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Gesundheit

Die Tücken der Selbstmedikation bei einer Erkältung

An einer Erkältung erkranken Erwachsene im Durchschnitt zwei- bis fünfmal im Jahr. Sie zählt somit zu den am häufigsten vorkommenden Infektionskrankheiten. Verursacht wird jenes Krankheitsbild durch eine virale Infektion, welche in der Regel nur wenige Tage andauert und ohne jegliche Therapiemaßnahmen folgenlos ausheilt [1]. Der Weg zum Arzt ist somit nicht immer erforderlich, weshalb viele Menschen zur Linderung von Husten, Schnupfen und Halsschmerzen auf die eigene Hausapotheke zurückgreifen. Rezeptfreie Medikamente gegen jene Erkältungsbeschwerden gibt es vielerlei. Doch worauf ist bei ihrer Anwendung zu achten und wann sind die Grenzen einer Selbstmedikation bei einer Erkältung erreicht? Der folgende Artikel soll hierauf Antwort geben.

Allgemeine Zeitung

Wissenswertes zur Selbstmedikation bei Husten

Allgemeines

Ambroxol ist u.a. im Hustensaft Ambrohexal®, Mucosolvan® und Frenopect® enthalten. Jener Wirkstoff bewirkt durch Förderung der Flüssigkeitsausscheidung in das Bronchiallumen eine Verflüssigung des sich dort befindlichen Schleims [2]. Besonders Menschen mit einer Überempfindlichkeit gegenüber Histamin, sollten vorsichtig bei der Anwendung von Ambroxol-haltigen Medikamenten sein, da schwere allergische Reaktionen auftreten können, welche zu Hautausschlag (Erythem), Gesichtsschwellung (Ödem), Atemnot (Dyspnoe) und Juckreiz der Haut (Pruritus) führen [3]. Eine Histamin-Überempfindlichkeit kann sich beispielsweise durch Kribbeln im Mund bei Verzehr histaminhaltiger Nahrungsmittel, wie Schokolade, reife Tomaten oder Hartkäse bemerkbar machen.

Grenzen der Selbstmedikation 

Husten tritt zwar häufig im Rahmen einer Erkältung auf, jedoch nicht immer. Bei folgenden Warnhinweisen sollte in jedem Falle ein Arzt aufgesucht werden, um das rechtzeitige Erkennen ernstzunehmender Erkrankungen gewährleisten zu können:

- Husten mit Auswurf von Blut. Blut im Auswurf (Sputum) kann ein Zeichen für einen krankhaften Prozess in der Lunge sein, wie beispielsweise einem bösartigem Lungengeschwür (Lungenkarzinom).

- Einnahme eines ACE-Hemmers (z.B. Enalapril®, Ramipril®, Captopril®). Jene Medikamente werden zur Behandlung von Herzkrankheiten eingesetzt. Eine typische und häufig vorkommende Nebenwirkung ist der trockene Husten [4].

Wissenswertes zur Selbstmedikation bei Schnupfen

Allgemeines

Experten raten zur Anwendung von Medikamenten, welche die Belüftung der Nasenhöhle wiederherstellen können [5]. Hierzu eignen sich beispielsweise die Wirkstoffe Naphazolin, Xylometazolin oder Oxymetazolin. Sie bewirken eine Verengung der Blutgefäße (Vasokonstriktion), weshalb ihre Anwendung ausschließlich in Form von Nasensprays oder Nasentropfen erfolgen sollte. Hierdurch wird eine alleinige lokale Wirksamkeit sichergestellt und ein systemischer Effekt verhindert, wie es beispielsweise durch Einnahme jener Wirkstoffe in Tablettenform auftreten könnte. Dies kann zu schweren Kreislaufstörungen mit Herzklopfen und starkem Blutdruckanstieg führen. Die Anwendung von Nasensprays oder Nasentropfen kann hingegen zu einer verstärkten Reizung und damit Schädigung der Nasenschleimhaut führen. Aus diesem Grund ist der Gebrauch jener Mittel ausschließlich während einer Anwendung von maximal fünf bis sieben Tagen bedenkenlos. Ein längerer Konsum kann darüber hinaus eine Abhängigkeit gegenüber abschwellenden Nasensprays oder Nasentropfen (Privinismus) hervorrufen. Grund hierfür ist die Gewöhnung der Nasenschleimhaut an den Wirkstoff. Trotz Abklingen der Erkältung bleiben die Blutgefäße geweitet und dadurch die Nasenschleimhaut geschwollen. Der Kranke verspürt folglich weiterhin den Drang das Mittel anzuwenden [1].

