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Gesundheit

Kann medizinisches Marihuana wirklich die Schmerzen von Schmerzpatienten lindern?

Cannabis ist heute Rauschmittel und Arzneimittel in einem. Während der Anbau und Verkauf grundsätzlich strafbar sind, ist die Einnahme bei gesundheitlichen Beschwerden bei Vorlage eines Rezeptes erlaubt. Möglich gemacht haben dies zwei Gesetzesänderungen, die der Bundestag 2017 erlassen hat. Seither hat die natürliche Heilpflanze großen Anklang bei Schmerzpatienten gefunden. Warum Cannabis schmerzlindernd wirkt und vieles mehr erklären wir jetzt.

Allgemeine Zeitung

Foto: Photo by Christin Hume on Unsplash

Endlich frei von Schmerzen sein!

Die Schmerzbehandlung ist bis heute ein großes Problem. Die Deutsche Schmerzliga schätzt, dass in Deutschland zwischen 10 und 15 Millionen Menschen an schweren und wiederkehrenden Schmerzen leiden. Rund ein Drittel davon ist deshalb in ihrem täglichen Leben schwer beeinträchtigt. Da ist es kein Wunder, das die Pharmaindustrie jedes Jahr neue Rekordumsätze mit Schmerzmitteln erzielt. Mit einem jährlichen Wachstum von rund 4% liegt der Umsatz in diesem Jahr bei rund 600 Millionen Euro. Leider ist die Wirkung nicht bei allen Schmerzpatienten garantiert. In diese Kerbe schlägt der medizinische Cannabis.

Wenn chemische Schmerzmittel nicht mehr helfen

Schon seit den 1990ern ist das Interesse an medizinischem Cannabis stark angestiegen. Mediziner nahmen schon damals an, dass die in der Heilpflanze enthaltenen Cannabinoide für eine erfolgreiche Schmerzmittelbehandlung eingesetzt werden könnten. Schließlich handelt es sich bei den Cannabionoiden um chemische Botenstoffe, die direkt mit dem menschlichen Organismus interagieren. Teilweise kann sie der Körper sogar selbst produzieren. Die Cannabionoiden im medizinischen Marihuana docken daher an die vorhanden Cannabinoid-Rezeptoren im Körper an, wodurch sie ihre schmerzlindernde Wirkung entfalten können. Zu finden diese sogenannten Typ 1 und Typ 2 Rezeptoren im zentralen Nervensystem, den Augen, der Lunge, der Haut und den Knochen sowie im Verdauungs- und Fortpflanzungssystem.

Bei welchen Schmerzen hilft Cannabis?

Die vielen hundert Cannabinoide im Cannabis wirken unterschiedlich auf den Organismus. Während einige den Appetit anregen, lindern andere Übelkeit oder Schmerzen. Gerade bei chronischen Krankheiten ist das medizinische Marihuana sehr effektiv. Behandelt werden daher die Schmerzen durch unterdrückte Spastiken wie beim Tourette oder bei Parkinson. Doch auch bei Fibromyalgie-Patienten, die unter Muskel- und Gelenkschmerzen, Erschöpfung und Schlafstörungen leiden, hilft die Heilpflanze nachhaltig. Bei all den vielen positiven Wirkungen sollte Cannabis jedoch nicht zum Wundermittel stilisiert werden. Denn nicht alle Arten von Krankheiten lassen sich mit ihr behandeln.

Wie bekommt man Cannabis zur Schmerzbehandlung?

Schmerzpatienten, bei denen gewöhnliche Schmerzmittel nicht mehr wirken, können durch eine ärztliche Verordnung vom behandelnden Arzt eine Cannabis Medikation durchführen. So darf dieser auf Basis der individuellen Krankengeschichte ein Rezept ausstellen, das die Dosis und Häufigkeit der Einnahme festlegt. Mit eben einer solchen ärztlichen Erlaubnis lassen sich medizinische Cannabisblüten sowohl in einer Apotheke oder im Internet kaufen. Auch eine Kostenübernahme kann bei der gesetzlichen Krankenkasse beantragt werden. Damit diesem Antrag jedoch stattgegeben wird, muss das vom Arzt ausgestellte Rezept vorgelegt werden. Außerdem ist es notwendig, die Gründe für eine Therapie mit Cannabis verständlich und nachvollziehbar anzugeben. Bei der Kontaktaufnahme zur Krankenkasse kann jedoch auch der Arzt zur Unterstützung hinzugezogen werden.

Fazit: Schmerzfrei durch medizinisches Marihuana

Zahlreiche Studien und viele tausend Schmerzpatienten belegen eindrucksvoll die Wirksamkeit von Cannabis im Kampf gegen die Schmerzen. Die Wirkungsweise erfolgt auf Basis natürlicher Cannabinoide die an die menschlichen Rezeptoren andocken können. Mit einem Attest und einer Kostenübernahme durch die Krankenkasse steht einer erfolgreichen Schmerzbehandlung somit nichts mehr im Wege. Jedoch sollten auch die möglichen Nebenwirkungen mit dem Hausarzt besprochen werden. Denn in manchen Fällen führt die Einnahme zu Müdigkeit, Schwindel und einem trockenen Mund bis hin zu einem gesteigerten Appetit.

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