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Vermeintliches Bio-Plastik genauso schlecht für die Umwelt

Berlin (dpa)

Plastik vermüllt die Umwelt und verrottet nur sehr langsam. Mittlerweile gibt es zahlreiche Verpackungen aus vermeintlichem Bio-Plastik, das umweltfreundlicher sein soll. Doch Experten üben Kritik.

Von dpa

Bio-Plastik wird genauso schlecht abgebaut wie herkömmliches Plastik. Darauf weist der BUND hin. Foto: Christin Klose/dpa-tmn

Als umweltfreundlich gekennzeichnetePlastik-Verpackungen sind laut Bund für Umwelt und NaturschutzDeutschland (BUND) nicht immer nachhaltiger als herkömmlichesPlastik.

Sogenanntes Bio-Plastik werde zwar aus nachwachsendenRohstoffen wie Mais oder Zuckerrohr hergestellt, sei chemisch jedochoft identisch mit dem herkömmlichen Plastik auf dem Markt und werdedamit genauso schlecht abgebaut, sagte Janine Korduan, BUND-Expertinfür Kreislaufwirtschaft auf Anfrage.

Außerdem würden die Rohstoffe oftmals nicht ökologisch angebaut,sondern als Monokulturen etwa in Südamerika. Dabei würden auch großeMengen an Dünger, Pestiziden und Wasser verbraucht. «Für die Umweltbringt «Bio»-Plastik gar nichts: Die Herstellung verbraucht vieleRessourcen und bei der Zersetzung entstehen keinePflanzennährstoffe», zitierte der BUND Korduan in einer Mitteilung zueinem neu veröffentlichten Hintergrundpapier zum Thema.

Auch «Bio»-Plastik-Produkte können Schadstoffe enthalten

Trotzdem sind die sogenannten Bio-Plastik-Produkte - etwaEinweglöffel in Eisdielen, Becher am Wasserspender oder Müllbeutel -mit nach Korduans Angaben «TÜV-geprüften Siegeln» versehen. Diesehätten jedoch mit Bio-Siegeln aus dem Lebensmittelbereich weniggemein. Lebensmittel müssten viel höheren Anforderungen gerechtwerden, um ein Siegel zu erhalten. Beim sogenannten Bio-Plastikwürden auch in den Verpackungen enthaltene Chemikalien toleriert.«Viele «Bio»-Plastik-Produkte enthalten Schadstoffe und sind austoxikologischer Sicht nicht besser als herkömmliche.»

Der BUND schreibt in dem Hintergrundpapier auch, dass der Anteil anBiopolymeren, also echtem Bio-Plastik in Verpackungen, so gering sei,dass die Sortieranlagen auf Mülldeponien diese nicht erfassten, weiles sich wirtschaftlich nicht lohne. Sie würden aus den Anlagengeschleust und verbrannt. Die BUND-Expertin fasste zusammen: Es gebezwar Ausnahmen, aber der größte Teil der als Bio-Plastikgekennzeichneten Verpackungen betreibe Greenwashing und täuscheVerbraucherinnen und Verbrauchern Nachhaltigkeit nur vor. Ökologischsinnvoller aus Sicht des BUND: die Nutzung von Mehrweg-Produkten.

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