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Die Legalisierung von Cannabis – was planen Politik und die Branche?

Schon seit Jahren arbeiten Verbände auf eines hin: die Legalisierung von Cannabis. Nun scheint sie in greifbarer Nähe zu sein. Karl Lauterbach hat als Bundesgesundheitsminister einen Zwischenspurt für den Sommer 2022 angekündigt. Neue Reformen zur medizinischen Versorgung sollen eingeführt werden – darunter auch die Legalisierung von Cannabis. Es sieht so aus, als würde sie schneller eintreten, als viele zunächst angenommen hatten. Anfang Mai kündigte der Bundesgesundheitsminister an, dass er eine Gesetzesinitiative zur Cannabis-Legalisierung starten würde.

Allgemeine Zeitung

Die Cannabis-Legalisierung wird einen wirtschaftlichen Aufschwung bedeuten. Foto: CBD-Infos-com via pixabay.com

Vor einigen Jahren wären diese Entwicklungen noch eine Sensation gewesen. Nun überrascht es niemanden mehr. Immerhin haben die drei Regierungsparteien bereits im November 2021 eine Einigung mit ihrem Koalitionsvertrag getroffen. Darin ist die Rede von der kontrollierten Abgabe von Cannabis zu Genusszwecken – natürlich nur an Erwachsene und in lizenzierten Geschäften. Doch Lauterbach selbst war es, der eine Wende vollzogen hat. Eigentlich stand er der Cannabis-Legalisierung zunächst kritisch gegenüber. Doch ein Gedanke brachte ihn zum Umdenken: Es gibt viel verunreinigtes Cannabis, welches in seinen Augen ein größeres Risiko darstelle als die kontrollierte Abgabe von reinen Produkten. Die Legalisierung bringe somit weniger Gefahren mit sich als eine Nichtlegalisierung. Deshalb möchte er in der zweiten Jahreshälfte für einen Gesetzesentwurf sorgen, sodass die Legalisierung bereits im Frühjahr 2023 starten kann.

Wie steht es um die Branche?

Die Branche steht bereit. Mit dem aktivsten Vertreter, der börsengelisteten SynBiotic SE, wartet sie nur noch auf den Startschuss seitens der Regierung. Untersuchungen haben gezeigt, dass es rund 5 % der deutschen Erwachsenen sind, die regelmäßig Cannabis konsumieren. Was für diese 4 Millionen Menschen heute noch illegal ist, wird schon bald legal sein. Bislang darf lediglich medizinisches Cannabis erworben werden. Und das auch nur in Apotheken. Außerdem sind Produkte mit dem Inhaltsstoff CBD (Cannabidiol) erlaubt. Dabei handelt es sich um einen weiteren Inhaltsstoff der Cannabispflanze. Jedoch darf der Gehalt des psychoaktiv wirkenden THC nicht mehr als 0,2 % betragen. Selbst wenn diese Grenze bei Produkten eingehalten wird, stoßen Hersteller immer wieder auf Hürden. Die Bürokratie erschwert so einiges, erklärt Lars Müller, CEO von SynBiotic SE, in einem Interview. Einhergehend mit der Cannabis-Legalisierung werden sich auch CBD-Produkte einer höheren Nachfrage erfreuen.

Auch der Staat kann sich freuen. Eine Berechnung von Statista hat ergeben, dass der Haushaltseffekt rund 4,7 Milliarden Euro betragen würde. Davon seien 1,8 Milliarden Euro direkte Steuereinnahmen. Aber auch indirekte Auswirkungen sind nicht zu verachten: Aufkommende Lohnsteuer durch neue Arbeitsplätze sowie eingesparte Gelder bei Justiz und Polizei, um nur die größten Ersparnisse zu nennen.

Das deutsche Reinheitsgebot auch für Cannabis?

Bevor die Cannabis-Legalisierung in Kraft tritt, stellt sich natürlich die Frage nach dem Wie. Soll Cannabis nur in Apotheken verfügbar sein? Oder wird es in Deutschland so etwas wie Coffeeshops geben? Nach welchen Regeln erhalten Händler eine Lizenz?

Viele Unternehmer möchten bei den Entwicklungen mithelfen – immerhin gilt es die Kundschaft zufriedenzustellen und wer kennt seine Kunden besser als die Branche? Dazu gehört auch, dass Cannabis als Medizinprodukt klar von Cannabis als Genussmittel getrennt wird. Diese Zielgruppen könnten unterschiedlicher nicht sein.

Und wie wird der Anbau von Cannabis aussehen? Deutschland hat bislang wenig Kapazitäten für große Hanfplantagen. Daher muss penibel darauf geachtet werden, dass importierter Cannabis einem hohen Standard entspricht. SynBiotic SE-CEO Lars Müller plädiert für ein „Food Grade“ bzw. einen neuen Qualitätsstandard. Ihm schwebt so etwas wie das deutsche Reinheitsgebot vor. Damit würde man ein neues Qualitätsmerkmal schaffen, welches Konsumenten signalisiert: Dieses Produkt ist hochwertig.

So wird die Handelskette von Cannabis in Deutschland aussehen

Der Koalitionsvertrag spricht von „lizenzierten Geschäften“, in denen Cannabis ausschließlich verfügbar sein sollte. Die deutsche Cannabiswirtschaft hat daher schon einige Konzepte und konkrete Wünsche geäußert. Allem voran ist wieder die SynBiotic SE. Was der Unternehmensgruppe aus München vorschwebt, sind hippe Fachgeschäfte. Natürlich darf gut geschultes Fachpersonal nicht fehlen – immerhin ist ein verantwortungsvoller Umgang mit Cannabis das A und O.

Lars Müller ist bereits im April mit der Enchilada-Gruppe ein Joint Venture eingegangen. Enchilada, ein Experte für Systemgastronom steht unter anderem für die Marken Pommes Freunde, Dean & David und Besitos und betreibt 70 Standorte in ganz Deutschland. SynBiotic SE und Enchilada konzentrieren sich gemeinsam darauf, eine funktionierende Handelskette für Cannabis in Deutschland zu schaffen. Der CEO von SynBiotic erklärt, dass sie sich schon an allen Fronten vorbereiten: Import, Vermarktung, Verkauf. Es stehen schon viele Pläne. Und auch wenn jeder Bürger privat ein paar Hanfpflanzen auf seinem Balkon haben darf, wird diese Zielgruppe von SynBiotic entsprechend bedient werden.

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