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«Planet ohne Affen» - Doku über illegalen Tierhandel

Berlin (dpa)

Der Handel von Menschenaffen ist verboten. Es gibt internationale Abkommen darüber. Doch die Realität sieht ganz anders aus.

Von Marco Krefting, dpa

Eine Hand am Gitter: ein junger Orang-Utan in Gefangenschaft. Foto: Felix Meschede/NDR/dpa

Eigentlich ist «Erlebnis Erde» montagabends nach der «Tagesschau» im Ersten ein Garant für beeindruckende Tier- und Landschaftsaufnahmen. Oft wie eine Safari vom Sofa aus, mit exotischen Tieren, die mal anmutig durch die Wildnis ziehen, mal emsig ihre Jungen füttern.

Ganz anders nun an diesem Montag: Um 20.15 Uhr zeigt das Erste in der Reihe den Film «Planet ohne Affen». Was klingt wie die dystopische Version des Science-Fiction-Klassikers «Planet der Affen» von 1968 ist eine Dokumentation über die Machenschaften illegaler Primatenhändler, die sich auf Kosten der Tiere bereichern.

Eines vorweg: Nicht alle Szenen sind etwas für schwache Nerven. Ein Umweltaktivist im Film muss sich angesichts eines getöteten Muttertiers übergeben. Und die Affenforscherin Jane Goodall sagt über die Haltung mancher Tiere in einem Zoo in Thailand: «Das ist kein Zoo. Das ist ein Gefängnis.» Sie habe kaum einschlafen können nach dem, was sie bei einem Besuch vor Ort gesehen hatte.

Reporter Michel Abdollahi ist um die halbe Welt gereist, um die Abgründe des Affenhandels zu zeigen. In der afrikanischen Heimat sucht er mit Tierschützern Menschenaffen in freier Wildbahn und ist Kriminellen auf Tiermärkten auf der Spur. In Asien ist er bei einer Tiershow der Superlative und in besagtem Zoo auf einem Hochhausdach. In den USA fragt er Tierguru «Doc Antle», der aus der Netflix-Serie «Tiger King» bekannt ist und eine Art Streichelzoo für exotische Wildtiere betreibt, woher er Schimpansenbabys bezieht. Keine Antwort.

Und in Genf schließlich versucht Abdollahi bei einem Treffen zum Artenschutzübereinkommen Cites, einen Bonobo aus thailändischer Isolationshaltung zu retten. Gerade der Fall dieses Tieres zieht sich durch den Film. Der Reporter wird dabei mehr und mehr zum Aktivisten.

Abdollahi und die Macher der Dokumentation beziehen klar Position und beziffern das Aussterben der Affen: In den vergangenen 20 Jahren sei die Zahl der Bonobos um die Hälfte gesunken. Bei Schimpansen und Orang-Utans betrage der Rückgang je rund 40 Prozent, bei Gorillas 35. Neben illegalem Tierhandel ist auch die Zerstörung von Lebensraum ein riesiges Problem dabei. Aber eine Tierschützerin sagt, um an ein Schimpansenbaby zu kommen, töteten die Wilderer im Schnitt zehn andere Affen. Darunter die Mutter, die um ihr Junges kämpft.

«Die Nachfrage ist groß, weil ihre Babys so süß sind», sagt der Sprecher des Films. Unzählige Fotos aus sozialen Netzwerken belegen, wie viele kleine Affen teils in Kinderkleidung, teils bei Prominenten auf dem Arm abgelichtet werden. Zudem sei auch das Fleisch der Tiere begehrt. Doch der Handel mit Menschenaffen ist generell verboten.

Nur: Der Film zeigt auch, wie machtlos Tierschützer sind. Wie wenig hilfreich Artenschutzabkommen sein können. Manche Politiker und Behörden sollen gar verwickelt sein. Antworten bekommen Abdollahi und seine Kollegen selten. Verantwortliche weichen aus, ergreifen gar die Flucht, wenn sie ihn auf einer internationalen Konferenz sehen.

«Wir versagen beim Schutz unserer nächsten Verwandten», sagt Abdollahi. Seine sichtbar aufwendige Produktion führt das unverblümt vor Augen. Das Erste strahlt 45 Minuten aus. Eine doppelt so lange Fassung von «Planet ohne Affen» ist in der Mediathek zu sehen.

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