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Gemäß dem Chirurgen Professor Giuseppe Speziale können die Deutschen durch eine präventive Haltung Herzklappenerkrankungen vermeiden

Laut einer Analyse der Structural Heart Disease Coalition (SHD Coalition) wurden 2016 in Deutschland 52.120 Menschen über 75 Jahren wegen Herzklappenerkrankungen ins Krankenhaus eingeliefert - ein Anstieg um 184,8 % seit 1995. Basierend auf solchen Statistiken hat die SHD eine Prognose erstellt, dass im Jahr 2040 wahrscheinlich 3,3 Millionen Menschen über 65 an strukturellen Herzerkrankungen leiden werden.

Allgemeine Zeitung

Foto: by Jesse Orrico on unsplash.com

Aber nicht alle Hoffnung ist verloren. Tatsächlich sind die rechtzeitige Diagnose von SHDs und die Anwendung risikoangepasster Methoden wichtige Strategien, um sicherzustellen, dass Senioren gesund und selbstständig bleiben und somit in der Lage sind, nach einem Eingriff eine vollständige Genesung zu durchlaufen. Gemäß Professor Giuseppe Speziale, einem international renommierten Herzchirurgen, müssen jedoch zunächst die Medien aufhören, die Herzkrankheitsraten zu unterschätzen, damit diese durch Präventionskampagnen in der Bevölkerung stärker wahrgenommen werden können.

Obwohl schon sehr viele bedeutende Kampagnen zur Brustkrebsprävention durchgeführt wurden, bedeutet dies laut Prof. Speziale nicht, dass dies aufhören sollte. "Im Gegenteil, das Gleiche wäre bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen nötig", sagt er. „Die Gesundheitsämter müssen auch potenzielle Patienten daran erinnern, sich untersuchen zu lassen, wie es bei der Brustuntersuchung richtig gemacht wird. Darüber hinaus sind grundlegende präventive Herztests einfach und haben eine geringere wirtschaftliche Auswirkung." Im Jahr 2015 entzogen Herz-Kreislauf-Erkrankungen der deutschen Wirtschaft 46,4 Mrd. €.

Dennoch gibt es viele Innovationen auf dem Gebiet der Herzchirurgie - sowohl in Bezug auf die Technik als auch auf die Technologie. „Einige der wichtigsten Neuerungen sind die Instrumente, die zur Diagnose eingesetzt werden können: Wir haben heute die Möglichkeit, verschiedene Pathologien viel früher zu erkennen als in der Vergangenheit", erklärt Prof. Speziale, der mehr als sechstausend Eingriffe durchgeführt hat, darunter mehr als tausend isolierte minimal-invasive Mitraloperationen.

Die Tatsache, dass immer mehr Techniken der minimal-invasiven Chirurgie entwickelt werden, ist ein großer Erfolg sowohl für den Patienten als auch für den Chirurgen. „Es war etwas ganz anderes, eine Operation durch eine Sternotomie durchzuführen, also das Brustbein in zwei Teile zu schneiden, um Zugang zum Herzen zu bekommen, was praktisch bedeutete, zusätzlich zur Herzoperation eine orthopädische Operation durchzuführen, wobei die Knochen des Patienten intakt blieben", erklärt Prof. Speziale.

Diese Eingriffe waren nicht so sehr eine technische Herausforderung, sondern vielmehr für die Patienten auf psychologischer Ebene äußerst heikel. Aber bei minimal-invasiven Eingriffen sieht die Situation ganz anders aus, da wird der Moment viel positiver angegangen. „Kurz gesagt, wir leben in einer sehr dynamischen Zeit des großen Wandels, in der auch die Domäne der Medizin, dank der Technologie, Tag für Tag zum Wohle des Patienten zunimmt", sagt der Chirurg.

Als Beispiel nennt Prof. Speziale eine Technik namens TAVI, die bei der Behandlung der Aortenklappe eingesetzt wird und noch weniger invasiv ist. „Die Operation erfolgt bei schlagendem Herzen, ohne Schnitt, durch einen von der Oberschenkelarterie in den Körper eingeführten Katheter, der das Ersetzen der erkrankten Klappe ermöglicht", erklärt er. "Es ist eine Transkatheter-Herzoperation, die der Aortenklappenchirurgie buchstäblich eine radikale Wendung gegeben hat und es ermöglicht, sie auf ältere Patienten oder Patienten mit anderen schwächenden Pathologien auszudehnen, von denen man früher abgeraten hätte."

Aber über die Technik hinaus gibt es noch eine weitere Komponente, die berücksichtigt werden muss: Krankenhäuser müssen für die Menschen einladend wirken, so dass die Einrichtungen also sowohl wegen der Umgebung als auch wegen dem Personal Vertrauen erweckend sind. Als Vizepräsident von GVM Care & Research, einer italienischen Krankenhausgruppe, argumentiert Prof. Giuseppe Speziale, dass darüber hinaus "Fachkräfte ein hohes Level der 'Humanisierung' haben müssen, das auf Dialog, Respekt und Verständnis basiert, denn Patienten werden aufgrund eines Krankheitsverdachts ins Krankenhaus eingeliefert. Daher spielt eine Umgebung, die vom ersten Aufeinandertreffen an beruhigend wirkt, eine wichtige Rolle."

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