Grenzen der Selbstmedikation

Schnupfen ist nicht immer gleich Schnupfen. Für den Laien ist eine Unterscheidung meist nicht möglich, sodass bei Unsicherheit ein Arzt um Rat gefragt werden sollte. Folgende Warnsignale sollten jedoch immer ernst genommen werden:

Wissenswertes zur Selbstmedikation bei Halsschmerzen

Allgemeines

Bei Halsschmerzen greifen viele Menschen zu Lutschtabletten. Viele von ihnen enthalten jedoch Wirkstoffe, von welchen Experten ausdrücklich abraten. Hierzu zählen vor allem Halsschmerztabletten, welche Lidocain beinhalten. Lidocain bewirkt eine lokale Schmerzlinderung (lokalanästhetische Wirkung), die mit häufigen Nebenwirkungen, wie allergischen Reaktionen einhergehen kann.Des Weiteren sind in vielen Halsschmerztabletten antibakterielle Wirkstoffe enthalten, welche bei den viral bedingten Infektionen, wie einer Erkältung, keinen Therapieeffekt aufweisen. Letztendlich wird auch von keimtötenden (antiseptische) Wirkstoffen abgeraten, wie beispielsweise Chlorhexedin. Jene Wirkstoffe gelangen meist nur in die oberflächlichen Schleimhautschichten, während das krankmachende Virus sich in tiefer gelegenen Schichten  befindet. Hierdurch verliert auch jener Wirkstoff seinen therapeutischen Effekt [6].

Grenzen der Selbstmedikation 

Halsschmerzen können in seltenen Fällen durch eine Infektion mit Bakterien (z.B. Streptokokken) verursacht werden. In diesem Falle ist eine Einnahme eines Antibiotikums indiziert, um Komplikationen zu verhindern. Folgende Warnsignale sollten in diesem Zusammenhang beachtet werden:

- Stark vergrößerte, hochrote Gaumenmandeln (Tonsillen) mit gelblich-weißlichen Belegen können hinweisend auf eine Streptokokken-Infektion sein (Angina follicularis). Hierbei kann es zusätzlich zu hohem Fieber und schmerzhaft geschwollenen Halslymphknoten kommen.

- Stark geschwollene Gaumenmandeln mit großflächigen, gelblichen Belegen sind charakteristisch für eine bakterielle Infektion mit Pneumokokken (Angina membranacea).

- Sehr ausgeprägter Mundgeruch bei stark zerklüfteten Gaumenmandeln tritt typischerweise bei Angina Plaut-Vincent auf, welche auch Angina ulcerosa genannt wird. Jene Erkrankung wird durch die Infektion mit dem Fusobacterium fusiforma und Borrelia vincentii ausgelöst.

- Weißliche Belege auf den Mandeln bei Jugendlichen sind hinweisend für Pfeiffer’sches Drüsenfieber (Mononukleose), welches beispielsweise durch Küssen (Kissing-Disease) übertragen werden kann. Die Erkrankung entsteht durch Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus [6].

Detailliertere Informationen zu den jeweiligen Krankheitsbildern finden Sie auf dem Gesundheitsportal: www.erkaeltet.info .

Quellen:

[1] Erkältung (Fortbildung), Das PTA Magazin, Sonderpublikation, 10/2013

[2] Stefan Böhm, Stefan Offermanns, Michael Freissmuth: Pharmakologie und Toxikologie. Springer-Verlag, 2012, S. 484 ff.

[3] Ulrich Schwabe, Dieter Paffrath: Arzneimittelverordnungsreport 2014. Springer-Verlag, 2014, S. 518 f.

[4] DEGAM-Leitlinie Husten, http://www.degam.de/files/Inhalte/Leitlinien-Inhalte/Dokumente/DEGAM-S3-Leitlinien/Langfassung_Leitlinie_Husten_20140323.pdf , 02.08.2015

[5] DEGAM-Leitlinie Rhinosinusitis, http://www.degam.de/files/Inhalte/Leitlinien-Inhalte/Dokumente/DEGAM-S3-Leitlinien/LL-10_Langfassung_Rhinosinusitis-005B.pdf , 02.08.2015

[6] DEGAM-Leitlinie Nr. 14, Halsschmerzen, 2009. http://www.degam.de/files/Inhalte/Leitlinien-Inhalte/Dokumente/DEGAM-S3-Leitlinien/LL-14_Langfassung_ZD.pdf , 02.08.2015

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