Fußball: Ann-Sophie und Alessandra Vogel wollen mit dem VfL Bochum in die Zweite Liga

Tief im Westen reifen Träume

Lette

Tief im Westen, wo die Sonne verstaubt – da ist es nicht nur laut Grönemeyers Kultsong viel besser als man glaubt, nein, da wird auch richtig gut Fußball gespielt. „Wäre schön, wenn wir es den Männern nachmachen könnten“, sagt Ann-Sophie Vogel mit einem Augenzwinkern. Mission Aufstieg, Teil zwei, das ist das Ziel. Während es die Profis des VfL Bochum in die Bundesliga geschafft haben, wollen die Frauenfußballerinnen rauf in die Zweite Liga. Und das mit tatkräftiger Unterstützung aus Lette, denn die 22-Jährige und ihre Schwester Alessandra (20) zählen zu den Stammspielerinnen im VfL-Team, das ab morgen einer ungewöhnlichen Corona-Saison die Krone aufsetzen will.

Von Frank Wittenberg

Nachdem sie schon zwei Jahren beim VfL Bochum gespielt hatte, ist Ann-Sophie Vogel im Sommer ins Ruhrgebiet zurückgekehrt – und hofft nun auf den Aufstieg in die Zweite Bundesliga. Foto: Fotos: VfL Bochum

Vor dem Jubel stehen aber noch eine Reihe hoher Hürden. Zunächst müssen die Bochumerinnen die Qualifikation zur Aufstiegsrunde überstehen und sich dann in zwei Entscheidungsspielen durchsetzen – im Optimalfall stehen noch fünf Partien bis Ende Juni auf dem Programm. „Eigentlich hatten wir gedacht, dass wir schon für diese Aufstiegsspiele qualifiziert sind“, erzählt Ann-Sophie Vogel. Denn in der Ende Oktober abgebrochenen Saison der Regionalliga West stand das Team mit fünf Siegen aus fünf Spielen bei 25:3 Toren als einzige Mannschaft makellos da. „Nach einer Quotientenregel wie im Vorjahr wären wir Erster gewesen“, blickt die Abwehrspielerin auf die Tabelle. Mitte Mai kam aber die Entscheidung, dass eine Qualifikationsrunde gespielt werden muss.

Und die bringt den beiden Vogel-Schwestern eine Menge Arbeit binnen kurzer Zeit. Morgen um 15 Uhr geht es los mit einem Heimspiel gegen den 1. FC Köln II. „100 Zuschauer sind da erlaubt“, berichtet Ann-Sophie Vogel, die dann am Mittwoch (9. 6.) auf die weite Reise zu den Sportfreunden Siegen gehen darf. Am Sonntag (13. 6.) folgt die vielleicht entscheidende Partie gegen den 1. FFC Recklinghausen – und das praktisch vor der Haustür am Helker Berg in Billerbeck. 500 Zuschauer werden dort zugelassen sein. Der Sieger aus dieser Viererrunde darf schließlich in Hin- und Rückspiel am 20. und 27. Juni gegen den Tabellenersten der Regionalliga Südwest, SV Göttelborn, um das Zweitliga-Ticket spielen.

Den Kampf um den Zweitliga-Aufstieg kennen Ann-Sophie und Alessandra Vogel schon zur Genüge. Vor zwei Jahren standen sie mit Borussia Bocholt in den Entscheidungsspielen, unterlagen aber gegen den 1. FC Ingolstadt. „Trotzdem war das ein tolles Erlebnis, auch weil wir einen großen Fan-Rückhalt hatten.“ In der Saison 2019/20 folgte im März bedingt durch die Corona-Pandemie der Saisonabbruch – mit der späteren Wertung, dass die Borussia-Frauen als Tabellenerster aufsteigen dürfen. „Schön, aber irgendwie auch sehr seltsam“, kommentiert Ann-Sophie Vogel den „Meistertitel auf dem Sofa“.

Jetzt soll es so richtig sportlich klappen. Und das nach der längsten Fußball-Pause, die die Letteranerinnen je eingelegt haben. „Schwerwiegende Verletzungen hatten wir zum Glück noch nie“, lächelt die 22-Jährige. Am 31. Oktober 2020, bei der 0:11-Pokalniederlage gegen Champions-League-Sieger VfL Wolfsburg, standen sie zum letzten Mal in einem Pflichtspiel auf dem Platz, dann kam der Lockdown. „Vier Monate haben wir nur Fitnesstraining über Skype gemacht und sind ansonsten gelaufen“, erzählt Ann-Sophie Vogel, die in Coesfeld wohnt und in Dortmund Rehabilitations-Pädagogik studiert. Ab März durften sie wieder in Zweiergruppen aufs Feld, mittlerweile geht es wieder richtig zur Sache.

Zur gerne würden sie die (coronakonforme) Aufstiegsfeier Teil zwei in Bochum einläuten. Mit dem VfL den Sprung in die Zweite Liga zu schaffen, wäre auch ein echter Trost für die Leiden der Familie Vogel in der abgelaufenen Bundesliga-Saison. „Ich bin Fan von Werder Bremen“, zuckt Ann-Sophie Vogel mit den Schultern. Weil Mutter Elke aus Bremen kommt und ihr Onkel sie dort mit ins Stadion genommen hat, schlägt das Herz der 22-Jährigen grün-weiß. Den bitteren Abstieg muss sie jetzt verdauen, wobei es Schwester Alessandra und Vater Maik als königsblaue Schalker nicht besser ergeht. So ein Aufstieg „tief im Westen“ mit dem VfL dürfte das Leid ein wenig lindern.

Startseite