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Testfahrt

E-Antrieb zum Billigpreis: Was bietet der Dacia Spring noch?

Von wegen elitäres Vergnügen: Mit dem Spring beweist Dacia, dass E-Autos kein Vermögen kosten müssen. Der Kleinwagen ist aktuell der billigste Stromer im Land. Aber zaubern können auch die Rechenkünstler der Renault-Tochter nicht.

dpa

Mit dem Spring möchte Dacia die E-Mobilität für jedermann bezahlbar machen. Bei Lenkung, Getriebe und Komfort müssen Käufer allerdings einige Abstriche machen. Foto: Dacia

Berlin (dpa-infocom) - Die Elektrifizierung nimmt weiter an Fahrt auf, und Dacia räumt ihr die nächste Hürde aus dem Weg. Wenn die rumänische Renault-Tochter im Herbst den Spring an den Start bringt, kann zumindest niemand mehr über die hohen Kosten klagen.

Auf dem Papier mindestens 20.490 Euro teuer, in der Praxis aber nach Abzug der Förderung bereits ab 10.920 Euro zu haben, wird der in China produzierte Kleinwagen zum günstigsten Großserien-Elektroauto in Deutschland. Selbst der elektrische Twingo der Muttermarke Renault ist rund 4000 Euro teurer.

Ein Zwerg als Zweitwagen

Konzipiert als klassischer Zweitwagen oder als Carsharing-Fahrzeug für die Stadt ist der Spring ein Winzling von 3,73 Metern, der kostengünstig kalkuliert wurde. Noch einmal zehn Zentimeter kürzer als der Twingo, macht er mit modernem Design, etwas erhöhter Bodenfreiheit und ein paar Farbakzenten trotzdem etwas her. Und Platz bietet er auch: Immer mit vier Türen ausgestattet, können hinten bei 2,42 Metern Radstand zur Not auch mal zwei Erwachsene sitzen und der Kofferraum fasst immerhin 270 Liter - allemal genug für eine durchschnittliche Shoppingladung.

Große Sprünge außerhalb der Stadt kann man mit dem Kleinwagen angesichts eines Motors mit 33 kW/44 PS und 125 Nm sowie einer Batterie von 27,4 kW allerdings nicht machen. Der im City-Zyklus mit 305 Kilometern vollkommen ausreichende Aktionsradius sinkt mit ein paar Über-Land-Etappen im WLTP-Zyklus bereits auf 230 Kilometer. Nach ein, zwei kurzen Strecken auf der Autobahn pendelt sich die Reichweite eher bei maximal 150 Kilometern ein. Auch die bescheidene Höchstgeschwindigkeit von 125 km/h dürfte den Elan manchen Fahrers merklich dämpfen. Und während das Fahrwerk ganz souverän wirkt, ist die Lenkung eher eine Zumutung: Gefühllos, indifferent und wenig zielgenau, macht sie es einem schwer, auf Kurs zu bleiben. Selbst am kleinen Wendekreis kann man sich so kaum freuen. Dabei ist das keine Frage des Geldes, sondern eine der Gründlichkeit bei der Entwicklung.

Schlichtes Getriebe, aber großzügige Bordtechnik

Und noch eine Entscheidung der Ingenieure weckt Unverständnis: Dem Getriebe fehlt die Parkposition. Zwar kann man mit dem Drehrad auf der Mittelkonsole wählen, ob man vorwärts oder rückwärts fahren möchte, und es gibt natürlich eine «Neutral»-Stellung. Doch die Park-Position sucht man vergebens, und ohne die Feststellbremse entwickelt der abgestellte Spring ein gefährliches Eigenleben.

Während man Dacia da durchaus Vorwürfe machen kann, darf sich über das einfache Ambiente mit viel hartem Plastik und dünnen Sitzbezügen niemand beklagen. Denn auch eine rumänische Firma mit einer chinesischen Fabrik muss für den Batterie-Antrieb viel Geld ausgeben. Anders wäre der Kampfpreis also nicht zu schaffen gewesen. Und schon der funktioniert nur mit den politischen Subventionen: Ohne Umweltprämie kostet der Mini-Dacia, der kleiner ist als ein VW Up, mehr als ein gut ausgestatteter VW Polo. Immerhin geben sich die Rumänen bei der Technik großzügig und spendieren dem Spring in der 1300 Euro teureren Comfort-Plus-Version ein großes Multi-Media-System sowie ein paar wichtige Assistenten bis hin zur Rückfahrkamera.

Kleine Batterie, kurze Standzeit

Ebenfalls frei von Kritik bleibt der Akku. Klar würde mit mehr Batteriekapazität die Reichweite wachsen. Doch wäre dann der Preis ein anderer. Außerdem will in so einem kleinen Auto niemand größere Strecken fahren. Und ganz nebenbei bietet die Mini-Batterie noch zwei weitere Vorteile: Sie ist leichter und drosselt den ohnehin langsamen Spring nicht noch weiter. Und sie ist schneller aufgeladen. Denn selbst mit dem bescheidenen 30 kW-Lader, den es gegen Aufpreis gibt, braucht der Dacia lediglich 56 Minuten bis der leere Akku wieder zu 80 Prozent voll ist.

Fazit: Alternative Antriebstechnik zum kleinen Preis

Mit dem Spring überträgt Dacia den mit Logan, Sandero und Duster so erfolgreich etablierten Discount-Gedanken auch auf die Elektromobilität. Denn während Tesla und Co E-Autos in erster Linie für eine solvente Zielgruppe bauen, wollen die Rumänen beweisen, dass Fortschritt auch bezahlbar sein kann. Natürlich eignet sich der Spring weder als Statussymbol noch als Langstreckenfahrzeug. Doch dafür gibt es einen urbanen Kleinwagen mit alternativer Antriebstechnik, der vielen Menschen im Alltag reichen dürfte.

Datenblatt: Dacia Spring

Alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke

© dpa-infocom, dpa:210421-99-291328/14

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