Corona-Krise

DOSB und DFB attackieren Bundesnotbremse: Falscher Schritt

Die Bundesnotbremse trifft auch die Sporttreibenden erneut hart. Der DOSB warnt vor einem weiteren Mitgliederschwund. Für den DFB ist das neue Gesetz ein Schritt in die falsche Richtung.

dpa

Alfons Hörmann fürchtet durch die Bundesnotbremse in der Corona-Krise weitere schwere Folgen für den Sport. Foto: Frank Rumpenhorst

Berlin (dpa) - DOSB und DFB haben die bundesweite Corona-Notbremse als schweren Schlag für den Sport kritisiert.

«Nach einem Jahr verordneter Bewegungslosigkeit tut jede neue Form von Einschränkung richtig weh», sagte Alfons Hörmann, der Chef des Deutschen Olympischen Sportbundes, der Deutschen Presse-Agentur zur Novellierung des Infektionsschutzgesetzes. «Gerade mit dem beginnenden Frühjahr wären beste Voraussetzungen für mehr gemeinsame Bewegung an der frischen Luft gegeben, die nun erst einmal vielfach ungenutzt bleiben werden», sagte Hörmann.

Noch schärfer fiel die Attacke des Deutschen Fußball-Bunds aus. «Wer draußen Fußball spielt, gefährdet seine Gesundheit nicht, ganz im Gegenteil: Er stärkt sie», sagte DFB-Präsident Fritz Keller. Und sein Vizepräsident Rainer Koch schimpfte: «Das ist keineswegs der erhoffte und in unseren Augen längst überfällige Schritt in die richtige Richtung. Das Gegenteil ist der Fall.»

Infolge des Gesetzes, das Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Donnerstag unterzeichnete, darf sich in Kreisen und Städten mit hohen Infektionszahlen ein Haushalt höchstens mit einer weiteren Person treffen. Ausgenommen sind dabei Kinder bis 14 Jahre, die maximal in Fünfergruppen auch kontaktlosen Sport im Freien ausüben dürfen. Ab 22.00 Uhr darf die eigene Wohnung oder das eigene Grundstück in der Regel nicht mehr verlassen werden. Spaziergänge und Joggen alleine bleiben aber bis Mitternacht erlaubt. Gezogen werden soll die Notbremse, wenn in einem Landkreis oder einer Stadt die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen an drei Tagen hintereinander über 100 liegt.

Die Sportverbände verwiesen auf wissenschaftliche Studien, die laut DFB-Chef Keller ein höchst geringes Infektionsrisiko an der frischen Luft und wachsende Gefahren für die Gesundheit aufgrund des Bewegungsmangels festgestellt haben. «Der Amateur- und Jugendfußball stellt kein pandemisches Problem dar, sondern ist vielmehr fixer Teil der Lösung. Das muss endlich auch so akzeptiert werde», mahnte Koch.

Hörmann sagte: «Unsere 90.000 Vereine hoffen seit Monaten vergeblich endlich wieder auf mehr Normalität. Die Einschränkungen belasten Körper, Seele und Geist bei den Kindern genauso wie bei den Senioren und allen Altersgruppen im Erwachsenenbereich.» Die Sportvereine hätten bislang zwar die Corona-Maßnahmen «verantwortungsvoll und vorbildlich» mitgetragen. Der DOSB fordert jedoch «eine differenziertere Bewertung der jeweiligen Situationen und Lösungen mit Augenmaß und Fingerspitzengefühl», sagte Hörmann.

Der Dachverband verzeichnete im vergangenen Jahr einen Rückgang von einer Million Mitgliedern in den Sportvereinen. «Je länger der Lockdown die Vereine lähmt, desto größer werden die vielschichtigen Folgen», sagte der DOSB-Präsident. An vielen Stellen drohe das Engagement und das Geld auszugehen.

Der Sport müsse bei der Bewältigung der Pandemie noch besser berücksichtigt werden. «Je mehr sich unsere 27 Millionen Mitglieder aktiv bewegen können, desto besser ist das für die Gesundheit in unserem Land», sagte Hörmann. Auch DFB-Präsident Koch warb für «mehr Vertrauen und Unterstützung» der Amateursportler und Vereine. «Sie benötigen klare Perspektiven und keine schwer nachvollziehbaren Entscheidungen allein auf der Basis von Inzidenzwerten», sagte Keller.

© dpa-infocom, dpa:210422-99-306068/3

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