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DFB-Pokal

Nach Bayern-Pleite in Kiel: Flick als Krisenmanager gefragt

Das erste Titelziel ist schon dahin. Die Bayern sind weit entfernt von ihrer Triple-Form. Trainer Hansi Flick muss eine ungewohnte Situation managen. Die Konkurrenz schaut ganz genau hin.

dpa

Die Bayern-Spieler verlassen nach dem Pokal-Aus in Kiel frustriert den Rasen. Foto: Christian Charisius

Kiel (dpa) - Von einer Krise wollte Hansi Flick nichts wissen. Nach dem größten Frustabend seiner trophäenreichen Bayern-Amtszeit mühte sich der 55-Jährige, den ersten Titel-K.o. möglichst schnell hinter sich zu lassen.

«Wir haben uns das Ziel gesetzt, dieses Jahr das Triple zu verteidigen. Das können wir uns jetzt abschminken», sagte Flick. «Jetzt müssen wir gucken, dass wir die Dinge in Zukunft besser machen, dass wir in die Spur kommen.»

Nur wie? 143 Tage nach dem vollendeten Titel-Triple mit dem Champions-League-Sieg in Lissabon waren die Münchner beim Pokal-Aus weit entfernt von der europaweit gefürchteten August-Form, die Bayern-DNA scheint entschlüsselt. Sogar der Zweitliga-Dritte Holstein Kiel hatte sich im Schneetreiben beim Triumph im Elfmeterschießen (6:5) bestens darauf eingestellt.

«Man kann sich ein Beispiel an Kiel nehmen. Ich fand' das gut. Ich schaue mir das Spiel auch noch einmal an. Da kann man immer mal was rausziehen», sagte Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann - zwei Punkte liegen die Leipziger als Tabellenzweiter hinter dem Rekordmeister und wollen dafür sorgen, dass die Bundesliga in diesem Jahr spannend bleibt. «Bei allem was diskutiert wird, derzeit fehlt den Bayern auch ein bisschen das Spielglück», meinte Gladbachs Trainer Marco Rose, zuletzt ebenfalls Bayern-Bezwinger. «Es wird der Tag kommen, an dem die Bayern wieder bayern-like auftreten.»

Michael Zorc, der Sportchef des Tabellenvierten Borussia Dortmund, wollte nichts wissen vom Angriff auf den Spitzenreiter. Mit Blick auf die aktuelle Schwächephase des Rivalen aus München meinte er: «Das ist Klagen auf ganz, ganz hohem Niveau.» Trainer Edin Terzic untermauerte trotz des Fünf-Punkte-Rückstandes die eigenen Ambitionen. «Wir müssen da sein, das stimmt. Das müssen wir aber in jedem Spiel, unabhängig von den Bayern.»

Der Bundesliga-Tabellenführer und Champions-League-Achtelfinalist aus München will den Pokal-Ärger schnell hinter sich lassen. «Jetzt geht der Blick auf das, was unsere Aufgabe ist: Erfolgreich Fußball spielen. Da müssen wir hinkommen», sagte Flick. Vor dem Heimspiel am Sonntag (15.30 Uhr/Sky) gegen den SC Freiburg hat der Tabellenführer schon 24 Gegentreffer kassiert - in gerade einmal 15 Bundesligaspielen.

Sorgen machen sich die Bosse, die dick eingepackt auf der Tribüne zitterten, aktuell keine. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge betonte sein Vertrauen in Trainer und Mannschaft, wies aber auch auf die «wichtige Aufgabe für Hansi Flick» hin, die wackelige Defensive zu stabilisieren. Und das tat er schon kurz vor dem Pokalspiel, in dem das 1:1 durch Fin Bartels nach dem wiederholten Muster eines Passes in die Tiefe fiel. «Das war schon eine Spielsituation, auf die wir vorbereitet waren», verriet der junge Störche-Trainer Ole Werner (32).

Die Bayern-Stars waren bedient. «Über das erste Gegentor sprechen wir schon seit einiger Zeit, über diese Art von Gegentoren. Den Schuh müssen wir uns anziehen», sagte der angefressene Thomas Müller vor 6,367 Millionen TV-Zuschauern. Sein Trainer meinte: «Das sind Dinge, die wir angesprochen haben, die wir trainiert haben. Da muss ich die Tiefe absichern.»

Die Bayern pressen nach Ballverlust schon in der gegnerischen Hälfte sehr aggressiv. «Dafür braucht es auch diese hohe Viererkette», sagte Kiels Werner. Genau diese im Triplejahr hochgelobte taktische Grundordnung der Münchner steht nun in der Diskussion - die Stärke scheint sich zur Schwachstelle entwickelt zu haben. Doch es ist nicht nur die Abwehr, die Flick Kopfzerbrechen bereitet. Nicht nur gegen, sondern auch mit dem Ball müsse man besser arbeiten. «Da haben wir auch noch Luft nach oben.»

Seit Flick am 4. November 2019 die Bayern als Nachfolger von Niko Kovac übernommen hat, war es nur nach oben gegangen - nun ist der 55-Jährige erstmals als Krisenmanager gefordert. Es scheint auch eine Kopfsache zu sein bei den Profis, denn: «Wir haben 120 Minuten gezeigt, dass wir fit sind», sagte der Trainer.

Stur an seinem System festhalten wird Flick indes nicht. «Wir haben nicht nur einen Plan A, wir wissen auch andere Dinge letztendlich zu spielen. Von daher ist es einfach auch der Situation geschuldet. Es ist immer eine Überlegung in unserem Trainerteam, wie wir die Dinge angehen wollen. Es ist nicht so, dass wir uns keine Gedanken machen», sagte er.

Im DFB-Pokal sind die Bayern nun früh nicht mehr dabei. Letztmals war das vor gut 20 Jahren so, da verloren die Münchner beim damaligen Oberligisten 1. FC Magdeburg - ebenfalls im Elfmeterschießen. Im Tor stand damals Oliver Kahn. Sein jetziger Vorstandskollege Hasan Salihamidzic hatte am 1. November 2000 mit seinem Tor zum 1:1 die Bayern in die Verlängerung gerettet. Auf der Bank saß Ottmar Hitzfeld - trotz der Enttäuschung wurde sein Team Meister, fing Schalke in allerletzter Sekunde noch ab und holten sich auch noch den Champions-League-Titel - im Elfmeterschießen.

© dpa-infocom, dpa:210114-99-18167/5

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