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FC Bayern München

Endspurt mit Misstönen - Flick will «gemeinsam feiern»

Die Misstöne nach dem Flick-Knall soll die Bayern nicht beim nächsten Meisterschritt bremsen. Der Trainer legt vor dem Leverkusen-Spiel nicht nach, die kalt erwischten Bosse bleiben in Deckung. Folgen wie in Gladbach oder Frankfurt befürchtet Flick beim «Countdown» nicht.

dpa

Wird als kommender Bundestrainer gehandelt: Hansi Flick. Foto: Matthias Balk

München (dpa) - Hansi Flick war bemüht, das zerrüttete Verhältnis zu den Bayern-Bossen nicht noch weiter zu beschädigen.

Nach dem Ärger um seinen Wolfsburger Alleingang wies der 56-Jährige noch vor der ersten Frage der Pressekonferenz darauf hin, dass es zu den «Diskussionen», seiner «Aussage am Samstag» und der «Stellungnahme des Vereins» nichts mehr zu sagen gebe. Im (Macht-)Kampf auf dem Weg zum meisterlichen Abschied wollte der möglicherweise zukünftige Bundestrainer den Blick exklusiv auf den Weg zur Schale richten.

«Der fünfte Stern auf unserem Trikot, auf all' unseren Fanartikeln, das ist unser großes Ziel», sagte Flick vor dem Heimspiel gegen Bayer Leverkusen am Dienstagabend (20.30 Uhr/Sky). Nach zwei hervorragenden Jahren wolle man am Saisonende dann die 30. Meisterschaft zu Bundesliga-Zeiten und damit den nächsten Stern entsprechend feiern. «Gemeinsam feiern», wie er schnell hinzufügte.

Mit Gemeinsamkeit ist es seit dem Wochenende, als Flick vorpreschte und den Wunsch nach einer Vertragsauflösung in diesem Sommer publik machte, an der Säbener Straße aber vorbei. Flick rechtfertigte sein Vorgehen am Montag noch einmal. Er habe «spontan» entschieden, die Mannschaft zu informieren, damit diese es von ihm erfahre und «damit ich nicht weiter rumeiern muss». Ob diese Erklärung die Bosse versöhnt?

Eine vorzeitige Trennung muss der Erfolgscoach trotz der kräftigen Vorstandsrüge für seine «einseitige Kommunikation» aktuell nicht befürchten. Doch es müssen schon ein paar Wochen vergehen und weitere Siege her, damit Trainer und Club am Saisonende nach dem jüngsten Ärger vor allem die Höhepunkte der gesamten, kurzen Flick-Ära rühmen können. Dass die Bayern der Bitte nach der Auflösung des bis 2023 gültigen Vertrags nicht nachkommen, wird allgemein nicht erwartet.

Acht Monate nach der magischen Triple-Nacht von Lissabon und der damals prophezeiten großen Flick-Ära wollen die Club-Chefs und ihr Trainer nun die in wichtigen Teilen missglückte Saison wenigstens in der Liga erfolgreich zu Ende bringen. «Natürlich wäre mehr drin gewesen», sagte Flick, den das Champions-League-Aus gegen Paris Saint-Germain immer noch wurmt.

Der dort schmerzlich vermisste Weltfußballer Robert Lewandowski (35 Saisontore) mache zur Fortsetzung der Jagd auf den 40-Tore-Rekord von Gerd Müller einen «hervorragenden Eindruck». Doch ein Einsatz kommt anders als bei Rückkehrer Leon Goretzka nicht schon gegen Leverkusen, sondern wohl erst am 24. April egen Mainz in Frage.

Die Spieler um Kapitän Manuel Neuer, der den Coach zum «besten Trainer der Welt» ernannte, wollen sich von den Turbulenzen rund um den Abschiedsknall nicht bremsen lassen. Effekte wie in Mönchengladbach oder Frankfurt, wo die Mannschaften nach den angekündigten Abschieden von Marco Rose beziehungsweise Adi Hütter schwächelten, befürchtet Flick bei Neuer und Co. keineswegs.

«Die letzten Wochen waren für die Mannschaft auch nicht unbedingt ruhig», sagte Flick, der hinzufügte: «In München ist es immer auch so, dass die Mannschaft eine sehr starke Mentalität hat, sehr fokussiert ist auf das Sportliche, sehr fokussiert ist auf Erfolg.» Sieben Punkte beträgt der Vorsprung vor RB Leipzig. Das Polster soll es mindestens auch nach diesem Spieltag noch sein.

Spannend wäre gewesen, wenn am Dienstag 75 000 Zuschauer in der Allianz Arena zuschauen dürften. Am Fan-Votum Richtung Flick und Sportvorstand Hasan Salihamidzic ließe sich bestimmt einiges ablesen. Doch einem der Protagonisten alleine den Schwarzen Peter zuzuschieben, ist ohnehin zu einfach.

Der von Vereinspatron Uli Hoeneß protegierte Salihamidzic muss um sein Image kämpfen, denn die Sechs-Titel-Saison wird vor allem mit Flick verbunden bleiben. Der Sportvorstand muss mit seinen Kollegen in den Führungsgremien auch die Nachfolge für den in 81 Pflichtspielen 67 Mal siegreichen Flick regeln. Kandidat Nummer eins bleibt Julian Nagelsmann von RB Leipzig. Der Tabellenzweite kann aus einer komfortablen Lage um eine üppige Ablösesumme pokern.

Frühestens nach dem Mainz-Spiel soll es - so der Plan des Rekordmeisters - Neues von Vereinsseite geben. Neuigkeiten zu Flicks Zukunft gab es am Montag auch keine. Der Bundestrainer-Posten gilt als Option Nummer eins. Die historische Titelsaison in München hat Flick aber auch in den Fokus von internationalen Topclubs gerückt.

© dpa-infocom, dpa:210419-99-264406/3

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