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Letzter Spieltag

Partylust und Randale-Frust bei Fan-Rückkehr

Am letzten Spieltag drängen die Fußball-Fans zurück ins Bild. In den ersten Stadien sind wieder Zuschauer zugelassen, im Kampf um Aufstieg und Klassenerhalt kochen vor den Arenen die Emotionen hoch.

dpa

Mit Pyro, ohne Abstand: Hansa-Fans feiern den Rostocker Aufstieg in die 2. Liga. Foto: Danny Gohlke

Berlin (dpa) - Tausende Fans auf den Straßen, wenig Abstand und Masken und sogar Zuschauer in einigen Arenen - der Profifußball hat sich am letzten Spieltag der Saison einer vertrauten Normalität aus der Zeit vor Corona genähert.

Begleitet wurden die emotionalen Bilder von Aufstiegslust und Abstiegstrauer einmal mehr aber auch von Krawallen mit Pyrotechnik, verletzten Fans und Polizisten und einer Serie von Festnahmen. An den Brennpunkten Bremen, Köln, Berlin, Rostock, Ingolstadt und Dresden wurde bei Fan-Aufläufen zudem reihenweise gegen Corona-Regeln verstoßen - wohl auch ein Ausdruck der allgemeinen Lockerungsübungen im pandemie-müden Deutschland.

Als Signal der Hoffnung wertete Union Berlins Präsident Dirk Zingler die Rückkehr von 2000 Zuschauern ins Stadion An der Alten Försterei. «Wir fühlen uns wohl damit», sagte der Vereinschef im TV-Sender Sky und betonte: «Die Vereine sind gut gerüstet, dass die Menschen wieder zurückkommen.» Erstmals seit fast sieben Monaten fanden wieder Fans Einlass in die Köpenicker Arena. «Es ist wichtig für die Politik, wieder ein Gefühl zu bekommen, da helfen wir gern», sagte Zingler auch mit Blick auf weitere Öffnungsmaßnahmen für Kultur und Sport.

Zingler verteidigte die Fan-Party. «Uns war am Donnerstag und Freitag klar, dass es diese Bilder geben wird. Wir haben versucht, es zu organisieren», sagte er. Das Ziel sei gewesen, dass die Feierlichkeiten «nicht wahllos und wild» werden. Bei vergangenen Spielen waren viele Fans rund um das Stadion und im angrenzenden Wald zusammengekommen. Für ein Feuerwerk beim Derby gegen Hertha BSC (1:1) im April hatte Union 6000 Euro Geldstrafe an den DFB zahlen müssen. Die Abläufe am Samstag seien mit den Sicherheitsbehörden vorab besprochen worden. Sollte es dennoch zu Sanktionen wegen Verstößen gegen die Corona-Verordnung kommen, werde man die hinnehmen müssen, meinte Zingler.

Meister FC Bayern durfte beim Saisonabschluss sogar erstmals seit März 2020 wieder einige Zuschauer in der Allianz Arena begrüßen. Statt 75.000 waren es diesmal zwar nur 250, aber Münchens scheidender Coach Hansi Flick sagte trotzdem: «Das hat gut getan.» Zugang gab es nur mit negativem Corona-Test oder nachgewiesener Impfung, auf der Tribüne galt Maskenpflicht. Ein erster Testlauf war das womöglich auch für die EM-Spiele in München, wenn im Juni die deutsche Mannschaft vor zumindest 14.500 Zuschauern auflaufen könnte.

Die größte Kulisse des Wochenendes durfte indes der FC Hansa Rostock begrüßen. 7500 Menschen waren beim Zweitliga-Aufstieg der Gastgeber im Ostseestadion dabei. «Es ist ein richtig geiles Gefühl. Mit den Verrückten hier zu feiern, ist unglaublich», schwärmte Hansa-Profi Lukas Scherff. Danach feierten 6000 Rostocker Fans auf dem Neuen Markt dicht gedrängt die Rückkehr in die 2. Liga nach neun Jahren, Maskenträger waren wie schon im Stadion in der Minderheit.

In der Nacht kam es dann zu Ausschreitungen, aus einer Gruppe von 250 Randalierern wurden Polizei und Feuerwehr mit Pyrotechnik und Flaschenwürfen angegriffen. Ähnliche Szenen spielten sich in Köln ab. Nachdem sich der 1. FC Köln durch ein 1:0 gegen den FC Schalke 04 in die Bundesliga-Relegation gerettet hatte, erlitten Polizisten und Fans bei Auseinandersetzungen Platzwunden, Schnittverletzungen und Knalltraumata. Auch ein WDR-Mitarbeiter wurde attackiert und verletzt. Mehrere Krawallmacher wurden in Gewahrsam genommen.

Am Rande des Drittliga-Spiels zwischen dem FC Ingolstadt und dem TSV 1860 München wurden zehn Fans festgenommen - überwiegend Münchner. Auch hier war mit Pyrotechnik geworfen worden. In Krefeld wurde bei den Feiern zum Klassenverbleib des Drittligisten KFC Uerdingen eine Person von einem in den Mannschaftsbus geworfenen Rauchtopf leicht verletzt. Friedlich blieb es nach den schweren Randalen der Vorwoche diesmal in Dresden, wo Zweitliga-Aufsteiger Dynamo von rund 1000 Fans mit Bengalos empfangen wurde.

Rund 1500 Fans hatten sich auch am Weserstadion versammelt, um das Team von Werder Bremen auf die entscheidende Partie gegen Borussia Mönchengladbach einzuschwören. Nach der 2:4-Pleite entlud sich bei einigen der Frust in Aggressionen. Die «unheimliche Verbundenheit» der Anhänger, die Werder-Interimstrainer Thomas Schaaf verspürte, half im Kampf gegen den ersten Abstieg seit 41 Jahren vorerst nichts. Aber immerhin gehen die Bremer mit der Gewissheit in die 2. Liga, dass die Treue ihrer Fans auch nach 15 Pandemie-Monaten intakt ist.

© dpa-infocom, dpa:210523-99-711963/4

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