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ZDF-«Schwarzwaldkrimi» zwischen Mythen und Realität

Erdgeister, eine hexenhafte «schwarze Frau» und mysteriöse Waldzeichen - für den neuen ZDF-«Schwarzwaldkrimi» haben die Macher tief in die Schatztruhe der Sagen gegriffen. Geht bei dieser Mordserie alles mit rechten Dingen zu?

dpa

Die Kommissare Maris Bächle (Jessica Schwarz) und Konrad Diener (Max von Thun) begutachten die Leiche eines Obstbauern. Foto: Maria Wiesler

Freudenstadt (dpa) - Zuerst ist da diese seltsame Vogelscheuche. Motorradfahrer entdecken sie bei einer Rast zwischen Obstbäumen im Schwarzwald. Wieso steckt die Puppe kopfüber im Boden?

Erst bei näherem Hinsehen wird klar: Hier wird auf grausige Art eine Leiche zur Schau gestellt. Mit dieser Anfangsszene ist der Grundton des neuen ZDF-Mysterykrimis «Waldgericht - Ein Schwarzwaldkrimi» gesetzt: Es wird schaurig, düster und zuweilen makaber. Der Zweiteiler ist am Montag und Dienstag (4. und 5. Januar) jeweils um 20.15 Uhr zu sehen.

Knapp zwei Jahre nach Ausstrahlung des ersten Zweiteilers präsentiert das ZDF jetzt den Nachfolger um das Freudenstädter Ermittler-Duo Maris Bächle (Jessica Schwarz) und Konrad Diener (Max von Thun). Die beiden müssen zur Lösung ihres neuen Falls tief in Mythologie, Sagenwelt und Geschichte des Schwarzwalds eintauchen. Da geht es um Erdgeister, eine «schwarze Frau» und ein sogenanntes Waldgericht.

Nach der Entdeckung des ersten Toten - ein reicher Obstbauer, der seine Angestellten ausbeutete - taucht bald schon die zweite Leiche auf: Wieder ist es ein unsympathischer Chef, diesmal ein Gerbermeister. Straft ein Mörder hier Männer wegen deren unmenschlichen Umgangs mit ihren Mitarbeitern ab?

Doch was hat es dann mit dem seltsamen Zeichen auf sich, das die Ermittler jeweils im Umfeld der Toten finden - eine Art abgewandeltes Ypsilon mit zwei senkrechten Strichen? Und was haben die schwarzen Tiere in der Nähe der Tatorte zu suchen?

Zweifel an einer allzu schnöden Erklärung für die Morde säen auch die horrorfilmhaft anmutenden Aufnahmen einer schwarz gekleideten Frau, die sich im Wald herumtreibt. So übernatürlich wirkt bisweilen die Handlung und so psychedelisch angehaucht sind die Aufnahmen aus dem Wald, dass der Zuschauer sich fragen kann, mit welchem Genre er es hier zu tun hat: mit einem Krimi oder einem Fantasyfilm?

Nach und nach hebt sich jedoch der Schleier des Übernatürlichen. Hier geht es um ganz reales Unrecht, das Jahrzehnte in die Vergangenheit zurückreicht und indirekt auch Ermittlerin Bächle betrifft. Immer wieder lässt Drehbuchautorin Anna Tebbe die Zuschauer mittels Rückblenden durch die Zeit reisen. Es wird klar: Bei der «schwarzen Frau» aus dem Wald handelt es sich mitnichten um eine Hexe, sondern um eine äußerst ambivalente, tief in der Sagenwelt des Schwarzwalds verwurzelte Figur. Ihre Geschichte liefert einen Schlüssel zur Lösung des Falls, der mit weiteren Toten und Verschwundenen immer größere Ausmaße annimmt.

Der «Schwarzwaldkrimi» könnte nirgendwo anders als im Schwarzwald spielen - und das macht auch einen guten Teil seiner Anziehungskraft aus. Die ganze Handlung basiert auf den Bräuchen und Besonderheiten dieser Region: Da ist etwa das Waldgericht, das einst bei Streitigkeiten über Ländereien abgehalten worden sein soll und nun auch in der Mordserie eine Rolle spielt. Oder ein tunnelartiges Versteck mitten im Forst, das in der Vergangenheit zum Schutz vor marodierenden Soldaten oder verfeindeten Nachbarn angelegt wurde.

«Diese ganzen Mythen und Legenden, die sich um diese Gegend ranken, sind eingeflossen und geben dem Ganzen damit etwas Geheimnisvolles», sagt Hauptdarsteller Max von Thun der Deutschen Presse-Agentur.

Die Drehorte tun ihr Übriges, um den Schauderfaktor zu erhöhen. Jessica Schwarz selbst gibt zu, sich abends nach den Dreharbeiten im Schwarzwald ein wenig gegruselt zu haben: «Wenn man dort nachts spazieren geht mit Freund und Hund, dann kann das schon auch mal sehr beängstigend sein», sagte sie. «Nachts knackt natürlich alles dreimal so laut. Der Hund ist als Erstes gerannt und dann sind wir gerannt. Man weiß natürlich nicht, was sich da im nächsten Gebüsch befindet.»

Bei all dem ansprechenden Lokalkolorit des Zweiteilers lässt sich darüber hinwegsehen, dass es die Macher um Regisseur Marcus O. Rosenmüller mit der Logik teils nicht allzu genau nehmen und die psychologische Entwicklung der Charaktere manchmal ein wenig schablonenhaft wirkt. Die beiden Teile liefern in jedem Fall viel Spannung - und Morde, die in ihrer Absonderlichkeit mit der vergrabenen Vogelscheuche vom Anfang durchaus mithalten können.

© dpa-infocom, dpa:210101-99-871267/3

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