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0:2 gegen England

Matthäus kritisiert Löw nach EM-Aus: «Stur gewesen»

Berlin (dpa)

Von dpa

Rekordnationalspieler Matthäus geht mit Joachim Löw hart ins Gericht. Foto: Matthias Balk/dpa

Rekord-Nationalspieler Lothar Matthäus hat nach dem EM-Aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft die Taktik des scheidenden Bundestrainers Joachim Löw kritisiert.

«Natürlich muss man über das System diskutieren, weil die Spieler das System nicht spielen wollten. Jogi Löw ist stur gewesen und hat wieder an etwas festgehalten, was im Endeffekt keinen Erfolg gebracht hat», sagte der 60-Jährige in einer Video-Kolumne für Interwetten. Beim Scheitern in der Vorrunde der WM 2018 in Russland habe Löw zu lange an verdienten Spielern festgehalten.

Joshua Kimmich habe sich auf der rechten Seite nicht wohl gefühlt, auch Thomas Müller habe auf einer anderen Position als beim FC Bayern gespielt, meinte Matthäus. Dabei nahm der Weltmeister von 1990 nach dem Aus durch das 0:2 gegen England im Achtelfinale auch erfahrene Spieler aus dem Kader in die Pflicht und sprach diese direkt an. «Sie haben Persönlichkeit, ein Manuel Neuer, ein Mats Hummels, ein Thomas Müller, ein Toni Kroos. Geht's auf den Trainer zu und redet mit ihm», betonte er. «Es kann nicht sein, dass wir ein System gespielt haben, das ihr im Endeffekt nicht wolltet.»

Hoffnungen auf Flick

Große Hoffnungen setzt Matthäus auf den Nachfolger von Löw als Bundestrainer. «Hansi Flick wird Dinge verbessern, verändern vor allem. Das ist zum Wohle der deutschen Nationalmannschaft, des deutschen Fußballs», sagte er. «Zwei Turniere so zu spielen wie wir es gespielt haben, das ist nicht das, was man von Deutschland erwartet.»

Der frühere Fußball-Weltmeister Andreas Brehme schaut nicht so skeptisch wie viele seiner Ex-Kollegen auf die Zukunft der deutschen Nationalmannschaft. Die Spieler seien «jetzt gefragt», sagte der 60-Jährige der Deutschen Presse-Agentur und betonte mit Blick auf die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr: «Wir werden im Hinblick auf Katar eine spielstarke Mannschaft haben, die versucht, den WM-Titel zu gewinnen.» Löw bescheinigte der Siegtorschütze aus dem WM-Finale 1990 trotz des Scheiterns gegen England insgesamt «eine hervorragende Leistung» während dessen Amtszeit.

Zukunft von Hummels, Kroos und Müller offen

Die Ex-Nationalspieler Thomas Helmer und Christian Ziege sind sich über die Zukunft von Mats Hummels, Toni Kroos und Thomas Müller in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft uneinig. «Keiner nimmt das Heft in die Hand. Deshalb muss über Hummels, Kroos und Müller natürlich nachgedacht werden - mit der Tendenz, dass es ohne sie weitergehen sollte», schrieb Helmer in einer «kicker»-Kolumne nach dem EM-Aus gegen England. Ziege, 1996 mit Helmer Europameister, erklärte an selber Stelle: «In Zukunft würde ich die Erfahrung der Weltmeister Hummels, Kroos und Müller einbinden, aber allein unter Leistungsbedingungen und ohne Einsatzgarantie.»

Einig war sich das Experten-Trio, zu dem auch Andreas Möller gehörte, dass das DFB-Team keine überzeugende EM gespielt hat. «Der Weg war ja schon länger nicht mehr wirklich zielgerichtet», schrieb Möller und findet, dass der Rückzug von Bundestrainer Joachim Löw drei Jahre zu spät gekommen sei. «Spätestens 2018 wäre die Zeit reif gewesen für Neues, ohne Löws riesige Verdienste zu schmälern», schrieb Möller: «Für die Zukunft wünsche ich mir frischen Wind - und ein System, in dem sich die Spieler auf ihren Positionen wohlfühlen und dementsprechend als Team entfalten können.»

Helmer konstatierte: «Außer gegen Portugal fehlte der DFB-Elf in jeder Partie das Tempo, es wurde zu viel aus dem Stand gespielt. Die Elf war einfach nicht eingespielt.» Weil zudem keine mannschaftliche Geschlossenheit zu spüren gewesen sei, müsse «der komplette Trainerstab hinterfragt werden».

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