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TV-Tipp

«Sternenkinder»: Über kurze Leben und langes Trauern

Berlin (dpa)

Was, wenn ein Fötus noch im Mutterleib stirbt, oder ein gerade geborenes Baby? Davon und von der Gefühlswelt der Eltern erzählt eine bewegende TV-Reportage.

Von Klaus Braeuer, dpa

Kiras Grabstein auf dem Friedhof - Geburts- und Sterbedatum fallen auf einen Tag. Foto: Loreen Simon/ZDF/dpa

Über alle Maßen freuen sich Eltern meist auf die Geburt ihres Kindes. Doch was, wenn das Baby tot zur Welt kommt oder kurz nach der Geburt stirbt?

Was dieser Schrecken für die zurückbleibenden Eltern bedeutet, steht im Mittelpunkt der Reportage «Ein Hauch von Leben - Sternenkinder und ihre Eltern». Sie ist zu sehen an diesem Dienstag (7.9., 22.15 Uhr, ZDF).

Ein letztes Aufbäumen im Körper der Mutter. Morgens hat Loreen (32) ihr Kind noch gespürt, dann überkamen sie eiskalte Schauer, später gefolgt von der per Ultraschall erzielten schrecklichen Gewissheit: In der 22. Woche war kein Herzschlag des Babys mehr da. «Danach habe ich nichts mehr richtig mitbekommen», sagt die Mutter im Film.

Bei der Entbindung spürt Loreen dieselben Glücksgefühle wie Mütter lebender Kinder: «Ich fand Kira wunderschön», erzählt sie stolz, gleichzeitig sei sie unendlich traurig gewesen. Dabei hatte Loreen selbst schon eine Verdachtsdiagnose, die sich später als richtig herausgestellt hat: Cholestase (Gallenstauung). Sie macht sich selbst, aber vor allem ihrer Ärztin schwere Vorwürfe, da diese dringliche Warnsignale nicht ernst genommen habe.

Sogenanntes Turner-Syndrom

Bei Lydia (33) liegt der Fall etwas anders. Sie hat bereits ihre Tochter Greta (2), als sie wieder schwanger wird. In der 13. Woche stellt sich heraus, dass ihr ungeborenes Kind eine genetische Erkrankung hat, das sogenannte Turner-Syndrom - es führt zu Organfehlbildungen und höchstwahrscheinlich zum Tod des Kindes im Mutterleib. Obwohl es auch für die Mutter ein hohes Krankheitsrisiko bedeutet, entscheidet sich Lydia gegen einen möglichen Schwangerschaftsabbruch. Die kleine Lenna in ihrem Bauch erweist sich zunächst als Kämpferin, bis ihr Herz in der 25. Woche einfach zu schlagen aufhört.

Autorin Anabel Münstermann (51, «Keine Zeit für Tränen - Eltern krebskranker Kinder») begleitet diese beiden mutigen Mütter und auch die Väter sehr behutsam und mitfühlend mit der Kamera, es gibt Tränen, aber auch Zuversicht - Loreen wird erneut schwanger, Tochter Merle kommt gesund zur Welt. Die Eltern erzählen - im Grünen oder auch im Kinderzimmer - freimütig von ihrem Umgang mit Freude, Hilflosigkeit, Zweifeln und Trauer.

Letztes Geleit für Sternenkinder

Zu Wort kommt auch eine Trauerbegleiterin. Sie ist zudem Bestatterin für Sternenkinder - so werden verstorbene Kinder bezeichnet, insbesondere wenn sie kurz vor, während oder bald nach der Geburt gestorben sind. Die Bestattung dieser Kinder war in Deutschland viele Jahre ungeregelt, weshalb es auf vielen Friedhöfen kleine Mahnmale oder Sammelgräber für sie gibt. Erst seit einer Änderung im Personenstandsgesetz im Jahre 2013 wird nun auch für totgeborene Kinder mit einem Gewicht unter 500 Gramm eine Geburtsurkunde ausgestellt, womit das Recht auf eine eigene Bestattung für sie klarer begründet werden kann.

Kira liegt nun in einem Kindergrab auf einem sehr schönen Friedhof, Lennas Asche ruht in einem frisch gepflanzten Magnolienbaum in Lydias Garten. Aber natürlich leben sie in den Herzen ihrer Eltern weiter - zwei sehr kleine Kinder, die nach einer viel zu kurzen Reise gestorben sind, noch bevor sie das Licht der Welt erblicken durften.

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