Kinderpornografie-Prozess

Christoph Metzelder nach Teilgeständnis zu Bewährungsstrafe verurteilt

Düsseldorf

Am Ende gesteht Christoph Metzelder - teilweise. Dann gibt es ein schnelles Urteil: zehn Monate auf Bewährung. Im Prozess um Kinderpornografie hatte das Gericht dem Ex-Fußballer ein Angebot gemacht.

Olaf Kupfer

Christoph Metzelder, ehemaliger Fußball-Nationalspieler, kommt am Gericht an. Die Ermittler werfen dem 40-Jährigen vor, es unternommen zu haben, einer Person Besitz an kinderpornografischen Schriften verschafft zu haben. Außerdem lautet die Anklage auf Besitz von kinder- und jugendpornografischen Schriften. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa

Am Donnerstagmittag gesteht Christoph Metzelder - teilweise. Der ehemalige Fußball-Nationalspieler liest das Teilgeständnis, stockt, schluchzt. Richterin Astrid Stammer­johann hatte zuvor in einem Rechtsgespräch Metzelder für ein Geständnis zehn bis zwölf Monate auf Bewährung avisiert, kurz danach gesteht der tatsächlich.

Er habe nur das an kinder­pornografischem Material besessen, was er verschickt habe, habe frei zugängliche Bilder per Screenshot ge­sichert und „für Extremfantasien ausgetauscht“. Die „Faszination des Unaussprech­lichen lag in einer gemein­samen Grenzüberschreitung.“ Es habe keine Übergriffe gegeben, das sei auch niemals geplant gewesen.

„Ich bitte die Opfer um Vergebung“

Metzelder spricht von einer „ausschließlich digitalen Parallelwelt“. Dann sagt er: „Dennoch bleibt die Versendung.“ Es gehe um seine moralische Schuld. Und mit brüchiger Stimme: „Ich akzeptiere die Strafe und bitte die Opfer um Vergebung. Ich weiß, dass ich eine Wunde hinterlasse, die möglicherweise niemals verheilen wird. Damit werde ich den Rest meines Lebens als Teil der Gesellschaft leben müssen.“

Später wertet die Richterin das Geständnis als „echte Reue“. Als gegen 15.50 Uhr nach nichtöffentlicher Verlesung der Chat-Protokolle und Begutachtung das Urteil fällt, nimmt Metzelder wort- und gestenlos eine zehn­monatige Bewährungsstrafe ohne weitere Auflagen hin. Am Ende hat die Metzelder-Seite einen guten Teil der unangenehmen Details aus der Öffentlichkeit heraus­halten können, für Beweis­aufnahme und Plädoyers wird die Öffentlichkeit aus dem Saal gebeten.

Die Vorwürfe 

Der einzige Verhandlungstag hatte am Morgen mit viel Aufsehen begonnen: Metzelder steigt aus einem schwarzen Van. Graues Slim-Sakko, helles Shirt, schwarze Hose, schwarze FFP2-Maske. Er geht aufrecht durch ein Heer von Fotografen, im Schlepptau drei Anwälte. Im Gerichtssaal des Düsseldorfer Amtsgerichts wird verlesen, was Metzelder vorgeworfen wird: 29 Mal soll der inzwischen 40-Jährige im August und September 2019 an drei Frauen von seinem Iphone in Whatsapp-Chats Kinderpornomaterial zum Zwecke sexueller Erregung versendet haben. Die Bilder werden von Staatsanwältin Kathrin Radtke beschrieben, all das ist schwer erträglich. An eine Frau im Raum Münster sei auch ein Videoclip gegangen.

Dann sagt Metzelder sein Leben auf. Er wirkt zunächst ruhig, mechanisch, konzentriert. Er sei als eines von vier Kindern in seiner Familie mit Eltern im Schuldienst aufgewachsen, die älteren beiden Brüder beide Ärzte, die jüngeren „Leistungssportler“. Er erwähnt sein soziales Engagement mit zwei Stiftungen und einer Jugendtrainer-Tätigkeit in der U19 beim TuS Haltern und berichtet von den Auszeichnungen „Landesverdienstorden NRW und Bundesverdienstkreuz“.

Kehrseite der Berühmtheit

Die Wende im Ton: Er ­werde diese Auszeichnungen „alle zurückgeben“. Mit der Durchsuchung am 3. September in der Sportschule Hennef „durch das LKA Hamburg und die Bild-Zeitung“, wie Metzelder viel­sagend ausführt, habe sein Leben eine Zäsur erfahren. Er lebe seit diesem Zeitpunkt zurückgezogen in Düsseldorf-Derendorf. Keine Aufträge, keine Jobs, kein laufendes Einkommen. Auf dem in Hennef sichergestellten iPhone seien laut Staats­anwaltschaft 234 kinder­pornografische Dateien und zwei kinderpornografische Video-Dateien gefunden worden. Metzelder lässt sich zu diesem Besitz nicht ein, sein Geständnis ist ein Teilgeständnis. Er will verschickt, aber nicht im großen Stil besessen haben.

Metzelder-Anwalt Heiko Klatt verweist auf die zahlreichen schweren Persönlichkeitsrechtsverletzungen und Vorverurteilungen. Die Staatsanwältin fordert 14 Monate Haft auf Bewährung. Verurteilt wird Metzelder am Ende zu zehn Monaten auf Bewährung. Er sei schon durch das Verfahren gestraft, sagt die Richterin. „Das besondere öffentliche Interesse ist die Kehrseite seiner Berühmtheit. Er dürfte für absehbare Zeit weder seiner beruflichen Tätigkeit nachgehen können noch am öffentlichen Leben teilnehmen.“ Er habe frühzeitig eine Therapie absolviert – es sei zu erwarten, dass er künftig keine Straftaten mehr begehen wird.

Kommentar: Öffentlich geächtet

Die schwerste Strafe hatte Christoph Metzelder bereits vor dem Urteilsspruch erhalten. Nichts ist ihm geblieben von dem Leben, das sich der Ex-Nationalspieler als Handlungsreisender in Sachen Fußball aufgebaut hatte. Alles weg. Jobs, Ehrenämter, Perspektiven. Seine Orden, die ihn eigentlich als Ehrenmann auszeichnen, wird er zurückgeben. Nur etwas Geld dürfte ihm geblieben sein.

Mitleid – hat niemand mit ihm. Verständnis für das Urteil – empfindet kaum jemand. Empörung – ist allerorten zu vernehmen. Die zehnmonatige Bewährungsstrafe fühlt sich für viele wie ein Witz an.

In Fällen von Kinderpornografie oder Kindesmissbrauch urteilen zu müssen, gehört wohl zu den schwersten Aufgaben eines Richters, in diesem Fall einer Richterin. Nichts berührt Menschen mehr als die Vergehen an Kindern. Das Strafmaß kann, folgt man Volkes Meinung, nicht hoch genug sein. Der Schmerz, das Leid der Opfer wird kaum beachtet, kommt immer zu kurz.

Die schwerste Strafe hat Christoph Metzelder durch die Gesellschaft erhalten: Er – als eine auf Popularität und Beliebtheit ausgerichtete Person – ist öffentlich geächtet. Alexander Heflik

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