1. www.azonline.de
  2. >
  3. Welt
  4. >
  5. Karriere
  6. >
  7. Fragen und Antworten zum Arbeitslosengeld (ALG 1)

  8. >

Arbeitsmarkt

Fragen und Antworten zum Arbeitslosengeld (ALG 1)

Arbeitnehmer, die ihre Beschäftigung verlieren, sollen dank Arbeitslosengeld – dem so genannten ALG 1 – aufgefangen werden. Was es mit der sozialen Absicherung genau auf sich hat? Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Arbeitslosengeld.

Allgemeine Zeitung

Foto: Photo by Brusk Dede on Unsplash

Gründe, arbeitslos zu werden, gibt es viele. Geht man einem Job nach, der saisonalen Schwankungen unterliegt (etwa in der Bau- und Landwirtschaft oder in der Tourismusbranche), kann man schnell von Arbeitslosigkeit betroffen sein. Aber auch das Auslaufen eines befristeten Arbeitsvertrages oder die betriebsbedingte Kündigung sind keine Seltenheit. In solchen Fällen hat man meistens Anspruch auf Arbeitslosengeld 1.

Bei vielen herrscht allerdings Verunsicherung: Was muss man tun, wenn man arbeitslos geworden ist? Welche Voraussetzungen muss ich erfüllen, um ALG 1 zu bekommen? Mit welchem Betrag kann ich rechnen? Und wann bzw. wie muss ich mich arbeitslos melden, damit ich meine Leistungen erhalte? Wir gehen diesen und weiteren Fragen auf den Grund und geben hilfreiche Tipps.

Warum gibt es Arbeitslosengeld?

Im Gegensatz zum Arbeitslosengeld 2 (Hartz 4), handelt es sich beim Arbeitslosengeld 1 nicht um eine Sozialleistung. Da man als Arbeitnehmer in die Arbeitslosenversicherung einzahlt, ist ALG 1 eine Versicherungsleistung. Sobald man einer versicherungspflichtigen Beschäftigung nachgeht, zahlt man mit der Abrechnung seines Gehaltes automatisch in die Arbeitslosenversicherung ein. Aktuell liegt der Beitragssatz bei 3 % vom Bruttolohn.

Wer seinen Job verliert, verliert auch sein Einkommen. Das Arbeitslosengeld federt diesen Verlust etwas ab.

Wer hat Anspruch auf Arbeitslosengeld?

Das Arbeitslosengeld ist einem bestimmten Personenkreis vorbehalten: denjenigen, die bis zum Eintritt ihrer Arbeitslosigkeit versicherungspflichtig beschäftigt waren. Sobald die maximale Bezugsdauer des Arbeitslosengeld 1 ausgeschöpft ist und man weiterhin arbeitslos ist, greift das Arbeitslosengeld 2.

Um Arbeitslosengeld 1 beziehen zu können, muss man folgende Voraussetzungen erfüllen:

·         Sie müssen arbeitslos sein (< 15 Stunden Arbeit pro Woche)

·         Sie müssen die Anwartschaftszeit erfüllen, also in den letzten 30 Monaten mindestens 12 Monate versicherungspflichtig beschäftigt gewesen sein

Wie meldet man sich richtig arbeitslos?

Damit einem keine Nachteile entstehen sollte man sich bei der Agentur für Arbeit arbeitsuchend melden sobald man von einer drohenden Arbeitslosigkeit erfährt. Spätestens am ersten Tag der Arbeitslosigkeit muss man sich bei der Agentur für Arbeit persönlich arbeitslos melden. Die Versicherungsleistung muss extra beantragt werden. Mittlerweile geht dies auch bequem online.

Sollten beim Antrag Fragen offen sein, bietet es sich an, den Antrag persönlich abzugeben. Dabei kann man auch gleich erfahren, wie hoch der Anspruch auf Arbeitslosengeld ist und wann dieses ausgezahlt wird.

Bei der Antragsabgabe sollte man folgende Unterlagen mitbringen:

·         Personalausweis

·         Arbeitsbescheinigungen

·         Lohnsteuerkarte

·         Arbeitsvertrag bzw. Kündigungsschreiben

·         Ggf. Erklärungen zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses

·         Ggf. Nachweise über einen früheren Bezug von Leistungen der Agentur für Arbeit

Wie hoch ist der Betrag?

Das Arbeitslosengeld wird monatlich gezahlt und soll als Ersatz für das ausgefallene Gehalt dienen. Welche Höhe die Leistung beträgt, ist gesetzlich geregelt. In der Regel erhält man 60 % des pauschalisierten Nettoentgelts, welches man vor Eintritt der Arbeitslosigkeit erhalten hat. Hat man Kinder, für die man noch Kindergeld bezieht, steigt die Leistung auf 67 % an.

