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20 Jahre nach dem 11. September 2001

Der lange Schatten

Münster

Der 11. September 2001 erschütterte eine Weltmacht. Es waren Attentate auf die Symbole der westlichen Welt, mitten im Herzen New Yorks und Washingtons. Auch der Alltag im Westen wurde nachhaltig verändert.  

Von Claudia Kramer-Santel

Rauch steigt aus den brennenden Zwillingstürmen des World Trade Center auf, nachdem entführte Flugzeuge in die Türme in Manhattan geflogen sind. Foto: dpa Foto: Richard Drew

Wo warst du damals? Keine Frage hört man häufiger im Zusammenhang mit dem 11. September 2001. Das kollektive Gedächtnis wird auch 20 Jahre danach gespeist durch Millionen von Einzelwahrnehmungen eines unfassbaren Moments. Sie spiegeln immer neu den Tag, an dem die Selbstgewissheit des Westens schwer erschüttert wurde. Attentate auf die Symbole der westlichen Welt, mitten im Herzen New Yorks und Washingtons – diese Bilder wirken für die USA als Trauma weiter nach.

Der Triumphator des Kalten Krieges war nun eine verwundete Supermacht. Der Feind war nicht mehr eine rivalisierende Weltmacht, sondern ein abstraktes, schwer zu fassendes, dezentral agierendes Konstrukt – der islamistische Terror. Als die Leitfigur von Al Kaida, Osama bin Laden, von den USA ausgeschaltet wurde, war das Problem nicht gelöst. Die Invasionen im Irak und in Afghanistan kosteten Tausende Menschenleben und viele Ressourcen. Im Irak führte sie zu Chaos und neuem Terror.

Biden will das Kapitel 20 Jahre danach abschließen

Das nährte das Gefühl der Verwundbarkeit immer neu. Die USA mussten erkennen, dass man die Welt nicht einfach mit dem Konzept Demokratie überspannen kann wie mit einem modernen Satellitennetz. Der Alltag im Westen wurde nachhaltig verändert: Fliegen, Großereignisse – alles wird bis heute durch komplizierte Anti-Terror-Konzepte begleitet, Wachsamkeit oberstes Gebot.

Es ist zynisch, dass nach dem Krieg im Irak auch der in Afghanistan wenig gebracht zu haben scheint – und die Taliban nach dem US-Rückzug erneut regieren. Doch der Samen der Demokratie keimt – auch wenn die Pflanze noch zart ist. Das macht ihren Feinden die Sache schwerer. Nicht wenige Bürger in den USA werden den Rückzug aus Afghanistan als Erleichterung wahrnehmen. Es ist ihnen nicht mehr zu vermitteln, dass es so großer Opfer im Ausland bedarf, wenn die Methode „militärischer Sieg plus rascher Aufbau der Demokratie“ nicht so einfach funktioniert, wie man glaubte.

Neue Unsicherheiten lassen das Gefühl der Verwundbarkeit weiter aufwallen – mit gefährlichen Folgen. Populisten halten erfolgreich ihre gefährliche Märchenwelt dagegen, in der es mit dem Versprechen einfacher Antworten immer ein „Happy End“ zu geben scheint. Biden will das schreckliche Kapitel 20 Jahre danach abschließen. Er knüpft dabei an Trumps Kurs an. Das „Wie“ bleibt umstritten. Denn das Versprechen an die Afghanen wurde nicht eingelöst. 9/11 wird so seinen langen Schatten weiter über die Welt werfen.

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