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„Crisis“: Starbesetztes Thriller-Melodram um Opiate

Schmuggel und Schmerzmittel

Spannender und melodramatisch grundierter, starbesetzter Thriller um den Kampf gegen Big Pharma, aus dem Gary Oldman und Evangeline Lilly herausragen.

Hans Gerhold

Prof Dr. Tyrone Brower (Gary Oldman, l., mit Kid Cudi) informiert sich. Foto: Capelight Pictures

Was Steven Soderberghs „Traffic“ vor zwanzig Jahren mit dem Krieg gegen Drogen versuchte, setzt Regisseur Nicholas Jarecky in „Crisis“ mit einem spannenden und melodramatischen Thriller um die Macht von Big Pharma und die Folgen für Konsumenten fort. In drei parallel ablaufenden Handlungssträngen geht es um einen Undercover-Agenten, eine verzweifelte Mutter und einen Professor im Gewissenskonflikt.

Die erste Episode nimmt in der Anfangssequenz wie in James-Bond-Filmen mit einer Verfolgungsjagd an der verschneiten kanadischen Grenze Fahrt auf, wo DEA-Agent Jake Kelly (Arnie Hammer) in einer vorgetäuschten Schmuggelaktion drei Kartelle gleichzeitig aushebeln will und scheitert. In der zweiten und besten Episode kämpft Architektin Claire (Evangeline Lilly, „Lost“) mit der Abhängigkeit vom Schmerzmittel Oxycodon und geht den Spuren nach, die zum Drogentod ihres Sohnes führten.

Der dritte und für die Aussage relevante Handlungsstrang kreist um Uni-Prof Dr. Tyrone Brower (Oscar-Preisträger Gary Oldman), der vor Gericht einen Pharmakonzern vertritt. Als der Konzern das neue Mittel Klaradon auf den Markt werfen will, das angeblich nicht abhängig macht, gerät Brower, der das Gegenteil herausfindet und um seine Nebeneinkünfte fürchtet, in Konflikt mit seinen Moralvorstellungen und in Kämpfe mit den Chefetagen des Konzerns (mit Veronica Ferres als Führungskraft) und dem Direktor (Greg Kinnear) der Privatuni, an der er forscht.

Das läuft temporeich, spannend und immer übersehbar ab und ist in der Charakterzeichnung nicht völlig ausgereift, weil es sich in Nebenhandlungen (Kellys drogenabhängige Schwester) verliert, einigen Figuren (Michelle Rodriguez als DEA-Agentin) zu wenig Raum lässt und etwas zu viel auf schreiende Auseinandersetzungen setzt. Eine Mini-Serie wäre da wohl wirksamer gewesen. Trotzdem: wegen der vielen guten Schauspieler ein solider und melodramatisch grundierter Thriller um „Mother’s Little Helper“. Das wussten schon die Stones.

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