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Sommerspiele in Tokio

Team Deutschland zurück - Olympia-Aufarbeitung beginnt

Frankfurt/M. (dpa)

Für Tischtennis-Ass Dimitrij Ovtcharov ist der Medaillenspiegel «nicht relevant». Dennoch muss sich der deutsche Sport damit beschäftigen. Auf schnelle Ergebnisse aus der Leistungssportreform darf er nicht hoffen.

Von Ulrike John, dpa

Das Team Deutschland ist wieder zurück in heimischen Gefilden. Foto: Frank May/picture alliance/dpa

Knapp 100 Sportler aus dem deutschen Olympia-Team haben sich am Montag nach ihrer Rückkehr aus Tokio im Frankfurter Römer feiern lassen.

Derweil beginnt diese Woche bereits die Aufarbeitung der schwächsten Medaillenausbeute seit der Wiedervereinigung - mit Blick auf Paris 2024. «Mit einem einfachen "Weiter so", wie es in den vergangenen Jahrzehnten war, wird man tendenziell im weltweiten Wettbewerb eher abrutschen und die Position nicht halten können», sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann bei dem Empfang der Deutschen Presse-Agentur.

«Mit der Ergebnisentwicklung beschäftigen»

«Die Freude im Team kann das nicht trüben», betonte der 60 Jahre alte Allgäuer, der am Jahresende nach heftiger Kritik aus dem Mitarbeiterkreis nicht mehr zur Wiederwahl antreten wird, aber auch angesichts der öffentlichen Kritik. Er kündigte an: «Wir werden und müssen uns mit der Ergebnisentwicklung beschäftigen.»

Stolz zeigten Sportler wie Aline Rotter-Focken, Frank Stäbler (beide Ringen) oder Geher Jonathan Hilbert noch einmal ihre Medaillen, ehe sie sich ins Goldene Buch der Stadt eintrugen und auf dem Rathaus-Balkon zeigten. Auf dem Römerberg waren 500 Angehörige und Fans zugelassen, ein großer Auflauf herrschte allerdings nicht.

Deutschland kam mit insgesamt 37 Mal Edelmetall im Medaillenspiegel auf Rang neun, noch einmal weniger als bei der bisherigen Negativmarke von Peking 2008. Die Bundesregierung sieht das als ein «recht ordentliches Ergebnis». Dahinter stünden gute sportliche Leistungen, die man anerkennen müsse und für die man sich auch bedanken sollte, sagte ein Sprecher des für Sport zuständigen Innenministeriums in Berlin.

Das Innenministerium verwies wie der Deutsche Olympische Sportbund darauf, dass eine bereits 2016 erfolgte Reform der Spitzensportförderung bei diesen Sommerspiele noch nicht zum Tragen gekommen sei. Die eingeleiteten Veränderungen dürften wohl zu den Winterspielen 2022 erstmals Wirkung zeigen.

Medaillenspiegel für Ovtcharov zweitrangig

Tischtennis-Ass Dimitrij Ovtcharov hält den Medaillenspiegel mit zehn Gold-, elf Silber- und 16 Bronzemedaillen als Gradmesser nur für bedingt aussagekräftig. Dieser zeige «nur das große Bild und ist für mich nicht relevant», sagte der zweimalige Tokio-Medaillengewinner im «Spox»-Interview. «Für die Zukunft würde ich mir wünschen, dass diverse Sportarten mehr Präsenz erhalten und für den Nachwuchs genug Anreize geschaffen werden, Leistungssportler zu werden.»

Nach dem mäßigen Abschneiden des Team D sieht Sportpolitikerin Dagmar Freitag (SPD) in erster Linie den DOSB gefordert. «Geld alleine ist offensichtlich nicht die Lösung; schließlich ist die finanzielle Förderung des Leistungssports durch den Bund seit 2016 massiv erhöht worden», sagte die Vorsitzende des Sportausschusses des Bundestages am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Der Geldgeber und das zuständige Bundesinnenministerium haben nicht nur die Pflicht, sondern auch das Recht, bestimmte Vorgaben zu machen und vor allem deren Einhaltung zu überprüfen, betonte sie.

Groß nicht sonderlich optimistisch

Der ehemalige Weltklasse-Schwimmer Michael Groß sieht auch in Zukunft keinen Aufschwung. «Es ist leider absehbar, dass der deutsche Medaillenanteil weiter kontinuierlich sinken wird. Diesen Trend gibt es seit den 90er-Jahren», sagte der zweimalige Olympiasieger dem Portal «t-online.de». Groß forderte mehr Eigenständigkeit für den Leistungssport. Der DOSB sei «im Leistungssport ein Auslaufmodell».

Verbandschef Hörmann stellte dem Tokio-Team trotz allem ein gutes Zeugnis aus. «Großartige sportliche Botschafter» seien die 432 deutschen Athletinnen und Athleten gewesen, versicherte er mehrfach. Chef de Mission und Leistungssport-Vorstand Dirk Schimmelpfennig sieht in der Leistungssportreform einen Prozess, «der über Jahre dauert». Er rechnet aber damit, dass «es eine andere Ausgangsposition geben wird in Richtung Paris, weil sich die zu Corona-Beginn so schwierige Wettkampf-Situation stabilisieren wird».

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