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Steigende Inzidenz und infizierte Reiserückkehrer 

Droht eine neue Corona-Welle?

Berlin

Es gibt viele Warnungen, dass infizierte Reiserückkehrer eine neue Corona-Welle erzeugen. Das Robert-Koch-Institut hat dazu neue Zahlen veröffentlicht. Die Politik steht unter massivem Druck.

Von Jonas Klüter und Claudia Kramer-Santel

Touristen am Strand von Paguera. Spanien und die Niederlande sind seit Mitternacht als Corona-Hochinzidenzgebiete eingestuft. Foto: dpa Foto: Clara Margais

Mitten im Sommer, der zur Entspannung einlädt, wächst in Deutschland die Sorge: Es geht um die steigende Zahl der Corona-Neuinfektionen – und was das für den Herbst bedeuten könnte. Könnten viele vor Kurzem zurückgewonnene Freiheiten verschwinden?

Angesichts der Corona-Entwicklung hatte am Wochenende Kanzleramtsminister Helge Braun Beschränkungen für Nicht-Geimpfte ins Gespräch gebracht. Die Infektionszahlen stiegen derzeit jede Woche um 60 Prozent, sagte Braun. Bis Ende September könne es 100 000 Neuinfektionen pro Tag und eine Sieben-Tage-Inzidenz von 850 geben: Das wäre ein Mehrfaches des bisherigen Höchstwertes von etwa 30 000 Neuinfektionen binnen 24 Stunden Mitte Dezember. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn plant deshalb, bei der Einreise einen Test unabhängig davon zu verlangen, von wo und wie Reisende nach Deutschland kommen.

Spanien und Niederlande sind Hochinzidenzgebiete

Es gibt viele Anzeichen: Seit knapp drei Wochen steigt in Deutschland die Inzidenz – wenn auch auf niedrigem Niveau. Wie schnell es gehen kann, zeigten Spanien und die Niederlande. Seit Dienstag gelten sie als Corona-Hochinzidenzgebiete. „Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass es zum Herbst eine vierte Welle in den Inzidenzen gibt“, schrieb Mobilitätsforscher Kai Nagel in einem Blog der TU Berlin in Anbetracht der Entwicklung.

Diese Entwicklung wird sich seinen Berechnungen zufolge zeitverzögert in den Krankenhäusern niederschlagen. Er spricht von zwei Prozessen – „nämlich eine weit­gehend eigenständige Welle in den Schulen ab Schul­öffnung und eine Welle bei den Erwachsenen“.

Dass selbst vergleichsweise gute Impffortschritte nicht vor einer Verschärfung der Corona-Lage schützen, zeigt ein Blick nach Israel. Dort steigen die Infektionszahlen stark. Auslöser dafür waren zunächst Rückkehrer.

Foto:

Individuelles Verhalten mitentscheidend

Im Moment haben in Deutschland die meisten Ansteckungen ihren Ursprung im Inland. Das könnte sich schnell ändern: Neue Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) gehen schon bei rund zehn Prozent der übermittelten Fälle von einer Exposition im Ausland aus – Tendenz steigend. Laut dem aktuellen wöchentlichen Lagebericht nahm die Zahl der aus dem Ausland importierten Infektionen vom 21. Juni bis zum 18. Juli stark zu. Spanien liegt weit vorne mit 821 Fällen.

Zeit zu handeln, findet das RKI. In einem neuen Strategiepapier betont es die ­anhaltende Gefahr, durch Reisen das Virus und neue Varianten zu streuen: „Maßnahmenpakete sollten geplant und vorgehalten werden.“

Impfaktionen, Nachimpfungen für Risikogruppen, Kommunikationsstrategien, Raumluftmaßnahmen, weiter Homeoffice-Angebote – das alles müsse jetzt ­geplant werden. Vor allem gelte es, weiter Abstand zu halten und Masken zu tragen. Das individuelle Verhalten könne am meisten dazu beitragen, eine neue Welle zu dämpfen. Man brauche einen „Kulturwandel“.

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