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Uwe Ochsenknecht: Mehr Respekt für Müllmänner!

«Das Boot» und «Männer» machten Uwe Ochsenknecht zum Star. Jetzt ist der Berliner zum fünften Mal als Werner Träsch zu sehen. Beim Dreh erlebte er die alltäglichen Attacken auf Müllwerker am eigenen Leibe.

dpa

Zwischen Specki (Frank Kessler, r) und seiner Schwester Eddi (Silke Geertz) gibt es Spannungen. Hinten: Ralle (l-r, Jörn Hentschel), Werner (Uwe Ochsenknecht) und Tarik (Aram Arami). Foto: Britta Krehl

Berlin (dpa) - Uwe Ochsenknecht bedankt sich regelmäßig bei den Leuten von den Müllabfuhr. «Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass jemand unseren Dreck wegbringt», sagt der Berliner im Interview der Deutschen Presse-Agentur.

«Ich finde, man sollte vor diesen Leuten ein bisschen mehr Respekt haben. Wenn ich im Hauseingang bei mir in Berlin welche treffe, sie begrüße und "Vielen Dank" sage, merke ich: Das sind sie nicht gewohnt. Aber sie freuen sich doch sehr.» Seit ein paar Jahren lernt der 65-Jährige den Alltag der Müllwerker bei seiner Arbeit als Schauspieler recht gut kennen. Am Freitagabend steigt Ochsenknecht wieder einmal selbst auf den Bock eines orangen Lasters. Er ist in der fünften Episode der Reihe «Die Drei von der Müllabfuhr» (20.15 Uhr, Das Erste) zu sehen. Der Film heißt «Die Streunerin».

Dieses Mal kommt Ochsenknecht als gutherziger-rauer, aber manchmal etwas tapsiger Müllmann Werner Träsch einem Mädchen zu Hilfe, das auf der Straße lebt. Dass die junge Luna (Carolin Garnier) sich nie von ihrer geliebten Ratte trennt, ist für Werners Kumpel Tarik (Aram Arami) ein Graus. Werner hat unterdessen ganz andere Probleme. Er greift nicht nur mit einem teuren Geschenk an seine Freundin Gabi (Adelheid Kleineidam) voll daneben. Seine Vorgesetzten haben ihm auch einen Controller auf die Rückbank gesetzt, der Abläufe optimieren soll, je nachdem wie gut ein Wohnblock seinen eigenen Müll sortiert. Ein Schlipsträger, der in Tonnen wühlt, hat ihm gerade noch gefehlt.

Ochsenknecht schätzt die Spielfilm-Reihe sehr. Zum einen verschaffe sie einem wichtigen Berufsstand die angemessene Wertschätzung. Er findet aber auch interessant, dass die Helden «einfache Leute» sind. «Keine Menschen mit Abitur, keine Ärzte, keine studierten Menschen in dem Sinn. Man erzählt etwas über die, die den größten Teil der Menschen in Deutschland ausmachen. Da gibt es auch Geschichten.»

In Berlin seien es sogar endlos viele Themen, die man noch erzählen könne. «Es sind ja immer auch gesellschaftspolitische und soziale Themen, die wir aufgreifen. Es lag uns immer fern, weichgespültes Rentner-Programm zu machen. Das wäre mir zu wenig. Gerade Menschen, die mit so vielen anderen Leuten aus verschiedenen Bereichen zu tun haben und in Kontakt kommen, erleben natürlich auch viel Zwischenmenschliches.» Ab Mitte September entstehen zwei neue Filme.

Ochsenknecht hat Ehrfurcht vor den Menschen, die einen Müllwagen steuern: «Ich habe das nur einmal gemacht und habe damit gleich bei einem parkenden Auto einen Spiegel abrasiert.» Die Fahrszenen in der Reihe werden von einem Double absolviert. «Keiner von uns fährt je wirklich. Denn so ein Fahrzeug kostet eine Viertelmillion. Und allein aus Versicherungsgründen dürften wir das auch gar nicht machen.»

Der 65-Jährige betont: «Für so einen Laster braucht man Übung. Er ist riesengroß. Wenn man rückwärts fährt, hat man hinten schon eine Kamera. Aber die Kollegen stehen dann immer dabei und achten darauf, dass nichts passiert. Vor allem an der sogenannten Schüttung hinten, wo der Müll reinkommt. Da kann man leicht verschwinden.»

Von den Alltagssorgen der Müllwerker hat Ochsenknecht durchaus eine konkrete Vorstellung. «Das große Problem, das alle Müllmänner haben, sind Rückenschmerzen. Die schweren, großen Tonnen zu heben und zu schieben, das geht böse auf den Rücken.» Hinzu komme, was diese Menschen im Alltag an Konflikten ertragen müssten. «Wir erleben das sogar bei den Dreharbeiten am eigenen Leib: Es gibt Bürger, die nicht checken, dass wir drehen, die nicht sehen, dass wir keine wirklichen Müllmänner sind. Man wird blöd angemacht von Helikopter-Müttern mit einem Kinderwagen so groß wie ein Kleinwagen; die beschweren sich dann, dass man kurz den Gehweg blockiert, um ihre vollen Windeln wegzubringen. Oder andere, die ausparken wollen und einem Moment warten müssen. Das gibt es ganz oft. Eigentlich wäre es nur gerecht, wenn diese Leute ihren Müll selbst wegbringen müssten.»

© dpa-infocom, dpa:210505-99-477541/2

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