1. www.azonline.de
  2. >
  3. Welt
  4. >
  5. Wirtschaft
  6. >
  7. Schluss mit dem Einmalkauf? - Wie Unternehmen Abo-Modelle digital umsetzen

  8. >

Wirtschaft

Schluss mit dem Einmalkauf? - Wie Unternehmen Abo-Modelle digital umsetzen

Günstige, flexible und bequeme Angebote. Das versprechen sich laut dem Consumer Barometer des Instituts für Handelsforschung (IFH) die Verbraucher von den immer beliebteren Abo-Modellen. Musik- und Videostreaming-Anbieter wie Spotify, Netflix und Co. sind längst nicht mehr die Einzigen, die von dem neuen Trend profitieren. Lebensmittel, Kosmetik, Haushaltsgeräte - fast alles steht mittlerweile auch als Abo-Variante zur Verfügung. Um die Verwaltung und Abrechnung für die aufstrebenden Geschäftsmodelle zu meistern, setzen viele Unternehmen auf neue Software.

Allgemeine Zeitung

Foto: © Pexels, Oleja Titoff

Mieten statt kaufen: Die Sharing-Economy im Aufschwung

„Sharing is Caring“ - dieses englische Sprichwort scheinen sich immer mehr Deutsche zu Herzen zu nehmen. Denn die Sharing-Economy boomt. Anstatt etwas selbst teuer zu kaufen, gehen immer mehr Verbraucher dazu über, Produkte je nach Bedarf und für begrenzte Zeit zu mieten. Mitgliedschaften oder Nutzerkonten ermöglichen den Genuss aller Vorteile eines Produkts, auch ohne selbst Eigentümer zu sein. Prominentes Beispiel: Car Sharing. Heute das Cabrio für den Wochenendausflug, morgen der Kleintransporter für den Umzug. Es gibt kaum eine deutsche Großstadt, in denen die Autos zum Teilen auf Knopfdruck, zu öffnen per App oder Plastikkarte nicht mehr zu sehen sind. Warum auch nicht? „Für Konsumenten bieten Abos im Vergleich zum Kauf eine größere Vielfalt und Flexibilität“, fasst Ricco Deutscher das Erfolgskonzept hinter vielen der neuen Geschäftsmodelle zusammen. Er kennt viele Unternehmen aus der Abo-Wirtschaft, die längst nicht mehr nur Musik, Filme oder Zeitungen, sondern auch Technik, Baumaschinen und Lebensmittel als Dauerservice zur Nutzung anbietet. Als Geschäftsführer des Softwareunternehmens Billwerk bietet er Firmen, die aus allen Bereichen kommen und Abo-Modelle umsetzen wollen, eine Software-Plattform. Die Idee dahinter: Alle Prozesse von der Bestellung bis zur Abrechnung digital und aus einer Hand zu verwalten. Am besten vollautomatisch.

Verbraucher wollen Flexibilität: Erfolg versprechen Zusatzleistungen

Denn offenbar gibt es trotz der aktuellen Erfolgswelle, auf der viele erfolgreiche Start-Ups reiten, durchaus noch Verbesserungsbedarf für viele Abo-Anbieter. Laut der IFH-Studie wünschen sich viele Verbraucher mehr Flexibilität bei ihren Abos. 90% möchten am liebsten jederzeit kündigen können, 84% sprechen sich gegen Mindestlaufzeiten aus und 79% wollen zumindest die Möglichkeit haben, laufende Abos zu pausieren. Diesem Wunsch zu entsprechen und die Abos so anpassbar wie möglich zu gestalten, ist eine der aktuellen Herausforderung für die Abo-Wirtschaft. „Damit sich das Prinzip für den Anbieter rechnet, müssen die Preismodelle einen gewissen Grad an Komplexität aufweisen“, sagt Deutscher, der bereits Verlage, Maschinenbauer und Streaming-Anbieter mit Softwarelösungen für ihre Abo-Modelle unterstützt. Plattform-Provider für Subscription Management & Recurring Billing nennt man dies im Fachjargon. Billwerk aus Frankfurt am Main hat sich dabei in den vergangenen Jahren zu einem der führenden Anbieter in Europa entwickelt. Ricco Deutscher regt an, Kunden zusätzliche Leistungen gegen Aufpreis anzubieten, die sie individuell zum Grundtarif dazu buchen können. Etwa wie es der Streaming-Anbieter Netflix bereits tut, bei dem Kunden je nach Paket, die Filme in Normalauflösung, HD- oder UltraHD sehen können.

