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Kommentar

Diskussion um Kosten der E-Autos: Perspektive weiten

Die Zulassungen von E-Autos nehmen derzeit kräftig zu. Zu verdanken ist das den erheblichen staatlichen Subventionen. Doch wie geht es in Sachen Elektro-Mobilität langfristig weiter?

Von Jürgen Stilling

Auch Autos mit Plug-in-Hybrid-Antrieb müssen regelmäßig eine Ladesäule ansteuern- Foto: dpa

Ihre Beliebtheit wächst peu à peu. Dennoch bleibt noch viel zu tun, um E-Autos für alle Bundesbürger akzeptabel zu machen. Das jüngst von der EU ausgegebene Ziel, ab dem Jahr 2035 keine neuen Pkw zuzulassen, die Emissionen erzeugen, muss begleitet werden von einem massiven Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge. Und: Die Reichweite der umweltfreundlichen Modelle muss weiter deutlich gesteigert werden. Eine leistungsfähige Batterie ist der entscheidende Knackpunkt. Das haben die Autokonzerne inzwischen erkannt und deshalb ihre Forschungsaktivitäten massiv ausgeweitet.

Preistransparenz, aber auch die Förderung von privaten Wallboxen, gehören neben dem Ausbau der Schnelllade-Infrastruktur zwingend zu den Aufgaben der Umweltpolitik auf diesem Sektor. Damit verbunden sein muss der Ausbau der regenerativen Energieerzeugung, ohne den der ökologische Wert der E-Autos gleich null ist.

Staatliche Subventionen

Die Kosten der E-Mobilität werden allerdings nicht nur von den Strompreisen bestimmt, sondern noch viel stärker von den hohen Kaufpreisen für E-Autos und Plug-in-Hybride. Derzeit mildern die enormen staatlichen Subventionen diesen Faktor deutlich ab. Doch die gewaltigen Staatsmittel können nicht ewig fließen. Fraglich ist, ob allein steigende Produktionszahlen die Preise drücken.

Grundsätzlich wird der Ausbau des elek­trischen Verkehrs nicht ausreichen, um den Weg zur völligen Emissionsfreiheit erfolgreich zu gehen. Es wird nicht möglich sein, den Bestand von derzeit rund 47 Millionen Pkw in Deutschland klimaneutral zu gestalten, indem man ausschließlich den Kauf von E-Autos mit hohen Summen fördert.

Zumal immer mehr Ökonomen vorrechnen, wie ineffizient diese Unterstützung mit Steuergeld ist. Und die Ingenieure schränken sogar die Klimafreundlichkeit der E-Fahrzeuge generell ein. So verkündete das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung kürzlich, dass E-Autos verglichen mit einem Diesel wegen der umweltschädlicheren Fertigung erst nach 72 000 Kilometern einen Klimavorteil bieten.

Die Politik sollte daher ihre Perspektive weiten und Alternativen zum Batterieantrieb zumindest möglich machen. So könnte etwa der Treibstoff Wasserstoff, also die Entwicklung von Brennstoffzellen-Autos, wieder stärker in den Fokus genommen werden.

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