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Kommentar

Wiederaufbau in den Hochwassergebieten: Nicht ohne übergeordnete Anpassungs-Strategie

Extreme Wetterereignisse, darin sind sich Klimaexperten einig, wird es auch in Deutschland immer häufiger geben. Dass die Regenfälle in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz eine solche Katastrophe auslösten, lag auch an der mangelnden Anpassung an solche Ereignisse. Wichtig ist nun, beim Wiederaufbau die richtigen Konsequenzen zu ziehen.

Von Ulrich Schaper

Rheinland-Pfalz, Ahrweiler: Eine Frau schiebt ihr Fahrrad durch den Schlamm. Kaputte Gegenstände und Mobiliar liegen überall auf der Straße. Der Wiederaufbau wird vermutlich Jahre dauern. Foto: Thomas Frey/dpa Foto: Thomas Frey

Die Bilder von der ver­heerenden Hochwasserkatastrophe in Teilen von NRW und Rheinland-Pfalz sind uns allen noch präsent. Wasser­massen, die nichts hinterlassen haben als Schutt, Schlamm, Tod und Zer­störung — und immer wieder die bange Frage: War das der Klimawandel? Experten haben fast täglich dazu Stellung genommen. Nein, man könne ein solches Unwetter nicht ad hoc als Folge des Klimawandels einordnen. Aber auch dies: Ja, es ist wahrscheinlich, dass extreme Starkregenereignisse wie dieses in einer sich aufheizenden Welt immer häufiger auftreten werden.

Jahrhunderthochwasser, Jahrhundertflut, Jahrhundertdürre — diese Worte werden noch immer gerne genutzt, obwohl wir alle längst gemerkt haben, dass solche Ereignisse eben nicht nur alle hundert ­Jahre auftreten.

Solche Ereignisse treten eben nicht nur alle hundert Jahre auf

Klimadiplomaten und -wissenschaftler predigen seit Jahrzehnten, man müsse beim Klimaschutz zweigleisig fahren. Die Fachbegriffe dafür heißen Mitigation und Adaption. Das eine meint die Vermeidung klimaschädlicher Emissionen, das andere die Anpassung an eine Welt, die sich durch die Erwärmung verändern wird in einer Art, wie wir sie nicht kannten. Warum wir beides brauchen? Weil, egal, wie schnell es der Weltgemeinschaft gelingen mag, die Emissionen zu verringern, gar auf null zu fahren, bereits erdsystemische Prozesse in Gang geraten sind, die so schnell nicht aufzuhalten sind. Wenn sie es denn überhaupt sind.

Einzelne Maßnahme werden nicht helfen

Sir Nicolas Stern, einst Chefökonom der Weltbank, hat bereits 2006 vorgerechnet, dass die Kosten, die der Klimawandel verursachen wird, kaum zu bändigen sind. Er empfahl, schleunigst gegenzusteuern und zu investieren — in jene Grundpfeiler: Vermeidung und Anpassung.

Der Wiederaufbau in NRW und Rheinland-Pfalz wird Jahre dauern – und er wird Milliarden kosten. Die Frage ist nun: Wie soll er aussehen? Macht es Sinn, eben dort alles wieder genau so aufzubauen, wie es mal war? Dort, wo eben noch meterhoch das Wasser stand? Dass unsere Infrastruktur für solche Extremwetter nicht aus­gelegt ist, liegt auf der Hand. Einzelne Maßnahmen werden auch in Zukunft nicht helfen – es braucht dringend eine bundeseinheit­liche Anpassungsstrategie und eine konsequente Umsetzung derselben. Dass auch Deutschland nicht unbeschadet aus der Klimakrise herauskommt, das muss nun auch der Letzte verstanden haben.

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