzählt, dass er als A-Jugendlicher gemeinsam mit seinem Trainer Christoph Schulz auch noch Volleyballspiele geleitet hat. „Damals habe ich alle drei Ballsportarten gleichzeitig gespielt“, lacht Möllers. Vom Volleyball hat er sich dann aber verabschiedet. „Ich bin an der Netzhöhe gescheitert“, gibt er ehrlich zu. „Böse Zungen behaupten, ich hätte eine Sprungkraft wie ein Krokodil.“

Vom Spieler zum Schiri, dieser Schritt kam 1983. Bei den Handballern des ESV Coesfeld war er damals aktiv, „und bei einer Versammlung bin ich gefragt worden, ob nicht auch Schiedsrichter werden möchte.“ Mittlerweile darf er sich getrost als Urgestein bezeichnen. Ewald Pferdekamp, lange Schiri-Obmann im alten Handballkreis Steinfurt, feiert sein 50-jähriges Dienstjubiläum – dann folgt schon Andreas Möllers, der bald die vier Jahrzehnte voll machen wird. Auf die Unterstützung seiner Frau Susanne kann er sich dabei immer verlassen.

Zum Fußball kam er deutlich später, und das durch seine Zwillinge Lucas und Louis, die 1995 geboren wurden, während acht Jahre später sein dritter Sohn Felix zur Welt kam. Bei den Minis im ESV Coesfeld hat er begonnen, sie zu begleiten – bis hin zur A-Jugend. Der Verein hieß schon längst SG 06, der Betreuer noch immer Andreas Möllers. Als sie 2014 mit der Jugendzeit durch waren, stellte sich die Frage, was er nun mit der zusätzlichen Zeit anfangen würde. „Wieder ganz unten anfangen und eine neue Mannschaft übernehmen, das wollte ich nicht“, erzählt er. Und weil er schon vorher Fußballspiele seiner Jungs gepfiffen hatte, wenn kein Unparteiischer vor Ort war, lag es auf der Hand.

Seitdem ist Andreas Möllers ein Wanderer zwischen den Welten. Einer, der die verschiedenen Regeln parat haben muss, die oft so gleich und doch ganz anders sind. Zum Beispiel die Rote Karte für den Trainer, die im Fußball nur Konsequenzen für den Übeltäter hat. „Im Handball muss ein Spieler die Strafe für seinen Coach absitzen“, erklärt der Schiri, der übrigens kein Problem damit hat, auf dem Fußballplatz alleine verantwortlich zu sein, während sich in der Halle ein Duo die Aufgaben aufteilt. „Da macht es Sinn, weil du beide Blickwinkel haben musst.“ Auf den Kreis und auf das Geschehen im Rückraum – „das bekommst du alleine nicht hin.“ Eine solche Doppellösung würde er beim Fußball wiederum nicht befürworten. Das Ursprüngliche müsse erhalten bleiben, findet Möllers: „Sonst ist es nicht mehr das Spiel.“

Seine Flexibilität beschert dem 57-Jährigen regelmäßig einen vollen Wochenend-Terminkalender. Samstags Handball, sonntags Fußball, das kommt häufig vor. „Zum Glück erfolgen die Ansetzungen im Handball immer in Zwei-Monats-Blöcken“, erklärt er. „Dann weiß ich, wo Luft für Fußball ist.“ Zwei Spiele an einem Tag, auch das kommt hin und wieder vor. In den verschiedenen Sportarten, kein Problem, auch zwei Partien Handball sind machbar. „Nicht aber zwei Fußballspiele an einem Tag“, schüttelt er den Kopf. „Das habe ich zwei Mal gemacht – und das war viel zu anstrengend.“ Denn wenn die Konzentration flöten geht, häufen sich schnell die falschen Pfiffe.

So sehr ihm der Spagat auch Spaß macht, eine Regel würde er gerne von den Handballern zu den Fußballern übertragen: die Zeitstrafe, wie es sie auch früher bei den Kickern gab. „Das täte manchmal ganz gut, um die Gemüter etwas abzukühlen“, sagt Andreas Möllers mit einem Augenzwinkern. Grundsätzlich bemüht er sich aber, mit möglichst wenigen Strafen auszukommen. „Ich versuche, auf dem Feld mehr zu sehen als zu hören“, macht er deutlich, dass es nicht sein Ding ist, bei jedem Ton gleich eine Karte zu ziehen. Zumal sein Prinzip ist: „Auch der Schiri muss sich entschuldigen können, wenn er etwas nicht richtig gesehen hat.“ Das kommt gut an, im Handball wie auch im Fußball.

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