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Sinne fürs Wohlbefinden

Riechen und Schmecken nach einer Covid-19-Erkrankung - die Folgen einer Infektion

Luftnot, Haarausfall, Ohrenschmerzen: Das Spektrum der Symptome für Folgeerscheinungen nach einer Infektion mit dem Coronavirus ist groß. In der Regel bestehen derartige Symptome bis zu vier Wochen nach der Erkrankung mit Covid-19. Doch die Erkenntnis nach über 15 Monaten Pandemie lautet: Viele Menschen haben auch darüber hinaus mit Langzeitfolgen zu kämpfen.

Von Doerthe Rayen

Wer an Covid-19 erkrankt, kann unter Umständen für längere Zeit seinen Geruchs- und/oder Geschmackssinn verlieren. Foto: IMAGO/Ute Grabowsky

Die Experten unterscheiden inzwischen Long-Covid – über vier Wochen – und Post-Covid – über zwölf Wochen.

Betroffen von den medizinischen und psychologischen Langzeiteffekten sind sowohl Menschen mit schwerem Verlauf als auch solche mit leichtem. Nach Angaben von Andreas Rembert Koczulla von der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) liegt die Zahl der Patienten mit Langzeitfolgen bundesweit im Juli bei 550 000. Selbst von den als genesen Erklärten haben noch etwas mehr als 15 Prozent mit unterschiedlichen Symptomen zu kämpfen, erklärte der Mediziner.

Erkenntnisse einer neuen Studie

Viele Betroffene klagen über eine mangelnde Belastbarkeit und Müdigkeit. Aber auch Riech- und Geschmacksstörungen gehören für viele Covid-Patienten zum neuen Alltag dazu. Geruch und Geschmack kommen bei bis zu 70 Prozent der Betroffenen nicht einfach zurück, wie das bei Erkältungen oder grippalen Infekten der Fall ist. Das hat eine Studie des Globalen Konsortiums für Chemosensorische Forschung mit Wissenschaftlern aus vielen Ländern gezeigt.

Die Experten wissen längst, dass das Coronavirus das Geruchssystem direkt befällt. Die Nervenzellen sterben ab – in der Nase und auf der Zunge kann keine Stimulation mehr erkannt werden. Die Folge: Wir riechen und schmecken nichts mehr. Für Prof. Dr. Guido Ritter, Ernährungswissenschaftler und Lebensmittelexperte an der Fachhochschule Münster, seien die Einschränkungen durch diesen Verlust massiv. „Riechen und Schmecken sind Sinne, die stark an unsere Gefühlswelt gekoppelt sind.“

Verlieren wir einen oder sogar beide Sinne, sei der Leidensdruck für Patientinnen und Patienten groß. Ein gestörtes Riechvermögen schränke den Alltag extrem ein. In der Studie beklagten Eltern, dass sie ihr Baby nicht mehr riechen. „Das belastet sie“, berichtet der Wissenschaftler. Andere verspürten keinen Appetit mehr, weil sie weder riechen noch schmecken. Der Verlust dieser Sinne sei auch eine Einschränkung der persönlichen Lebensqualität.

Geschmack wieder antrainieren

Feststellen kann ein HNO-Arzt eine postvirale Riechstörung. Der kann auch eine Therapie einleiten. Denn mit einem besonderen Training kann dem Geruchssinn wieder auf die Sprünge geholfen werden. „Das ist allerdings mühsam und dauert Wochen“, erläuter Prof. Ritter. In der Erneuerungsphase muss das Gehirn die Düfte neu verarbeiten und verknüpfen. „Der Kaffee kann anfangs übel nach Ausguss oder Fäkalien riechen“, schildert Prof. Ritter. Parosmie nennt der Experte es, wenn Dinge plötzlich anders riechen. Dieses Stadium deuten die Experten allerdings vom Grundsatz positiv. Es sei ein Schritt in die richtige Richtung: Das Geruchssystem heilt.

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