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Statt Ruhestand will Jochen Kloster den Grundstein für eine erstklassige Zukunft legen

Kein Mann für halbe Sachen

Hochmoor

Der freiwillige „Abstieg“ zwei Klassen nach unten von der Bezirksliga in die Kreisliga B hat viele Nachfragen ausgelöst, aber er steht zu seiner Entscheidung. „Ich wollte gerne etwas kürzertreten“, begründet Jochen Kloster seinen Abschied vom ASV Ellewick. Allerdings ist er nicht wie zunächst gedacht im vorübergehenden Trainer-Ruhestand gelandet, sondern beim SuS Hochmoor – und das, muss der 41-Jährige zugeben, ist nicht mit weniger Aufwand verbunden als bei seiner bisherigen Aufgabe. „Wenn ich etwas anpacke, dann richtig“, betont er. Für halbe Sachen ist er nicht zu haben.

Von Frank Wittenberg

Mit seiner Geschwindigkeit nur schwer zu stoppen: Malte Elkemann (links), der vom Bezirksligisten DJK Coesfeld zurück zum SuS Hochmoor kommt, soll die gegnerischen Abwehrreihen vor unlösbare Probleme stellen. Foto: Fotos: Frank Wittenberg

Wunderdinge soll aber bitteschön niemand erwarten. Jochen Kloster wird akribisch wie immer arbeiten, aber den SuS kurzerhand in die Kreisliga A zaubern kann er auch nicht. Zumal das erste Trainerjahr immer als Kennenlernphase anzusehen sei. „Jede Mannschaft hat ihren eigenen Charakter“, weiß er aus Erfahrung. Das ist in der B-Liga so, aber auch bei Bayern München, wo sich selbst ein Julian Nagelsmann zunächst einfinden müsse.

Wer also den SuS Hochmoor auch angesichts einiger wertvoller Neuzugänge in die Rolle des Topfavoriten auf den Meistertitel drücken will, erntet ein Kopfschütteln. Natürlich wollen sie oben mitmischen, das soll der Anspruch beim SuS sein. Aber auf Anhieb aufsteigen müssen, nein, diesen Druck will er seinen Jungs von den Schultern nehmen. „In Ellewick stand es auch nicht auf dem Programm“, erzählt er. „Dann hat sich das entwickelt, sicherlich auch mit dem nötigen Glück.“ Und siehe da: Plötzlich durfte der ASV in der Bezirksliga mitmischen.

In Hochmoor wären sie glücklich, wenn sie sich wieder „erstklassig“ nennen dürften. Die Kreisliga A, das ist das Ziel. Mittelfristig, dann aber auch nachhaltig. Denn auf die Erfahrungen des jüngsten Aufstiegs 2016 und dem umgehenden Rückweg nur ein Jahr später haben sie keine große Lust. „Wir wollen keine Fahrstuhl-Mannschaft sein“, betont Kloster. Sich zu etablieren, wieder wie früher eine feste Größe in der A-Liga sein, das sieht er als Prozess an. „Wir müssen auch daran arbeiten, dass wieder mehr Nachwuchs aus der eigenen Jugend kommt.“ Zurzeit sei in Hochmoor auf die erfahrenen Kicker wie Andy Kersten oder Philipp Mathey noch nicht zu verzichten.

Die Qualität, weit oben mitzumischen, die haben sie, daran hegt Jochen Kloster keine Zweifel. Aber die Konkurrenz ist groß – allen voran die Mannschaft von Arminia Appelhülsen, die schon seit Jahren immer wieder am Aufstieg schnuppert. „Die SG Coesfeld 06 II schätze ich ebenfalls stark ein“, sagt der 41-Jährige. „Gerade auch mit dem guten Bezirksliga-Kader im Rücken.“ Für ihn und seinen SuS gilt: „Wir wollen zunächst von Spiel zu Spiel blicken.“ Ernsthafte Einschätzungen? Gerade nach der langen Corona-Zwangspause unmöglich. Bis alle wieder im Rhythmus seien, werde es dauern. „Vielleicht ist im Winter eine Prognose möglich.“

Jochen Kloster will seinen Teil beitragen. Beim FSV Gescher hat er selbst gegen den Ball getreten, war später viele Jahre im Jugendbereich beim SV Gescher und Eintracht Ahaus tätig, zudem in der Saison 2014/15 als Co-Trainer beim SV II in der Kreisliga A. Nach drei Jahren in Ellewick tritt er nun seine neue Aufgabe in Hochmoor an. Bei einem Dorfverein, ähnlich wie zuvor in Ellewick, wo das Ehrenamt im Vordergrund steht und ehrlicher Fußball abgeliefert wird. „Wir müssen immer im Auge behalten, woher wir kommen“, hält er nichts von abgedrehten Aktionen, die den Fußball ohnehin sehr oft dominieren. Kloster hat es demonstriert und in der Corona-Pandemie umgehend auf sein Trainergehalt in Ellewick verzichtet.

Denn so sehr ihm der Sport am Herzen liegt, vom Profifußball hat er sich mittlerweile ein gutes Stück entfernt. „Die gesamte Technik mit dem Videoassistenten, aber auch die Gehälter und Ablösesummen, das ist nicht mehr mein Ding“, schüttelt der Fan von Borussia Mönchengladbach den Kopf. „Spieler, die erst das Wappen küssen und dann für ein paar Kröten mehr den Verein wechseln, das kann es nicht sein.“ Dann lieber der SuS Hochmoor, wo geradlinige Typen wie Ferdi Greving und Denis Koopmann sich einsetzen und die Zuschauer das Miteinander auf dem Sportplatz schätzen. 7 nächste Folge am Mittwoch: über die Mannschaft, bei der ein Rückkehrer an alte Erfolge anknüpfen möchte.

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