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Leichtathletik

Mihambo siegt ohne Glanz - Hartings nächster Absturz

Braunschweig (dpa)

1-8-3 - so lautet die Medaillenbilanz der deutschen Leichtathleten bei den Olympischen 2008, 2012 und 2016. Die Meisterschaften von Braunschweig geben wenig Hoffnung auf eine reichhaltige Ausbeute in Tokio. Ein Gold-Gewinner von Rio stürzt immer weiter ab.

Von Ulrike John und Andreas Schirmer, dpa

Mihambo gewann zwar mit einer Weite von 6,62 Metern den deutschen Meistertitel, blieb aber weiterhin unter der Sieben-Meter-Marke. Foto: Michael Kappeler/dpa

Malaika Mihambo zeigte an der regennassen Sandgrube ein etwas mühsames Lächeln.

Auch die Weitsprung-Weltmeisterin und schon gar nicht die Olympiasieger Christoph Harting und Thomas Röhler konnten die düsteren Aussichten des Deutschen Leichtathletik-Verbandes für Tokio aufhellen. Die Meisterschaften am Wochenende in Braunschweig haben deutlich gezeigt, dass der DLV vor schwierigen Sommerspielen steht.

Mihambo holte zwar souverän ihren vierten Titel hintereinander, blieb mit 6,62 Meter aber hinter ihrer Saisonbestweite von 6,68 zurück. Die 27-Jährige von der LG Kurpfalz wartet auch weiter auf ihren ersten Sieben-Meter-Sprung in der Olympia-Saison. «Ich bin beim Absprung zu weit vom Brett entfernt gewesen», erklärte Mihambo. Ebenso wie die Sechsfach-Meisterin Gesa Krause (Trier), die über 3000 Meter Hindernis schon zweimal Europameisterin und WM-Dritte war, wird sie in Japan auf enorm starke internationale Konkurrenz treffen.

Speerwerfer Röhler muss nach seiner Aufgabe am Samstag gar um seine Reise nach Japan bangen. Der Thüringer hat seit 2019 keine Weite mehr vorzuweisen, nachdem er 2020 pausierte und nun sein Comeback abrupt beendet wurde. Trotzdem bleibt der Goldmedaillengewinner von Rio 2016 zuversichtlich. «Es ist eine Vorsichtsmaßnahme, wir haben entschieden, wir gehen kein Risiko ein. Das wirft mich kein Stück zurück», betonte er. Er habe eine Verhärtung in der Brust gespürt.

Röhler hofft dennoch auf eines der drei Tokio-Tickets für die Speer-Asse. Als gesetzt gilt nur Olympia-Favorit Johannes Vetter (Offenburg/96,29), der allerdings wegen Adduktorenproblemen fehlte. Den Titel holte der Mainzer Julian Weber mit schwachen 80,33 Meter.

In Tokio wohl erst gar nicht dabei sein wird Diskuswerfer Christoph Harting. Mit 57,29 Meter und als Achter enttäuschte der 31 Jahre alte Berliner wieder einmal. Einen Wurf deutlich über 60 Meter machte er aus unerklärlichen Gründen selbst ungültig. Seit seinem Gold-Coup 2016 erleidet Harting Rückschlag um Rückschlag. Nach Wettkampfende blieb er wie seit langen fast stumm: «Kein Kommentar.»

Neben dem Diskus-Hünen und Röhler holte in Rio Hartings Rivale Daniel Jasinski mit Bronze die dritte Medaille für den DLV. Der Wattenscheider wurde nun erstmals deutscher Meister mit 65,08 Meter.

Insgesamt notierten die DLV-Funktionäre nur vier neu erfüllte Olympia-Normen. «Für mich ist immer noch early season (frühe Saison). In der Regel ist man noch nicht ganz in Form. Ich glaube, dass man hier nicht schließen kann auf eine Saison bis zu den Olympischen Spielen und dass die angeschlagenen Athleten zurückkommen», sagte Leistungssportchef Idriss Gonschinska und verwies auf eine schwierige Olympia-Vorbereitung in der Pandemie.

Zur Liste der Fehlenden mit ungewissen Aussichten gehörten auch Lauf-Ass Konstanze Klosterhalfen, die Kugelstoßer David Storl und Christina Schwanitz. Vor ein paar hundert Zuschauern konnte auch Christin Hussong nicht glänzen. Die Speerwurf-Europameisterin aus Zweibrücken gehört zu den wenigen Medaillenhoffnungen des DLV, blieb jedoch mit 63,30 Meter hinter ihren Möglichkeiten zurück.

Strahlende Gesichter zeigten vor allem Stabhochspringer Oleg Zernikel und 100-Meter-Siegerin Alexandra Burghardt. Der 26-Jährige aus Landau gewann seinen ersten Meistertitel und löste das Olympia-Ticket mit 5,80 Meter. «Mein Leben hat sich gelohnt, das Lebensziel ist erreicht», sagte der gebürtige Kasache. Burghardt (Burghausen) qualifizierte sich in 11,14 Sekunden für Tokio und meinte überglücklich: «Ich bin endlich mal über mich hinaus gewachsen.»

Prothesen-Springer Markus Rehm kämpft in einer komplizierten Rechtslage noch darum, dass ihn der DLV für die Olympischen Spiele nominiert. Der dreimalige Paralympics-Sieger aus Leverkusen trat im Weitsprung außerhalb der Wertung an und ließ mit 8,29 Meter Titelgewinner Fabian Heinle (Stuttgart/7,81) deutlich hinter sich.

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