Mit welchem Betrag man letztendlich rechnen kann, hängt von drei wesentlichen Faktoren ab:

1.     der Höhe des Bruttogehalts

2.     der Steuerklasse

3.     der Bemessungsgrenze

Um die Höhe des Arbeitslosengeldes selbst berechnen zu können, hat die Agentur für Arbeit einen Rechner zur Verfügung gestellt.

Darf ich bei Bezug von Arbeitslosengeld etwas dazuverdienen?

Während man Arbeitslosengeld bezieht, ist es möglich, sich etwas hinzu zu verdienen. Damit man seinen Anspruch nicht verliert, dürfen es jedoch maximal 15 Stunden pro Woche sein, die man arbeitet. Generell gilt ein Freibetrag von 165 Euro pro Monat. Alles, was darüber hinausgeht, wird auf das Arbeitslosengeld angerechnet.

Wann wird das Arbeitslosengeld 1 ausgesetzt?

In bestimmten Fällen kann das Arbeitslosengeld 1 ausgesetzt werden. Eine so genannte Sperrzeit kann verhängt werden wenn

·         das letzte Arbeitsverhältnis ohne wichtigen Grund auf eigenen Wunsch beendet wurde

·         ein Aufhebungsvertrag mit Abfindung unterzeichnet wurde

·         einem verhaltensbedingt gekündigt wurde

·         man sich nicht fristgerecht arbeitsuchend gemeldet hat

·         man eine angebotene Arbeit durch die Agentur für Arbeit ohne wichtigen Grund ablehnt

·         man die Teilnahme an einer beruflichen Eingliederungsmaßnahme verweigert

·         keine ausreichenden Bemühungen für eine neue Arbeitsstelle stattfinden

Wie lange wird Arbeitslosengeld gezahlt?

Wie lange man Arbeitslosengeld erhält, hängt davon ab, wie lange man vor Eintritt der Arbeitslosigkeit als Arbeitnehmer beschäftigt war und in welchem Alter man arbeitslos wird. Wichtig ist, die Anwartschaftszeit zu erfüllen. Dies ist dann der Fall, wenn man innerhalb der so genannten Rahmenfrist zwölf Monate lang versicherungspflichtig beschäftigt war. Momentan beläuft sich die Rahmenfrist auf 30 Monate.

Hat man innerhalb der letzten 30 Monate also mindestens 12 Monate gearbeitet und Beiträge zur Arbeitslosenversicherung geleistet, kann man sechs Monate Arbeitslosengeld erhalten. Dabei spielt es keine Rolle, ob man die 12 Monate zusammenhängend gearbeitet hat. Angerechnet werden hierbei auch Ersatzzeiten (Mutterschaft, Elternzeit, Wehrdienst, Krankengeldbezug, Bundesfreiwilligendienste). Wer in den letzten 5 Jahren länger als 12 Monate versicherungspflichtig gearbeitet hat, kann seinen Anspruch auf Arbeitslosengeld auf bis zu 12 Monate verlängern. Diejenigen, die unter 50 Jahre alt sind, erhalten höchstens 12 Monate lang Arbeitslosengeld. Arbeitslose, die 50 Jahre und älter sind, können bis zu 24 Monate Arbeitslosengeld erhalten.

Anspruchsdauer für Arbeitslose unter 50 Jahren:

Foto:

Anspruchsdauer für Arbeitslose über 50 Jahren:

Foto:

Was passiert nach der Leistung?

Trotz Zahlung von Arbeitslosengeld muss man mit finanziellen Einbußen rechnen. Vergünstigungen wie das 9-Euro-Ticket sind bei Betroffenen daher gerne gesehen. Aber wie sieht es eigentlich mit den Finanzen aus, wenn die Anspruchsdauer für das Arbeitslosengeld abgelaufen ist? Sollte man nach Ablauf des ALG 1 noch keinen neuen Job in Aussicht haben, kann man Arbeitslosengeld 2 (Hartz 4) beantragen.

Parallel dazu sollte man Bemühungen anstellen, wieder in Arbeit zu gelangen. Erster Ansprechpartner für die Vermittlung von Arbeitsplätzen sind die Agenturen für Arbeit. Dort kann man nicht nur eine Berufsberatung in Anspruch nehmen sondern sich auch über Förder- und Weiterbildungsmöglichkeiten informieren.

Startseite
ANZEIGE