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Bundestagswahl 2021

Die spektakulärsten Duelle

Münster

299 Wahlkreise gibt es bei der Bundestagswahl. Einige finden bundesweit Beachtung: In Potsdam tritt Anna­lena Baerbock gegen Olaf Scholz an. In Südthüringen will ein Ex-Biathlon-Olympiasieger den  Ex-Verfassungsschutzchef hinter sich lassen. Ein Blick auf die spektakulärsten Duelle.

Von Stefan Biestmann

Die Spannung steigt: Einige Wahlkreise stehen aufgrund ihrer besonderen Kandidatenkonstellation bundesweit im Blickpunkt. Foto: Foto: Jan Woitas/dpa

„Wenn Sie diese Stadt sehen, wird sie ­Ihnen sicherlich gefallen“ – das sagte einst Friedrich der Große über Potsdam. Brandenburgs Hauptstadt hat bis heute nicht an Reiz verloren, auch bei Spitzenpolitikern. Nur so ist es zu erklären, dass zwei Kanzlerkandidaten es wagen, im selben Wahlkreis anzutreten. Das hat es in der deutschen Geschichte noch nicht gegeben.

Es ist nicht der einzige Wahlkreis mit einem spektakulären Duell, wie unsere Rundreise zeigt.

Potsdam: Wahlkreis mit größter Promi-Dichte

Wahlkreis 61: Ein besseres Pflaster für eine Kandidatur im Osten hätte sich Olaf Scholz nicht aussuchen können. Nicht nur, weil er in Potsdam wohnt, sondern weil die SPD bei der Bundestagswahl 2017 hier den einzigen Wahlkreis im Osten gewonnen hat. Doch hätte er damit gerechnet, dass Annalena Baerbock sich nicht nur die Grünen-Kanzlerkandidatur sichert, sondern Scholz das Wahlkreis-Direktmandat vor der Nase wegschnappen will? Baerbock stammt zwar aus Hannover, wurde aber in Brandenburg politisch sozialisiert und agierte vier Jahre lang als Grünen-Landeschefin.

Doch damit nicht genug: Baerbock und Scholz sind nicht die einzigen promi­nenten Kandidaten im Wahlkreis 61. Es bewerben sich auch die Ex-FDP-General­sekretärin Linda Teuteberg und die frühere CDU-Landeschefin Saskia Ludwig. Für die SPD stehen die Chancen gut, dass Scholz siegt. Nicht nur, weil er in Umfragen im Kanzlerkandidaten-Direktvergleich vor Baerbock liegt, der bereits einige Patzer im Wahlkampf unterliefen. Auch jüngste Wahlkreisprognosen, die die „Potsdamer Neuesten Nachrichten“ veröffentlichten, sehen Scholz vorne. Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet verzichtet ganz auf eine Kandidatur in einem Wahlkreis. Er verlässt sich ganz auf die NRW-Landesliste, an deren Spitze er steht.

Südthüringen: Rechtsaußen gegen Ex-Olympiasieger

Wahlkreis 196: Mehr als 300 Kilometer südwestlich von Potsdam kommt es in Südthüringen zum Showdown. Hier tritt der um­strittenste Kandidat der CDU gegen einen der erfolgreichsten Biathleten der früheren DDR an. Frank Ullrichs Medaillensammlung ist imposant. Viermal stand er bei Olympia auf dem Podest, 1980 holte er bei den Winterspielen in Lake Placid im Sprint sogar Gold. Hinzu kommen neun WM-Titel. Später war Ullrich Trainer des Nationalteams. Jetzt will er politisch zur Höchstform ­auflaufen und für die SPD das Direktmandat erringen.

Sein größter Kontrahent, Ex-Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen, gibt in seiner Partei den Rechtsaußen. Immer wieder löst er Beben aus, deren Einschläge bis ins Berliner Konrad-Adenauer-Haus reichen. Zuletzt sorgte er mit seiner scharfen Kritik am öffentlich-recht­lichen Rundfunk für Schlagzeilen. Doch ob der Hang zur Polarisierung ausreicht, um den früheren Star-Biathleten im Schlussspurt zu über­holen? Dazu muss sich Ullrich wohl „Fehlschüsse“ erlauben. Eine Forsa-Um­frage aus dem Juni sah zu­mindest den SPD-Politiker vorn.

Zwei Bundesminister im Saarland-Duell

Wahlkreis 297: Mehr als 400 Kilometer weiter westlich führt die Reise bis an die franzö­sische Grenze. In Saarlouis kreuzen zwei Bundesminister die Klingen – und einer davon sinnt auf Re­vanche. Denn 2017 gewann der jetzige Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) das Direkt­mandat und lag knapp sechs Prozentpunkte vor dem heutigen Außen­minister Heiko Maas (SPD). Für Altmaier spricht die Beharrlichkeit und das Durchhaltevermögen. Nicht nur als Bundes­minister und Merkel-Vertrauter, der sich wacker gegen alle Kritik stemmt, sondern auch als Konstante im Wahlkreis. Seit dem Jahr 2009 gewann Altmaier in Saarlouis immer das Direktmandat. Von 1994 bis 2005 war er noch seinem damaligen Konkurrenten Ottmar Schreiner (SPD) unter­legen. Immerhin hat Maas auch durch seine Auftritte auf internationalem Parkett an Profil gewonnen.

Doch egal ob Saarlouis, Potsdam oder Südthüringen – am Ende hat wie immer der Wähler das Wort.

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