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Wahl-Niederlage

Gaby Papenburg: Amateurfußball nicht bereit für eine Frau

Berlin (dpa)

Sie war enttäuscht, vor allem darüber, wie deutlich ihre Niederlage mit 33:81 Stimmen ausfiel. Sie selbst hätten die kleinen und jungen Vereine nicht mobilisieren können, sagt Gaby Papenburg selbstkritisch.

Interview: Jens Marx, dpa

Gaby Papenburg beim BFV-Verbandstag. Foto: Michael Hundt/dpa

Gaby Papenburg hat es versucht. Aber sie scheiterte. Bernd Schultz erhielt die deutliche Stimmenmehrheit bei der Wahl zum Präsidenten des Berliner Fußball-Verbandes. Danach sprach die ehemalige TV-Moderatorin mit der Deutschen Presse-Agentur.

Frage: Ist der Fußball in der Hauptstadt noch nicht bereit für Veränderungen und/oder für eine Frau im höchsten Amt?

Gaby Papenburg: Beides wahrscheinlich. Auf jeden Fall hat der Fußball in der Hauptstadt nicht erkannt, dass er eine riesige Chance hatte und die Möglichkeit zur Veränderung. Damit müssen die jetzt erstmal in der Zukunft leben. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ihnen sehr schnell aufgehen wird, was da eigentlich für Chancen verpasst wurden.

Frage: Was sagt das Scheitern denn in einer Stadt wie Berlin, die sich als Weltstadt begreift, aus über die Chancen von Frauen im DFB im allgemeinen?

Papenburg: Das ist total bitter, vor allen Dingen, wenn man sich das Plenum mal angeschaut hat. Das ist ja auch, glaube ich, das Entscheidende gewesen: Die Wahlbeteiligung lag zwischen 50 und 60 Prozent. Mit anderen Worten: Es sind all diejenigen gekommen, die immer zu den Verbandstagen kommen. Es ist das Klientel, das garantiert Bernd Schultz gewählt hat. Es ist uns nicht gelungen, im Vorfeld die jungen, die kleinen Vereine für Verbandsarbeit zu interessieren und zu mobilisieren. Ich glaube, wenn uns das gelungen wäre, wäre es anders ausgegangen. Es sagt aber auch aus, dass ganz offensichtlich der Amateurfußball in seinen Strukturen wirklich noch nicht dafür bereit ist - für eine Frau schon mal gar nicht.

Frage: Haben Sie sich zwischenzeitig nicht auch mal gedacht, habe ich das nötig, als Sie und vor allem ihr Team angefeindet wurden? Sie haben in den Momenten ja durchaus sehr resolut reagiert.

Papenburg: Ich bin da auch deutlich, das war von Anfang an so. Ich bin geradlinig durch und ich habe immer gesagt, wir müssen die Strukturen verändern, dass es nur alte weiße Männer gibt. Das ist ja meine Rede gewesen. Wir müssen einen Generationswechsel anstoßen und den können wir nicht mit 70- oder 80-jährigen Vereins- oder Präsidiumsmitgliedern schaffen. Insofern muss ich einfach zur Kenntnis nehmen, dass das meine Meinung ist und ich die relativ exklusiv habe.

Frage: Wie haben Sie die Worte von Rainer Koch (einer von zwei Interimspräsidenten des Deutschen Fußball-Bundes) wahrgenommen, der betonte, neutral zu sein, aber auch relativ deutlich die Arbeit von Bernd Schultz für den BFV im DFB lobte?

Papenburg: Ich gebe zu, ich war auch sehr gespannt auf die Rede und sein Grußwort, ob er der Situation und diesem absoluten Novum (mit einer Frau als mögliche Präsidentin eines Landesverbandes, d. Red.) irgendwie vielleicht ein paar Worte schenkt. Aber es war von vornherein klar, dass Rainer Koch einfach seinen Kumpel Bernd Schultz unterstützen wollte. Deswegen hat er ja auch ständig betont, wie wahnsinnig wichtig Bernd Schultz im DFB ist und was er Unglaubliches für die Berliner tut im DFB. Es war schon viel Wahlkampf für Bernd Schultz, ich habe aber ehrlich gesagt nichts anderes von Rainer Koch erwartet.

ZUR PERSON: Gaby Papenburg, 61 Jahre alt, ist ehemalige TV-Moderatorin. Sie lebt mit ihrer Familie in Berlin.

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