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Karriereende

Kämpfer Khedira macht Schluss: «Ich bin dann erstmal raus»

Sami Khedira macht Schluss. Für den 34-Jährigen bleibt das kurze Engagement bei Hertha BSC die letzte Station seiner Karriere. Der Körper macht nach 15 Jahren Profi-Fußball nicht mehr mit.

dpa

Sami Khedira wird seine Karriere beenden. Foto: Michael Sohn

Berlin (dpa) - Ein Weltmeister wird zum Weltenbummler: Rio-Champion Sami Khedira hat das Ende seiner erfolgreichen Karriere angekündigt und sucht erstmal ein bisschen Abstand vom Fußball.

«Ich bin dann erstmal raus», sagte Khedira bei einer Pressekonferenz seines Clubs Hertha BSC. Statt der Hatz von Spiel zu Spiel will der 34-Jährige nun privat auf Reisen gehen. «Ich werde kein richtiges Zuhause haben. Ich werde viele Dinge machen, die ich als aktiver Sportler nicht machen konnte», sagte Khedira, der bei der Verkündung sichtlich mit seinen Emotionen kämpfen musste. Erst nach einigen Momenten gewann er wieder seine Fassung. «Ich kann nicht mehr das erfüllen, was ich selber von mir verlange», sagte Khedira.

Wenige Stunden nachdem für seine einstigen Weltmeister-Kollegen Thomas Müller und Mats Hummels die Rückkehr in die Nationalmannschaft verkündet wurde, zog Khedira einen Schlussstrich. Der Zeitpunkt war ungewöhnlich, aber eine große Überraschung war es nicht. Khedira hörte einfach auf seinen Körper und zog die Konsequenzen. «Es fällt mir unwahrscheinlich schwer. 15 Jahre Profifußball haben ihre Spuren hinterlassen. Ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass es die richtige Entscheidung ist. Der Schmerz ist zwar sehr, sehr groß, aber am Ende überwiegt Dankbarkeit», sagte Khedira.

«Mission KLASSENERHALT, vollendet!». Mit diesen Worten hatte der Schwabe am Wochenende noch den Ligaverbleib mit den Berlinern in den sozialen Netzwerken gefeiert. Seine eigene Mission in der Hauptstadt ist nach vier Monaten schon wieder beendet. Zuletzt machte die Wade mehrmals Probleme. Wie vor dem WM-Finale 2014 gegen Argentinien, als er kurz vor dem Anpfiff passen musste. Der Triumph im Maracana war dennoch Höhepunkt einer großen Karriere, samt Titelgewinnen mit dem VfB Stuttgart, Real Madrid und Juventus Turin.

Das Turnier in Brasilien überhaupt erreicht zu haben, war eine große Energieleistung. Sieben Monate zuvor schien ein Kreuzbandriss einen WM-Start auszuschließen. Der Mittelfeld-Stratege kämpfte sich zurück. 2010 war sein Fußball-Stern bei der WM in Südafrika international aufgegangen, als Ersatzmann des verletzten Michael Ballack. Es folgte der Wechsel aus dem Ländle zu Real Madrid, wo er 2014 kurz vor dem WM-Triumph auch Champions-League-Sieger wurde.

In der Nationalmannschaft war schon nach dem Russland-Debakel 2018 nach 77 Länderspielen Schluss. Bundestrainer Joachim Löw holte ihn nicht zurück. Etwas mehr als 300 Minuten spielte Khedira nun nur für die Hertha. In acht von 14 möglichen Partien war er dabei. Die volle Distanz stand er nie auf dem Platz. Fitnessproblem und Verletzungsrisiko, das waren schon die Argumente der Zweifler, als Khedira im Winter in die Hauptstadt kam. In Turin hatte er in eineinhalb Jahren nur einmal gespielt, nachdem er sich unter anderem einer Herzoperation unterziehen musste.

Von Trainer Pal Dardai gab es viel Lob für das Kurzzeit-Engagement im schwierigen Hertha-Umfeld. «Sportlich konnte er nicht viel helfen, aber die Sache, in der Kabine viele Dinge zu regeln, da war nicht nur sein Name weltklasse. Das war eine große Hilfe», sagte der Hertha-Coach. Schon bei seiner Präsentation Anfang Februar hatte Khedira gesagt: «Ich werde auf jeden Fall meine ganze Energie, mein ganzes Wissen sowie mein ganzes sportliches Repertoire einfließen lassen, um die nächsten Spiele erfolgreich zu gestalten.» Nach der Partie gegen 1899 Hoffenheim am Samstag ist Khediras Karriere vorbei.

© dpa-infocom, dpa:210519-99-664441/4

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