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Achtelfinale gegen Leverkusen

Underdog Essen will Pokal-Märchen fortsetzen

Vor 27 Jahren steht Rot-Weiss Essen zum letzten Mal im Viertelfinale des DFB-Pokals. Damals geht es sogar bis ins Finale. Nun ist RWE der letzte Viertligist im Achtelfinale. Und träumt davon, sein Pokal-Märchen fortzusetzen.

dpa

Die RWE-Spieler wollen auch gegen Leverkusen das Essener Pokal-Märchen weiterschreiben. Foto: Marcel Kusch

Essen (dpa) - Das Ziel des größten Underdogs im Pokal-Achtelfinale ist schnell formuliert. «Wir wollen auch nach Dienstag ungeschlagen sein», sagt Marcus Uhlig, Vorstandschef von Rot-Weiss Essen.

Denn wenn der letzte Fußball-Regionalligist am Dienstag Vorjahresfinalist Bayer Leverkusen empfängt (18.30 Uhr/Sky), ist der Traditionsverein seit einem Jahr und einem Tag in 32 Pflichtspielen ungeschlagen.

Die Hoffnung, dass das Essener Pokal-Märchen sich nach Erfolgen gegen Bundesliga-Aufsteiger Bielefeld und Bundesliga-Absteiger Düsseldorf fortsetzt, ist deshalb da. «Das wird kein Bonusspiel, bei dem wir mit Autogrammkarten und Edding dastehen und uns Unterschriften von den Stars holen. Wir wollen gewinnen», sagt Uhlig im dpa-Gespräch: «Wir wissen, dass die Chancen noch mal kleiner sind. Aber sie sind da.»

So manch einer denkt an der Hafenstraße sogar schon an den 1. FC Saarbrücken, der im Vorjahr als erster Viertligist das Halbfinale erreichte - dort übrigens gebremst von Erstligist Leverkusen. «Sowas kommt immer wieder vor», sagt Uhlig, der 2015 mit Drittligist Bielefeld im Halbfinale stand: «Am Ende spielen 22 Leute auf dem gleich schlechten Platz.» Der werde am Dienstag «sicher kein Golfrasen» sein. In der Liga, wo Essen immer das Spiel machen muss, ein Nachteil. Am Dienstag gegen Bayers Ballzauberer wohl eher ein Vorteil.

«Wir sind gut vorbereitet», sagte Leverkusens Trainer Peter Bosz, der sich zuletzt häufiger über die Platzverhältnisse in Leverkusen beschwert hatte: «Wir haben lange auf unserem Platz gespielt.» Respekt vor Essen hat er aber trotzdem. «Sie haben schon zwei Überraschungen geschafft», sagte Bosz: «Und wir wollen nicht die nächste Überraschung werden.»

In jedem Fall wird es das wichtigste Spiel in der jüngeren Vereinsgeschichte, in der die vielen ruhmreichen Momente lange zurückliegen. «Es geht um Ruhm, Ehre und Geld», sagt Uhlig und ergänzt: «Und ganz ehrlich: Ich weiß nicht, was wichtiger und mehr wert ist.» Auch RWE schmerzen die finanziellen Einbußen durch Corona, auch wenn die Fans treu sind und der Verein für diese Saison kurioserweise mehr Dauerkarten verkaufte als im Vorjahr, als sie noch nicht virtuell waren. «Jetzt noch mal eine Million Euro im Pokal zu verdienen, wäre aus wirtschaftlicher Sicht fast zu schön, um wahr zu sein», sagt Uhlig: «Damit wären wir alle Sorgen mehr als los und hätten noch einen gewissen Grundstock für die nächste Saison.»

Der bundesweite Fokus hätte für den Cup-Sieger von 1953, der zuletzt als Finalist 1994 über das Achtelfinale hinauskam und seit 2007 unterhalb der 2. Liga spielt, ebenfalls große Bedeutung. «Wir registrieren bereits jetzt einen deutlichen Anstieg unserer bundesweiten Medienpräsenz. Das wäre eine überragende Geschichte», sagt Uhlig.

Die Gefahr, dass durch die Ablenkung der wichtige Drittliga-Aufstieg verspielt werden könnte, besteht laut Uhlig nicht. Denn obwohl die Essener ungeschlagen sind, gehen sie vier Tage nach dem Pokal-Fight nur als Tabellenzweiter mit einem Spiel und zwei Punkten weniger in das Spitzenspiel gegen Dortmunds U23. Uhlig erhofft sich aber den gegenteiligen Effekt. «Bisher haben sich bei uns Liga- und Pokalspiele gegenseitig befruchtet», sagt er: «Der Schneeball ist immer größer geworden.»

Der Aufstieg ist für RWE emotional auch deshalb so wichtig, weil dieses Pokal-Märchen komplett ohne Fans erzählt wird. «Es ist schon bitter, wenn wir dran denken, welche Festtage wir an der Hafenstraße hätten haben können», sagt Uhlig: «Aber wenn wir wirklich im Sommer vor Zuschauern in der 3. Liga spielen könnten, hätten wir schon ansatzweise eine Fantasie, was dann los wäre.»

© dpa-infocom, dpa:210201-99-254461/3

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