Automatisierung: Umsatzmotor der Abo-Wirtschaft?

Lebensmittel, Kosmetik, ja sogar für Tierbedarf finden sich mittlerweile Abo-Anbieter auf dem Markt. Ein wesentlicher Grund, warum die Abo-Wirtschaft derart wächst, dürfte auch darin liegen, dass das Management der regelmäßigen Bestellungen durch digitale Softwarelösungen leichter geworden ist. Die stetigen, planbaren Einnahmen bieten Unternehmen außerdem finanzielle Sicherheit für künftige Investitionen. Die sich wiederholenden Bestellprozesse könnten zudem leichter automatisiert werden. Softwareanbieter wie Billwerk versprechen schon jetzt, die vollautomatisierte Abwicklung von der Bestellung bis zur Zahlungsabwicklung - bis heute bei vielen Unternehmen ein komplexer, zeit- und personalintensiver Prozess. Unternehmensberater wie etwa die Boston Consulting Group vermuten daher, dass Plattformen, die diese Abläufe digitalisieren die Entwicklung der Abo-Wirtschaft vorzeichnen. Wie aktuell und zukunftsweisend die Subscription Economy wirklich ist, zeigte sich erst kürzlich auf dem Subscription Leaders Summit in Frankfurt am Main. Hier trafen sich neben Billwerk und weiteren führenden Playern der Branche Größen der Ökonomie und anderer Wirtschaftszweige, um die facettenreichen Entwicklungspotentiale der Abo-Wirtschaft zu beleuchten.

Billwerk CEO Dr. Ricco Deutscher auf dem Subscription Leaders Summit 2022 Foto: Jürgen Nobel

Der Überschätzungseffekt und warum er der Kundenbeziehung keinen Abbruch tut

Marketing-Experten indes schätzen die Abo-Modelle vor allem, weil sich über sie eine solide Kundenbeziehung aufbauen lässt. Wer über einen längeren Zeitraum eine Leistung regelmäßig bezieht, so die Idee, gewöhnt sich an ein Unternehmen und dessen Produkte. Das gilt selbst dann, wenn sich das Abo für den Kunden gemessen an seinem Konsum eigentlich gar nicht rechnet. „Viele Kunden können ihren Verbrauch nicht realistisch einschätzen, sie überschätzen ihn“, gibt der Wirtschaftswissenschaftler Martin Fassnacht, Dozent an der Otto Beisheim School of Management in Düsseldorf, zu Bedenken. So gibt es für dieses Phänomen sogar schon ein eigene Bezeichnung in der Branche: Overestimation Effect, zu deutsch der Überschätzungseffekt.

Kontinuität statt Komplexität: Wo viele Verbraucher den Mehrwert von Abos sehen

Dennoch scheint bei Vielen eine positive Einstellung zu den Abos zu überwiegen. Das dürfte auch an der Zuverlässigkeit liegen, mit der Produkte und Dienstleistungen ohne Mehraufwand für den Verbraucher regelmäßig und auf Abruf geliefert werden. Das IFH kommt zu dem Ergebnis, dass jeder dritte Verbraucher in Sachen Abonnement, die Lieferung frei Haus besonders wertschätzt. Statt sich stets erneut auf die Produktsuche zu begeben, steht offensichtlich Kontinuität bei vielen Konsumenten hoch im Kurs. Preisgarantien und die gleichmäßigen monatlichen Ausgaben im Abo geben vielen Konsumenten augenscheinlich Sicherheit. „Menschen denken in monatlichen Ausgaben. Und weil Abos meist einmal im Monat abgerechnet werden, sind die Kosten planbar“, beschreibt Fassnacht die Vorteile der Abos aus Verbrauchersicht. Diese Vorteile und die immer besseren Software-Lösungen könnten der Abo-Wirtschaft wohl noch eine Weile steigende Umsätze bescheren.

Startseite
ANZEIGE