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Rettungsanker Kurzarbeit

Neue Studie belegt rechnerisch den Erhalt von 2,2 Millionen Jobs

Düsseldorf

Lob für die Kurzarbeit als Rettungsanker in der Krise: Einer Studie zufolge wurden in der Pandemie dadurch 2,2 Millionen Jobs erhalten. Es gibt viele Gründe, warum dies so gut funktioniert hat.

Claudia Kramer-Santel

Auch bei der Daimler AG gibt es Kurzarbeit. Foto: dpa

Lob für die Kurzarbeit als Rettungsanker in der Krise: Einer Studie zufolge wurden in der Pandemie dadurch 2,2 Millionen Jobs erhalten. Demnach sicherte das Instrument rechnerisch sechs Mal so viele Stellen wie in der Finanzkrise 2008/2009. Das ergab die Studie des ­Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung mit den Universitäten Münster und Kiel.

Im zweiten Quartal 2020 sank die durchschnittliche Zahl der geleisteten Arbeitsstunden pro Beschäftigtem um 17,6 Stunden gegenüber dem vierten Quartal 2019. Im entsprechenden Drei-Monats-Zeitraum 2009 betrug die Reduktion im Schnitt nur 3,1 Stunden.

„Die Kurzarbeit war der große Schlüssel des Beschäftigungssicherungserfolgs“, erklärt Professor Alexander Herzog-Stein unserer Redaktion. „Die Bundesregierung hat diesmal viel schneller als 2009 die Zugangsvoraussetzungen erleichtert und großzügiger reagiert als in der Finanzkrise 2008/2009“, so der Mitautor der Studie. Anders als 2008 sei auch der Dienstleistungsbereich rasch in Kurzarbeit gegangen. „Kurzarbeit hat mittlerweile eine viel größere Akzeptanz.“ „Das deutsche Modell der Kurzarbeit ist eine Supersache“, bestätigt auch Andreas Peichl vom Ifo-Institut, das ebenfalls bald eine Studie zum Thema vorlegen wird.

„Kurzarbeits“-Weltmeister Deutschland

Die Kurzarbeit habe zwar den Staat viel gekostet: „Doch diese Kosten sind gut investiert“, so Herzog. Während Staaten wie die USA gerade mit riesigen Stimuluspaketen versuchen, den Arbeitsmarkt in den Griff zu bekommen, sei Deutschland besser gerüstet, einen Aufschwung personell zu stemmen. Die Firmen können mit ihrem angestammten Personal weitermachen.

„Nötig sei zwar eine große Kraftanstrengung, doch wir sind diesmal auf einem guten Weg.“ Viele Staaten stünden besser da als 2008/2009, weil sie vom „Kurzarbeits“-Weltmeister Deutschland gelernt und ähnliche Instrumente aufgelegt hätten.Wermutstropfen: Bei Niedriglohn-Beschäftigten gebe es weiter Lücken bei der Absicherung.

Kommentar

Sieht man von China ab, gibt es wohl kein zweites Land auf dem Globus, das nach dem Auslaufen der Corona-Pandemie mit so viel Potenzial den wirtschaftlichen Aufschwung angehen kann. Neben dem Aussetzen der Insolvenzpflicht hat den Unternehmen vor allem die massiv eingesetzte Kurzarbeit die Chance gegeben, die Krise mit möglichst wenig Blessuren zu überwinden.

Sieht man von China ab, gibt es wohl kein zweites Land auf dem Globus, das nach dem Auslaufen der Corona-Pandemie mit so viel Potenzial den wirtschaftlichen Aufschwung angehen kann. Neben dem Aussetzen der Insolvenzpflicht hat den Unternehmen vor allem die massiv eingesetzte Kurzarbeit die Chance gegeben, die Krise mit möglichst wenig Blessuren zu überwinden.

Ganz wichtig dabei: Die nun anstehende Aufholjagd kann dank der Kurzarbeit weitgehend mit den bewährten Mitarbeitern gestartet werden. Denn – wie die Arbeitslosenstatistik zeigt – gab es nur wenige Entlassungen. Und das, obwohl die Umsatzeinbrüche in manchen Branchen, allen voran im Handel, in der Gastro­nomie und im Kultursektor, enorm ausfielen.

Keine Frage: Zunächst einmal haben die Millionen von Kurzarbeitern die Bundesanstalt für Arbeit, und damit den Staat, riesige Summen gekostet. Doch eine massive Erwerbslosenwelle hätte schwere soziale Verwerfungen ausgelöst. Außerdem sind die Kosten langfristig niedriger, wenn die deutsche Wirtschaft der internationalen Konkurrenz dank schnell einsatzbereiter Arbeitskräfte besser Paroli bieten kann.

von Jürgen Stilling

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