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Unfälle

Schock beim Fotoshooting - Leopard verletzt Model schwer

Nebra (dpa)

Im beschaulichen Nebra in Sachsen-Anhalt greift ein Leopard bei einem Fotoshooting ein Model an und verletzt die Frau schwer. Der Vorfall wirft viele Fragen auf.

Von Wilhelm Pischke, dpa

Ein Leopard liegt in seinem Gehege in einer sogenannten «Seniorenresidenz für Wildtiere» im Burgenlandkreis. Foto: Tobias Junghannß/dpa-Zentralbild/dpa

Als wäre nichts geschehen, räkeln sich die beiden Leoparden Troja und Paris in ihren Behausungen. Unweit davon blickt das gescheckte Pony Jordan interessiert zum Tor. Ansonsten ist es am Mittwoch ruhig auf dem kleinen Hof - nur einen Steinwurf weit entfernt vom Fundort der berühmten Himmelsscheibe von Nebra.

Von dem Drama, das sich am Vortag in der Kleinstadt im sachsen-anhaltischen Burgenlandkreis abgespielt haben muss, ist - abgesehen von der Medienpräsenz - nichts zu spüren.

Am Dienstag hatte einer der beiden Leoparden eine 36-jährige Frau bei einem Fotoshooting schwer verletzt. Nach Informationen der Polizei soll das Wildtier in einem Gehege das Model aus Thüringen im Kopfbereich gebissen haben. Die Frau wurde mit einem Hubschrauber in eine Spezialklinik gebracht. Zu ihrem Zustand machten die Beamten keine weiteren Angaben. Wie es zu dem Angriff kam, ließen sie zunächst auch offen. Wer das Fotoshooting veranstaltet hat und ob noch weitere Menschen dabei waren, blieb zunächst ebenfalls unklar.

Halterin will zunächst schweigen

Die 48-jährige Halterin der Tiere wollte sich nicht zu dem Geschehen äußern. Sie habe sich in Abstimmung mit der Kreisverwaltung des Burgenlandkreises und der Polizei dazu entschlossen, zu dem Vorfall zunächst zu schweigen, schrieb sie über einen Kurznachrichtendienst. Gegen sie als Verantwortliche für das Tier werde wegen Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung ermittelt, sagte ein Polizeisprecher in Halle.

Die 48-Jährige hatte die Leoparden laut Internetwerbung wie auch andere Tiere für Fotoshootings angeboten. Die von ihr betriebene sogenannte Seniorenresidenz für Showtiere im Süden Sachsen-Anhalts existiert erst seit wenigen Jahren. Dort werden Tiere nach ihrem «Arbeitsleben» im Showgeschäft untergebracht.

Im Juni 2019 zogen die beiden Leoparden ein, heißt es im Internetauftritt des Gnadenhofes. Bei dem Areal handelt es sich um eine private Anlage inmitten eines Ortsteiles von Nebra. Die Besitzerin ist nach eigener Aussage seit mehr als 20 Jahren Tiertrainerin, sie arbeitete in mehreren Zirkussen und Freizeitparks.

Kritik aus der Nachbarschaft

Ein Großteil der Nachbarschaft scheint über die vierbeinigen Nachbarn nicht glücklich zu sein. Einige äußerten Sicherheitsbedenken. Außerdem brächten die Leoparden sie mitunter um den Schlaf. Andere stellten in Frage, dass die Unterbringung auf dem vergleichsweise kleinen Hof einer artgerechten Haltung der Tiere entspreche.

Die artgerechte Unterbringung war laut Kreis erst kürzlich überprüft worden. «Das Veterinäramt überprüfte die Haltung amtstierärztlich am 3. August 2021 letztmalig», teilte ein Sprecher des Kreises am Mittwoch mit. Bei dieser Kontrolle verhielten sich die Tiere artgerecht und unauffällig. Auch eine Sicherheitskontrolle des Geheges - zuletzt am 18. August 2021 - verlief ohne Beanstandung.

Die Halterin soll vor dem Eintreffen der Leoparden 2019 nach Angaben von Nachbarn per Rundschreiben die Anwohner gebeten haben, sie bei der Aufnahme der Tiere zu unterstützen und ihr «keine Steine in den Weg» zu legen. Die Tiere dürfe man keiner ungewissen Zukunft aussetzen, da bisher alle «Anfragen bei möglichen Auffangstation» abgelehnt worden seien. «Die Sicherheit für Menschen und Tiere sind absolut und zu 100 Prozent gegeben», heißt es in dem Schreiben.

In Sachsen-Anhalt hatten sich zuletzt Vorfälle mit Wildtieren gehäuft. Erst kürzlich war aus einer Wohnung in Haldensleben eine Würgeschlange entwichen.

Aus Sicht des Landestierschutzbeauftragten von Sachsen-Anhalt, Marco König, wissen die Behörden sehr oft gar nicht, wer privat Tiere wie Leoparden hält. Daher müsse die private Haltung von gefährlichen Tieren eindeutig gesetzlich geregelt werden. Man sei bestrebt, innerhalb der bisherigen Landesregierung eine Regelung zu finden, sagte König. Derweil fordert die Tierrechtsorganisation Peta die Schließung der Anlage in Nebra.

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