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Fußball: Einsatz von Erik Lanfer in der U 16-Nationalmannschaft hilft der Jugendarbeit des SV Gescher

Ein Knappe aus der Glockenstadt

Gescher. Ein rotes Trikot, beflockt mit der Nummer sechs und seinem Namen, das ist tatsächlich eine Premiere für Erik Lanfer. Denn eigentlich trägt der 17-Jährige königsblau – und das schon mehr als sein halbes Leben. „Das werde ich trotzdem demnächst gerne anziehen“, lächelt er über das Dankeschön, das er von Dietmar Paskert und Ralf Rottmann im Namen aller Jugendfußballer des SV Gescher überreicht bekommt. Ein Dankeschön für den Ehrgeiz, der Erik zum Schalke 04 und schließlich in die U 16-Nationalmannschaft befördert hat. Dafür hat sein Heimatverein nun eine Ausbildungsvergütung erhalten, die in vollem Umfang wieder in die Jugendarbeit fließt.

Frank Wittenberg

Über zehn Bazooka-Tore für das Training mit den jüngsten Altersklassen freuen sich Dietmar Paskert (links) und Ralf Rottmann (rechts), verantwortlich für den Kinder- und Jugendfußball beim SV Gescher. Möglich war die Anschaffung durch eine DFB-Bonuszahlung für Erik Lanfer – der 17-Jährige erhielt zum Dank ein SV-Trikot. Foto: Frank Wittenberg

Als Erik Lanfer noch in Gescher gegen den Ball trat, trug er das grüne Trikot des FSV. Bei den Minis und in der F-Jugend war das, wo sich sein Vater Christian und Gregor Lanfer um das Talent kümmerten. Dann kam im Jahr 2012 ein Anruf des FC Schalke 04, der auf den damals Achtjährigen aufmerksam geworden war und ihn zu Probetrainings einladen wollte. „Wir dachten, dass es ja ein schönes Highlight für die Sommerferien sein könnte“, lacht Christian Lanfer. Allerdings begeisterte Erik die Verantwortlichen so sehr, dass sie ihn unbedingt für die königsblaue Knappenschmiede gewinnen wollten. „Erik war erst gar nicht so überzeugt und wollte lieber hier in Gescher mit seinen Freunden spielen“, erinnert sich sein Vater. Dann ist er aber mit zu einem Turnier nach Stuttgart gefahren – „und das Feuer war entfacht.“

Auf das Feuer folgten Geduld, Willen und Durchsetzungsvermögen. Denn die Fluktuation ist meist groß in den Nachwuchsmannschaften der berühmten Clubs – Erik Lanfer aber ist gekommen, um zu bleiben. Neun Jahre trägt er nun schon das Trikot der Schalker, hat sich zur festen Größe in der Defensivabteilung entwickelt. Wobei es keinen Bonus gibt, nur weil er schon seit 2012 dabei ist. „Zu Saisonbeginn wird alles wieder auf Null gesetzt, dann muss sich jeder neu beweisen“, erzählt der Elftklässler der Gesamtschule Gescher. Er hat sich immer durchgesetzt, aber ausruhen gilt nicht.

Belohnt wurde der Ehrgeiz mit einem Brief, der im Herbst 2019 in den Briefkasten des Hauses Lanfer flatterte. Der Inhalt: eine Einladung zur Reise der deutschen U 16-Nationalmannschaft nach Finnland. „Bisher mein persönliches Highlight“, lächelt der 17-Jährige. In Lohja in der Nähe von Helsinki lief der Gescheraner zum ersten Mal mit dem Bundesadler auf der Brust auf und feierte mit seinen Teamkollegen und den beiden Trainern, den „Schalker Jungs“ Michel Prus und Mike Büskens, einen 2:1-Sieg. „Das war alles sehr gut organisiert“, schwärmt Christian Lanfer von den acht Tagen in Finnland, die er als Begleitperson ebenfalls vor Ort erlebte. „Selbst für Schulunterricht in Form von Aufgaben war gesorgt.“

Die Hoffnung, weitere Einsätze im Nationaltrikot nachlegen zu können, zerplatzte bisher am Coronavirus. Denn seit der Pandemie liegt das Geschehen weitgehend auf Eis. So wie auch in der U 17 der Schalker, mit der Erik Lanfer in der Saison 2020/21 in der Junioren-Bundesliga-West nur vier Spiele gegönnt waren: ein 1:1 bei der SG Unterrath, ein 4:3-Sieg beim Wuppertaler SV, ein 0:0 gegen Preußen Münster und ein 4:1-Sieg beim SC Paderbon, wobei der Gescheraner keine einzige Minute verpasst und obendrein gegen Wuppertal ein Tor erzielt hat. „Immerhin durften wir nach einer gewissen Zeit wieder trainieren“, erzählt er. Auch die ersten Testspiele durften mittlerweile stattfinden – aber das ging nicht ganz so einfach vom Fuß, gesteht er. „Nach diesen Monaten ohne Spielpraxis fehlt eine Menge“, sagt Erik. „Das habe ich an mir selbst gemerkt.“

Immerhin: So langsam zeichnet sich eine Besserung ab. Rechtzeitig zum nächsten großen Schritt, den der 17-Jährige unternehmen wird. Denn ab Anfang Juli zählt der Abwehrmann, der früher immer Linskverteidiger gespielt hat und mittlerweile in der Innenverteidigung oder im defensiven Mittelfeld eingesetzt wird, zum Kader der U 19 des FC Schalke 04 – und trainiert dann unter Norbert Elgert, dessen Schule schon Kicker wie Manuel Neuer, Julian Draxler oder Leroy Sané durchlaufen haben. „Darauf freue ich mich“, betont Erik Lanfer, der zunächst zu den Jüngeren im Team zählen wird. „Das wird eine harte Nummer.“

Aber auch da will sich der Kicker, der einst beim FSV die ersten Gehversuche unternommen hat, durchbeißen. Den Sommerurlaub, der mitten in die Saisonvorbereitung fällt, kann er sich abschminken. Aber das ist es ihm wert. Zwei Jahre will sich Erik Lanfer unter Norbert Elgert weiterentwickeln. Und dann selbst dazu beitragen, seine Schalker wieder in bessere Zeiten zu führen? „Das wäre eine tolle Sache“, lächelt er. Träumen darf man ja – und am Ehrgeiz soll es ohnehin nicht scheitern.

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