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Nach 3:0-Auftaktsieg

Von wegen Catenaccio: Italiens neuer Offensiv-Stil

Florenz (dpa)

Mit offensivem Fußball im EM-Eröffnungsspiel euphorisiert Italiens Nationalelf eine ganze Nation. Die neue Squadra Azzurra vereint Stabilität und Torhunger - eine Mischung, die die Fans träumen lässt.

Von Miriam Schmidt, dpa

Feierte mit Italien einen gelungenen EM-Auftakt: Nationalcoach Roberto Mancini. Foto: Alfredo Falcone/LaPresse via ZUMA Press/dpa

Entspannt und mit Sonnenbrille schlenderte Roberto Mancini über das Trainingsgelände der italienischen Nationalelf in Florenz.

Das beeindruckende 3:0 im EM-Eröffnungsspiel gegen die Türkei sorgte im Trainingscamp der Azzurri für prächtige Stimmung - und euphorisierte eine ganze Fußball-Nation. «Die Azzurri greifen an und haben Spaß: So hat Mancini alle erobert», titelte die «Gazzetta dello Sport» mit Blick auf den Nationalcoach, der mit seinem Team eine neue Lust auf Fußball und große Träume geweckt hat. «Wenn wir so spielen, können wir es mit jedem Gegner aufnehmen», sagte Verteidiger Leonardo Bonucci nach dem EM-Auftakt selbstbewusst.

Die Titel-Hoffnungen der Fans sind im italienischen Team zwar offiziell noch kein Thema, doch selbst der Verband verkündete auf seiner Webseite: «Träumen ist mehr als erlaubt.» Trainer Mancini wiegelte Fragen nach den Titelchancen seiner Elf nach dem gelungenen Auftakt aber erst einmal ab. «Es sind noch sechs Spiele. Das ist noch ein langer Weg und es spielen starke Mannschaften mit», sagte er.

Doch vor allem die Art und Weise des Auftritts zum EM-Auftakt stimmte die Italiener euphorisch. Jahrelang waren italienische Nationalteams allem für ihre defensive Stärke bekannt - mit dem Catenaccio genannten Abwehrriegel. Die aktuelle Elf zeigte sich im EM-Eröffnungsspiel dagegen offensiv und spielfreudig - und stand dazu defensiv sicher. «Von der ersten Stunde an hat der Trainer eine neue Mentalität in den Kopf der Spieler eingehämmert: Traut euch, greift an, seid dominant und spielt schön, ohne jemals aufzuhören, auch wenn ihr führt», meinte die «Gazzetta dello Sport».

Neun Spiele in Serie hat das Team von Mancini gewonnen, 28:0 Tore erzielt. Die Bilanz liest sich beeindruckend: Ungeschlagen ist die Squadra Azzurra unter Mancini bereits seit September 2018 oder 28 Spielen. Selbst der Uralt-Rekord von 30 Partien ohne Niederlage unter Vittorio Pozzo zwischen November 1935 und Juli 1939 scheint in Reichweite. «Man gewinnt nicht durch Zufall», sagte Mancini. «Man muss jede Partie mit der richtigen Einstellung angehen.»

Dreieinhalb Jahre nach der Apokalypse der verpassten WM 2018 ist das Team zurück auf der großen Bühne - und überzeugt. «Einen besseren Start kann man sich kaum vorstellen», sagte der Ex-Dortmunder Ciro Immobile nach dem 3:0, bei dem er selbst (66. Minute), Lorenzo Insigne (79.) und ein Eigentor von Merih Demiral (53.) für die Treffer sorgten. Die Mannschaft bejubelte im Bus nach der Abfahrt aus dem Stadion zum Refrain «notti magiche» - magische Nächte - aus dem WM-Hit 1990 «Un'estate italiana» von Gianna Nannini den Sieg.

Auch auf den Straßen Roms wurde bis zum Beginn der Ausgangssperre wegen der Corona-Pandemie gefeiert. «Diese Jungs bringen verlorene Freude zurück», schrieb der «Corriere dello Sport» über eine Nation, die nach schwierigen Monaten in der Pandemie die Rückkehr der Fans ins Olympiastadion und die Leistung ihres Teams selig bejublte.

Gegen die Schweiz wollen die Azzurri nun wenn möglich schon am Mittwoch (21.00 Uhr/ARD und MagentaTV) den Achtelfinal-Einzug perfekt machen. Dann könnte auch Italiens Mittelfeld-Chef Marco Verratti erstmals wieder dabei sein. Der 28-Jährige gab am Wochenende nach überstandener Knieverletzung in einem Testspiel sein Comeback. Mancini verfolgte den Auftritt lässig auf einem Ball sitzend - mit dem Selbstbewusstsein, das derzeit ganz Fußball-Italien erfasst hat.

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