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Fußball-Olympiasieger

In Gedanken bei der Mutter: Cunha und sein Weg zum Traum

Yokohama (dpa)

Mit seinem Führungstor und einer starken Leistung hat Matheus Cunha großen Anteil am Olympiasieg der brasilianischen Fußballer. Der 22-Jährige erinnert sich an seine Jugend zurück.

Von Thomas Eßer, dpa

Der Brasilianer Matheus Cunha (r) steht bei Hertha BSC unter Vertrag. Foto: Andre Penner/AP/dpa

Der Moment des großen Olympia-Triumphs war für Matheus Cunha auch ein Moment des kurzen Innehaltens.

«Ich erinnere mich, als meine Mutter mir sagte: 'Sohn, geh raus. Geh und gehe deinem Traum entgegen'», sagte der mit Gold dekorierte brasilianische Final-Torschütze. «Ich bin sicher, sie dachte innerlich, bitte bleib noch ein bisschen bei mir. Diese Anstrengung, die andere für dich auf sich nehmen, sind die Dinge, an die du dich immer erinnerst.»

Mit 14 Jahren war Cunha von zu Hause ausgezogen. Der Offensivspieler vom Bundesligisten Hertha BSC ging in die Großstadt Curitiba - mehr als 3000 Kilometer von seiner Heimat entfernt. Dort wurde er zum Fußball-Profi. In der brasilianischen Gold-Nacht von Yokohama feierte der 22-Jährige den größten Erfolg seiner bisherigen Karriere und hatte selbst entscheidenden Anteil am Olympiasieg.

Führungstreffer

Beim 2:1 nach Verlängerung gegen Spanien brachte Cunha seine Mannschaft durchsetzungsstark direkt vor der Halbzeit in Führung. Zwar glich Mikel Oyarzabal für Spanien aus, doch Joker Malcom schoss Brasilien in der 108. Minute zur Goldmedaille. «Das war das wichtigste Tor meines Lebens», sagte Malcom, der zur Verlängerung für Cunha eingewechselt worden war.

Für die Brasilianer war es der zweite Olympiasieg nacheinander. 2016 hatte die damalige Auswahl um Superstar Neymar Deutschland in Rio de Janeiro im Elfmeterschießen besiegt. Nun durften die Südamerikaner in dem Stadion jubeln, in dem das Land 2002 im Finale gegen die DFB-Elf Weltmeister geworden war.

«Wenn man sich die Medaille anschaut, sieht man all die Hindernisse, die man überwinden musste und was man tun musste, um sie zu gewinnen», sagte Cunha, der mit Gold um den Hals und Landesflagge über den Schultern für Fotos posierte.

Wechsel hat sich gelohnt

Dass er sich nun Olympiasieger nennen darf, hat für Cunha viel mit seinem Wechsel von Leipzig nach Berlin im Januar 2020 zu tun. «Jedes Mal, wenn du eine Entscheidung triffst, fragst du dich immer, ob es eine gute Entscheidung war, und in diesem Fall war sie es wirklich», sagte er. «Ich habe meinen Verein gewechselt, und es war eine gute Wahl. Das hat mich hierher geführt. Alles, was ich durchgemacht habe, hat sich gelohnt, all das Leiden hat sich gelohnt.»

Bei den Hauptstädtern wurde Cunha zum Stammspieler, machte mit Bundesliga-Toren auf sich aufmerksam und empfahl sich so auch für das Olympia-Team. «Wir sind stolz auf Dich», schrieb die Hertha bei Twitter. Wann der von den Berlinern als «Goldjunge» bezeichnete Cunha zu seinem Club zurückkehrt, ist noch offen. Zudem steht nach seinen guten Leistungen in Japan auch ein Verkauf des Brasilianers im Raum.

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