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Sportpolitik

Ansprechstelle Safe Sport für Opfer von Gewalt

Mainz (dpa)

Eine von Bund und Ländern initiierte Ansprechstelle soll Betroffene von sexualisierter, psychischer und physischer Gewalt im Sport helfen. Es ist die erste Etappe für ein Zentrum für Safe Sport.

Andreas Schirmer, dpa

Die Teilnehmer der Sportministerkonferenz (SMK) in Mainz. Foto: Boris Roessler/dpa

Bundesinnenministerin Nancy Faeser und die Bundesländer machen beim Thema Gewalt im Sport Dampf. Bei der Sportministerkonferenz in Mainz gründeten sie gemeinsam einen Trägerverein für eine Ansprechstelle für mehr Hilfe Betroffener von sexualisierter, psychischer und physischer Gewalt.

Das Ziel, die Einrichtung eines unabhängigen Zentrums für Safe Sport, also für sicheren und gewaltfreien Sport, soll schon im Sommer nächsten Jahres erreicht werden.

Die Ansprechstelle soll Anfang 2023 ihre Arbeit aufnehmen, hieß es. In den Vorstand des Trägervereins wurde auch die frühere Fußball-Nationalspielerin und Bundestrainerin Steffi Jones berufen. Sitz der Einrichtung wird Berlin sein. Während die Vereinigung Athleten Deutschland Gründungsmitglied des Trägervereins ist, hat der Deutsche Olympische Sportbund bisher eine Mitwirkung abgelehnt - auch bei der Finanzierung.

Faeser: Alle Fälle ans Licht bringen

«Wir müssen alle Fälle ans Licht bringen und Betroffenen helfen», sagte die SPD-Ministerin Faeser. «Als Erstes startet Anfang 2023 die unabhängige Ansprechstelle Safe Sport, die Betroffenen psychologische und juristische Unterstützung bieten wird.» Im Sommer nächsten Jahres solle das Zentrum Safe Sport für sicheren und gewaltfreien Sport folgen, kündigte sie an.

«Klar ist aber auch, dass trotz aller staatlichen Maßnahmen der organisierte Sport in einer besonderen Verantwortung steht und diese auch wahrnehmen muss», mahnte Faeser den DOSB. «Wer sich selbst oder seine Kinder einem Trainer oder einem Sportverein anvertraut, der muss auf einen absolut gewaltfreien Umgang vertrauen können. Wir brauchen eine Kultur des Aufklärens, Hinsehens und Handelns.»

«Wir schauen nicht mehr weg»

Für den rheinland-pfälzischen Sportminister Ebling ist die Initiative von Bund und Ländern, die gemeinsam zur Finanzierung beitragen, ein Paradigmenwechsel. «Es ist das richtige Signal. Wir schauen nicht mehr weg», sagte der SPD-Politiker, der Gastgeber der zweitägigen Sportministerkonferenz.

Der DOSB hat die Einrichtung der Ansprechstelle begrüßt, weil sie sowohl für den Breitensport- als auch den Spitzensport da sei, sagte DOSB-Vorstand Jugendsport Christina Gassner. Wie eine mögliche Beteiligung des DOSB in dem Trägerverein möglicherweise aussehen könnte, werde noch geprüft.

Der DOSB vertritt bisher den Standpunkt, dass die Finanzierung Aufgabe des Bundes sein sollte. «Dass daraus nun von vielen Seiten der Eindruck vermittelt wird, dass wir uns am Komplex Schutz vor Gewalt im Sport finanziell überhaupt nicht beteiligen, ist einfach nicht richtig», betonte Gassner. Es gebe ein klares Bekenntnis, dass der Sport Prävention, Intervention und Aufarbeitung kontinuierlich weiterentwickeln und ausbauen werde. Dafür gebe es schon vielfältige Maßnahmen, die aus dem Sport heraus finanziert würden.

Athleten Deutschland: «Ein weiterer Meilenstein»

Für Athleten Deutschland ist die Gründung des Trägervereins «ein weiterer Meilenstein» für einen besseren Schutz im und beim Sport. «Der Staat steht in der Pflicht, seine Bürger und Bürgerinnen vor Menschenrechtsverletzungen zu schützen. Das gilt auch beim Sport», sagte Athleten-Deutschland-Vertreter Maximilian Klein. Und er lobte Ministerin Faeser: «Dieser Tatendrang stimmt uns optimistisch.» Das Zentrum für Safe Sport solle deutlich weitergehende Kompetenzen als eine Anlauf- und Beratungsstelle haben, nämlich Prävention, Intervention und Aufarbeitung.

Die Schaffung eines solchen Zentrums sei aber noch eine Mammutaufgabe. Nichts wäre schlimmer, als wenn Betroffene davon enttäuscht sein würden, sagte Klein. Athleten Deutschland hat bereits seit Mai die unabhängige Beratungsstelle «Anlauf gegen Gewalt» für Kaderathleten eingerichtet. «Die aktuellen Fälle im Schwimmen und Handball zeigen, wie wichtig so ein Angebot ist», sagte Klein.

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