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Fußball: Markus Lindner hört am Saisonende nach sechs Jahren bei Turo Darfeld auf

Abschiedsvorstellung im Jubiläumsjahr

Darfeld

Die Abschiedsvorstellung könnte zur ganz großen Bühne werden. 6. Juni 2022, Pfingstmontag, Saisonfinale, Turo Darfeld zu Gast bei Westfalia Osterwick – „wenn es da noch um den Meistertitel geht . . .“, blickt Markus Lindner voraus. „Das wäre ein toller Abschied.“ Danach ist Schluss. Denn Lindner räumt zum Saisonende nach dann sechs Jahren seinen Trainerstuhl in Darfeld.

Von Frank Wittenberg

Ist 2016 gemeinsam mit Markus Lindner von SW Havixbeck gekommen und zählt seitdem zur Stammbesetzung bei Turo Darfeld: Gabriel Helms (rechts). Foto: Foto: fw

Zu feiern gibt es 2022 genug. Turo Darfeld wird 100 Jahre alt, Markus Lindner 50 Jahre jung, das neue Dorfgemeinschaftshaus am Sportplatz wird fertiggestellt, und dazu noch der dritte Bezirksliga-Aufstieg in der Vereinsgeschichte nach 2000 und 2002? „Das wäre eine feine Sache, aber der Topfavorit sind wir sicherlich nicht“, tritt der Trainer die Euphoriebremse. Diese Rolle schiebt er dem Nachbarn Westfalia Osterwick in die Schuhe. Denn möglicherweise ist sein Kader zu dünn, um über die lange Distanz von 28 Saisonspielen tatsächlich die erste Geige in der Kreisliga A zu spielen. Eine vernünftige und möglichst erfolgreiche Saison wollen sie hinlegen, wobei Lindner das Ziel als „Platz unter den ersten Fünf“ bezeichnet.

Zu groß sind die Unwägbarkeiten. Schon in den ersten Saisonspielen musste er bisweilen die A-Jugendlichen Phil Albring und Mats Wittenberg in den Kader holen, weil ihm Spieler verletzungsbedingt, wegen Urlaub oder aus beruflichen Gründen fehlten. André Uphaus, Patrick Grotthoff und Sven Bednarz sind sogar in ihren Jobs so eingespannt, dass sie in diesem Jahr gar nicht mehr zur Verfügung stehen. „Das ist nicht aufzufangen“, sagt der Trainer auch mit Blick darauf, dass die Winterzeit mit höherer Verletzungsgefahr ja erst noch bevorstehe.

Trotzdem wollen sie gemeinsam alles daran setzen, ihrem Coach einen schönen Abschluss zu bereiten. Denn die Entwicklung in den vergangenen fünfeinhalb Jahren war sehr gut – aus einer Mittelfeld-Mannschaft ist ein ernsthafter Titelanwärter in der A-Liga geworden. „Schon 2019 waren wir richtig gut drin“, denkt Markus Lindner an einige spektakuläre Spiele zurück inklusive der Siege gegen die beiden Topmannschaften SG 06 und DJK Coesfeld. „Für ganz oben war der Abstand vielleicht schon zu groß, aber wir hätten eine gute Rolle gespielt.“ Doch dann kamen Corona und der Saisonabbruch – ebenso wie im vergangenen Herbst, als die Darfelder mit acht Siegen aus acht Spielen an der Tabellenspitze thronten.

Zutrauen, auch eine Liga höher ordentlich mitzumischen, würde er es seinem Team allemal. Allerdings müsse auch beachtet werden: Wie viele externe Spieler verträgt es? Im Neuaufbau, den Lindner vor fünf Jahren anpacken musste, hat er auch immer wieder einzelne Kicker aus umliegenden Orten integriert – „aber ganz bewusst nur solche, die auch zum Dorf und zur Mannschaft passen“, betont der 49-Jährige. Ein gutes Beispiel sei da Gabriel Helms, der schon 2016 gemeinsam mit ihm von SW Havixbeck gekommen ist. Ein Problem macht er allerdings auch im Umfeld aus, denn das Team hinter dem Team hält er einfach für viel zu klein. Genau das sei ohne Zweifel auch einer der Gründe, warum er nach sechs Jahren einen Strich ziehe. Denn seine Mannschaft habe mehr Begeisterung und Rückendeckung verdient: „Mehr Euphorie im Verein, gerade auch im Hinblick auf das 100-jährige Jubiläum, dürfte es sein.“

Im Groll wird er garantiert nicht scheiden. Die Turo-Zukunft liegt ihm am Herzen, deshalb hat er die Verantwortlichen und die Mannschaft auch schon zu diesem frühen Zeitpunkt darüber unterrichtet, dass er über den nächsten Sommer hinaus nicht mehr zur Verfügung steht. „Der Verein soll die Zeit haben, sich neu aufzustellen“, sagt der Trainer, der nicht befürchtet, dass das Team nach seinem Abgang auseinanderfallen wird. Was für ihn selbst danach kommt, ist völlig offen. „Ich würde gerne noch einmal als Co-Trainer in der zweiten Reihe bei einer höherklassigen Mannschaft arbeiten“, blickt er voraus. „Ich hätte aber auch keinen Stress damit, eine Pause einzulegen.“ Und bis dahin gilt: Vollgas! Denn die Verlockung, am Pfingstmontag ein echtes Finale vor vollem Haus in Osterwick zu erleben, ist riesengroß.

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