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Kfz-Versicherung

Rabatte, Prozente und Co. – Informatives zur Schadenfreiheitsklasse

Die Schadenfreiheitsklasse (SF-Klasse) nimmt Einfluss auf die Kfz-Versicherungsbeiträge und belohnt unfallfreie Jahre mit einer Vergünstigung. In Stein gemeißelt ist der Vorteil allerdings nicht: Reguliert der Versicherungsgeber einen Schaden, droht die Rückstufung in eine schlechtere SF-Klasse. Ein Rabattschutz kann teure Beitragserhöhungen verhindern.

Allgemeine Zeitung

Foto: Photo by Michael Jin on Unsplash

Die Schadenfreiheitsklasse beeinflusst die Kalkulation der Kfz-Versicherungsbeiträge maßgeblich. Fahranfänger müssen mit besonders hohen Beiträgen rechnen, weil sie aufgrund ihrer mangelnden Erfahrung mit einem erhöhten Unfallrisiko in Verbindung stehen. Neulinge im Straßenverkehr werden in der Regel in die niedrigste und damit teuerste SF-Klasse eingestuft. Über 1.000 Euro jährliche Versicherungsbeiträge sind keine Seltenheit.

Unfallfreie Jahre werden mit dem sogenannten Schadenfreiheitsrabatt (SFR) belohnt: Je mehr Jahre Versicherungsnehmer keinen Schaden melden, desto höher der Rabatt und dementsprechend günstiger fällt der Versicherungsbeitrag aus. Auf jedes schadenfreie Versicherungsjahr folgt eine Hochstufung in die nächsthöhere SF-Klasse. In welcher SF-Klasse sich Versicherte derzeit befinden, verrät die Beitragsrechnung.

Der SFR findet nur in der Kfz-Haftpflicht- und Kfz-Vollkasko-Versicherung Anwendung – nicht in der Teilkasko.

Was ist Rabattschutz bei einer Kfz-Versicherung?

Im Rahmen der Einstufung in Schadenfreiheitsklassen werden nicht nur unfallfreie Jahre berücksichtigt, sondern auch Schadensregulierungen. Versicherte, die ihrer Versicherung einen Schaden melden, werden anschließend in eine niedrigere SF-Klasse zurückgestuft, was mit einer Beitragserhöhung einhergeht. In welche SF-Klasse die Rückstufung erfolgt, ist den Vertragsbedingungen zu entnehmen. Einheitliche Vorgaben gibt es hier nicht. Eine Rückstufung von SF 35 (für 35 schadenfreie Jahre) in SF 20 ist beispielsweise durchaus möglich.

Um Beitragserhöhungen vorzubeugen, können Versicherte einen sogenannten Rabattschutz wählen. In der Regel handelt es sich um kostenpflichtige Zusatzleistungen, die prozentual anhand des Grundbeitrags kalkuliert werden. Der Wechsel zu einer vergleichsweise preiswerten Autoversicherung kann sich somit doppelt lohnen. Einer der derzeit günstigsten Tarife (laut Finanztest Ausgabe 12/2020) bietet die digitale Kfz Versicherung von Friday. Die Online-Versicherung berechnet ihren Rabattschutz mit einem festen Prozentsatz auf Basis des gewählten Tarifs. Aufgrund der erheblichen Unterschiede bei den Preisen für den Rabattschutz ist ein Tarifvergleich grundsätzlich empfehlenswert. Je nach Anbieter müssen Versicherte für die Zusatzleistung zum Versicherungsschutz mit bis zu 30 Prozent Mehrkosten rechnen.

Gut zu wissen: Durch den Rabattschutz bleibt mindestens ein Schaden pro Versicherungsjahr ohne Auswirkungen auf die SF-Klasse.

Vorsicht beim Versicherungswechsel

Diejenigen, die ihre Kfz-Versicherung jährlich wechseln, können sich die Zusatzkosten für einen Rabattschutz sparen. Denn: Ein Rabattschutz greift immer nur solange, wie der Vertrag mit dem Versicherungsgeber besteht (wir berichteten). Zu einem anderen Versicherer mitnehmen, lässt sich der Vertragszusatz nicht. Besonders markant macht sich dies an der Haushaltskasse bemerkbar, wenn innerhalb der Vertragslaufzeit mehrere Schäden reguliert wurden, diese aber durch den Rabattschutz keine Auswirkungen auf die SF-Klasse hatten:

  • Bei einem Anbieterwechsel stuft die neue Versicherung den Versicherungsnehmer in die SF-Klasse ein, welche ohne Rabattschutz aktuell korrekt wäre.
  • Alle regulierten Schäden bei der vorherigen Versicherung werden dabei einbezogen.
  • Dementsprechend droht ein deutlich höherer Beitrag als der Versicherungsnehmer bislang gewohnt war.

Umso wichtiger ist es deshalb, dass ein Rabattschutz erst dann als Extra hinzugebucht wird, wenn absehbar ist, dass in den Folgejahren kein Anbieterwechsel geplant ist. Bleibt der Versicherer unfallfrei, spricht selbstverständlich nichts gegen einen Tarifwechsel, da ein Rabattschutz dann keinerlei Auswirkungen hat.

Beim Vergleich auf faire Rückstufung achten 

Weiteres Sparpotenzial ergibt sich, wenn Versicherungsnehmer bereits beim Gegenüberstellen der Tarife auf eine möglichst faire Rückstufung im Schadensfall achten. Ob ein Versicherungsgeber hart oder eher fair zurückstuft, lässt sich über die Rückstufungstabellen ermitteln. Diese Tabellen sollten in den Versicherungsbedingungen zu finden sein. Falls nicht, lassen sie sich anfordern.

Wie lange bleiben die Prozente einer Kfz-Versicherung bestehen?

Der Schadenfreiheitsrabatt wird in Prozent angegeben. Allerdings bleiben diese Prozente in der Regel nicht unbegrenzt bestehen. Stattdessen verfallen sie nach einer gewissen Zeit, wenn Versicherungsnehmer vorübergehend kein Fahrzeug versichert haben. Oft beträgt die Zeitspanne zwischen sieben und zehn Jahre. Wie sich eine Unterbrechung des Kfz-Versicherungsschutzes hinsichtlich der SF-Klasse und des SFR auswirkt, lässt sich in den Allgemeinen Bedingungen für die Kfz-Versicherung – kurz AKB – nachlesen, die der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. (GDV) online bereitstellt (Stand 30.06.2020).

Zudem gilt: Für die SF-Klasse ist die Versicherungszeit entscheidend – wie lange Versicherte einen Führerschein haben, ist kaum relevant. Wird ein Fahrzeug beispielsweise nach zehn Jahren unfallfreier Fahrt abgemeldet und nach zehn Jahren wieder angemeldet, interessiert sich die neue Versicherung nicht für die unfallfreie Fahrtzeit in den Jahren zuvor, sondern stuft den Versicherungsnehmer zum aktuellen Zeitpunkt des Vertragsabschlusses in eine SF-Klasse ein. Jahrelange Fahrpraxis kann sich zwar mit einer günstigeren Ersteinstufung bemerkbar machen, diese hält sich aber in Grenzen. Weitere Hochstufungen folgen erst mit zunehmender Vertragslaufzeit.

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