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Olympia

Von Bredow-Werndl holt zweites Dressur-Gold - Werth Silber

Tokio (dpa)

Auf die Dressurreiterinnen ist Verlass. Am Tag nach dem Team-Gold gibt es in der Kür erneut Edelmetall - und das gleich doppelt: Gold und Silber!

Von Michael Rossmann und Claas Hennig, dpa

Silbermedaillen-Gewinnerin Isabell Werth (l-r), Siegerin Jessica von Bredow-Werndl und die drittplatzierte Charlotte Dujardin. Foto: Friso Gentsch/dpa

Nach ihrem zweiten Olympia-Gold machte Jessica von Bredow-Werndl der geschlagenen Isabell Werth eine Art Liebeserklärung.

«Ich bin dir von Herzen dankbar, auch wenn du es nicht hören willst», sagte die 35 Jahre Dressurreiterin zu ihrer ehemaligen Lehrerin, die sie in der Kür knapp geschlagen hatte. «Ich schaue immer noch zu ihr hinauf und bewundere sie», schwärmte von Bredow-Werndl im ZDF-Interview über die erfolgreichste Reiterin der Welt, die am Mittwoch in Tokio ihren sieben goldenen Medaillen noch eine fünfte silberne hinzufügte.

«Isabell hat mich aufgefangen»

Ohne Werth hätte von Bredow-Werndl in Tokio wohl keine zwei Gold-Medaillen gewonnen. «Isabell hat mich aufgefangen in der härtesten Zeit meiner Karriere, wo ich extreme Selbstzweifel und keinen Trainer mehr hatte», berichtete die Siegerin. «Ich habe sehr viele Tränchen gerade verdrücken müssen. Es ist nicht in Worte zu fassen, was da emotional in einem abgeht. Ich muss gleich wieder weinen.»

Die Freudentränen liefen tatsächlich schon viel früher, noch bevor die letzten beiden Starterinnen ritten. So überlegen war die Reiterin aus dem bayerischen Tuntenhausen bei ihrer Kür mit Dalera. «Ich hatte manchmal das Gefühl, ein bisschen einen Feuertanz zu reiten, auf des Messers Schneide», sagte sie. «Aber es ist sich alles ausgegangen.»

Werth war auch mit Silber zufrieden. «Am Ende ist es so, wie das Ergebnis ist», sagte die erfolgreichste Reiterin der Welt nach ihrem Ritt mit Bella Rose. «Das akzeptieren wir so. C'est la vie!» Sie habe kurz «gedacht, ich hab's. Aber es war knapp vorbei. Es ist so, wie es ist. So ist der Sport!» Zu den lieben Worten der Siegerin und dem Lob für ihre Trainertätigkeit sagte Werth: «Das ist lange her. Die Blumen stecke ich mir nicht an. Das ist heute ihr Trainerteam und allen voran Jonny Hilberath.»

Werth verpasst olympischen Rekord

Die 52-Jährige verpasste mit Silber auch einen olympischen Rekord. Mit ihrer achten Gold-Medaille seit 1992 hätte die Reiterin aus Rheinberg im deutschen Medaillen-Ranking mit der Kanutin Birgit Fischer gleichgezogen, die achtmal Gold und viermal Silber in ihrer Olympia-Bilanz stehen hat und weiter alleine auf Platz eins vor Werth liegt. «Das Rad dreht sich rund», sagte Werth. «Mal ist man oben, mal kurz davor, mal kurz dahinter.»

Strahlend war Siegerin von Bredow-Werndl aus dem Viereck geritten. Sie tätschelte ihr Pferd, bedankte sich bei Dalera für die Leistung. «Sie hat einen Charakter aus Gold», sagte sie. Als zweite Reiterin in der Gruppe der besten sechs Paare setzte sie die Konkurrenz um Werth mit einem famosen Auftritt unter Druck. «Am Anfang hab ich ein bisschen taktiert», erklärte von Bredow-Werndl ihren Auftritt: «Am Ende bin ich Risiko geritten. Es waren keine grobe Schnitzer drin, aber viele Highlights.»

Sie hatte mit ihrer Stute erneut eine zauberhafte Leistung präsentiert und zeigte zur Musik des Films «La La Land» auch in der dritten Prüfung von Tokio die beste Leistung. Fehlerfrei tanzte das Paar einen Tag nach dem Sieg mit dem Team zum nächsten Gold. So dominierend waren die beiden, dass schon während des abschließenden Rittes von Dorothee Schneider klar war, dass das Gold sicher war.

Bredow-Werndl: «Am Anfang meines Weges»

Ihre Teamkollegin Schneider kam nur auf Platz 15. «Wir hatten beschlossen, volles Risiko zu gehen», sagte die 52-Jährige aus Framersheim: «Alles oder nichts!» Ihre Erkenntnis nach dem Ritt mit auf Showtime und zu vielen Fehlern: «Jetzt ist es nichts.»

Für Rekordreiterin Werth ist mit den Medaillen in Tokio noch lange nicht Schluss. «Ein paar Tage werden es noch», sagte sie. «Ich fühle mich noch jung. Wie lange der Weg im internationalen und olympischen Sport sein wird, werden wir in Ruhe abwarten und sehen.» Ihr mache es nach wie vor ungeheuren Spaß, «Pferde in den Sport hinein zu entwickeln, von einem jungen Pferd zu einem Spitzenpferd».

Für die 17-jährige Stute Bella Rose war es das letzte große Turnier. «Es geht jetzt darum, wo wir sie verabschieden», sagt Werth. Daheim im Stall in Rheinberg stehen mehrere Pferde, die das Potenzial haben, in drei Jahren bei den Spielen in Paris zu starten.

Auch für von Bredow-Werndl ist das ein Ziel. «Ich fühle mich am Anfang meines Weges», sagte die Olympia-Debütantin. «Ich freue mich auf alles, was noch kommt.» Über Werth sagte sie: «Ich weiß nicht, wie lange ich dabei bleiben werde, aber die Erfolge von Isabell sind nicht mehr zu übertreffen.»

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