1. www.azonline.de
  2. >
  3. Welt
  4. >
  5. Gesundheit
  6. >
  7. Bio-Hanf findet immer mehr Verbreitung in Deutschland

  8. >

Gesundheit

Bio-Hanf findet immer mehr Verbreitung in Deutschland

Seit über sechs Jahrtausenden gilt Hanf als eine bedeutende Kulturpflanze. Bevor chemische Medikamente das Wissen um die Heilkräfte der Natur zur Seite drängten, wurde Cannabis unter anderem zur Wundbehandlung verwendet. Die erste schriftliche Erwähnung von Hanf als Arzneimittel stammt bereits aus dem Jahr 2.300 vor Christus. Die Nutzpflanze wurde in nahezu allen europäischen sowie asiatischen Ländern angebaut. Sie stellte eine wichtige Rohstoffquelle für die Herstellung zahlreicher verschiedener Produkte, darunter Seile, Textilien und Papier dar.

Allgemeine Zeitung

Neben den Samen können auch Hanfblüten und -blätter verwendet werden. Foto: Pixabay.com © TinaKru CCO Public Domain

CBD und THC

In Deutschland war der Anbau von Cannabispflanzen wegen der psychoaktiven Wirkung ihrer Blüten in den Jahren von 1982 bis 1996 verboten. Ihr Bestandteil Tetrahydrocannabinol (THC) ist für den Rauschzustand verantwortlich. Ebenso wie THC zählt auch Cannabidiol (CBD) zu den Cannabinoiden. Wissenschaftler konnten mittlerweile 113 von ihnen in der Hanfpflanze identifizieren. Seit einiger Zeit beschäftigen sie sich vermehrt mit der Frage: Was ist CBD und welche positiven Eigenschaften hat es auf Mensch und Tier?

Die Erkenntnis, dass Cannabidiol im Gegensatz zu THC nicht psychoaktiv ist, führte zu vielen weiteren Forschungsarbeiten und Studien – mit dem Ergebnis: Es kann sich in vielen Bereichen positiv auf unsere Gesundheit auswirken. Dank einigen herausragenden Wissenschaftlern gibt es gegenwärtig unzählige CBD-Produkte auf dem Markt, die sich immer größerer Beliebtheit erfreuen. Gezielte Züchtungen sorgten dafür, dass die Nutzhanfpflanzen heute nur noch einen THC-Gehalt von zwei Prozent, teilweise weniger, aufweisen. Sie sind in Deutschland stark im Kommen, insbesondere die Bio-Variante.

Nutzhanf in der Landwirtschaft

Hochgelobt wird der Nutzhanf von Landwirten, weil er sich zu 100 Prozent verwerten lässt. Zudem geht er mit zahlreichen Vorteilen für den Bio-Acker einher, darunter:

·         Sobald Hanf ausgesät wird, beginnt er kräftig zu wachsen. Aus diesem Grund ziehen auf dem Feld keimende Unkräuter beim Wettkampf um Licht und Platz den Kürzeren. Deshalb benötigt die Nutzpflanze auch keine Herbizide wie Glyphosat, dies gilt selbst für den konventionellen Anbau. Bio-Landwirte ersparen sich Arbeit und somit Personal, da das regelmäßige Beseitigen von Unkraut wegfällt.

·         Hanfpflanzen beschatten außerdem den Boden deutlich schneller als beispielsweise Mais. In Kombination mit ihrem dichten Wurzelwerk tragen sie zu einer guten Bodenstruktur bei.

·         Weder Krankheiten noch Schädlinge stören Hanf in seinem Wachstum. Darüber hinaus berichten Landwirte, die in der Nähe von Gewässern wohnen, häufig über Schäden am Weizen oder Dinkel durch Wildgänse. Die Cannabispflanzen stehen jedoch nicht auf ihrem Speiseplan.

Je nach Sorte erreicht Hanf eine Höhe zwischen eineinhalb und vier Metern. Während einige Arten mehr Fasern liefern, bringen andere verstärkt Früchte hervor. Grundsätzlich baut die Nutzpflanze eine große Menge Biomasse auf, weshalb sie viel Wasser und Nährstoffe benötigt. Einige Bio-Bauern säen deshalb ihren Hanf auf einem Feld ein, das zuvor stickstoffsammelndes Kleegras beherbergte.

Hanfernte und -verarbeitung

Etwa gut 100 Tage vergehen nach der Aussaat, dann sind die Hanfsamen erntereif. In der Regel wird ein Mähdrescher für die Ernte eingesetzt. Er trennt die Spreu vom Weizen, zutreffender gesagt: die Samen vom Halm. Je nach Weiterverwendung werden sie nach dem Trocknen entweder geschält oder gepresst. Für die Herstellung eines hochwertigen Hanföls sind 4,5 Kilogramm Samen nötig. Um 1 Kilogramm geschälte Hanfsamen zu erhalten, muss eine Menge von 2,8 Kilogramm ganzer Hanfsamen herangezogen werden. Übrig bleibt sogenannter Presskuchen, der sich beispielsweise zu Hanfmehl und proteinreiches Tierfutter verarbeiten lässt. Es soll unter anderem Pferden, Hunden und Vögeln schmecken.

Wer seinen Urlaub in Österreich verbringt und sich für das Thema Hanf interessiert, sollte die Gemeinde Hanfthal aufsuchen. Der Ortsname wurde im Jahr 1149 erstmals urkundlich erwähnt. Er deutet darauf hin, dass es dort bereits zu diesem Zeitpunkt Hanfanbau gab. Viele Gemeindebewohner haben sich der bedeutenden Nutzpflanze verschrieben und sehens- bzw. erlebenswerte Attraktionen geschaffen:

·         Hanfmuseum

·         Hanferlebnistour

·         Hanferlebnispfad

·         Spezialitätenrestaurant Hanfwirt mit vielen durch CBD-Produkte bereicherten Speisen

Verwendung von Hanfstroh

Viele Menschen, die sich mit der Nutzpflanze beschäftigen, sehen im Hanfstroh ein erstklassiges Naturprodukt mit großer Zukunft. Es ist perfekt für die Herstellung von äußerst stabilen Fasern geeignet, aus denen Seile, Dämm-, Bau- und Faserwerkstoffe angefertigt werden können. Bereits früher galten sie als beliebter Rohstoff, zum Beispiel für Arbeitskleidung und Segeltücher. Sogar für die erste Levi-Jeans soll Hanf genutzt worden sein. Hanffasern gehen mit vielen Pluspunkten einher, darunter:

·         keine elektrostatische Aufladung

·         gute Feuchtigkeitsaufnahme

·         kurze Trockenzeit

·         reißfester als Baumwolle

·         für Menschen geeignet, die auf Schaf- oder Baumwolle allergisch reagieren

Der Einsatz von CBD bei der Allergiebehandlung

Für Allergiker gibt es nur wenige natürliche Mittel, die ihnen hilfreich zur Seite stehen. Eine interessante Alternative stellt Cannabis dar. So stärken beispielsweise Cannabinoide das Immunsystem und gleichen einige andere Körperfunktionen aus. Für die Linderung von allergischen Symptomen haben sich sowohl CBD als auch THC bewährt. Auftretende Nebenwirkungen sind deutlich seltener als bei der Einnahme von Antihistaminika.

Insbesondere der Entourage-Effekt von CBD und THC spielt bei der Allergiebehandlung eine Rolle. Tetrahydrocannabinol soll eine Immunreaktion auf Allergene unterdrücken und auf diesem Weg zur Verhinderung einer allergischen Reaktion und zur Verringerung der Sensibilisierung beitragen. Vorstellbar ist außerdem, dass durch CBD saisonale Allergien, darunter Heuschnupfen, erfolgreich behandelt werden können. Es hilft bei der Produktionsregulierung der weißen Blutkörperchen, die reagieren, wenn Betroffenen Allergenen ausgesetzt sind.

Startseite
ANZEIGE