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«Spritpreise machen uns tot»: Taxibranche in der Dauerkrise

Berlin (dpa)

Die umfangreichen Lockerungen der Corona-Regeln könnten für die Taxibranche manches leichter machen. Wären da nicht die stark gestiegenen Spritpreise. Und die nächsten Probleme kündigen sich schon an.

Von Andreas Heimann, dpa

Taxis stehen aufgereit vor dem Berliner Olympiastadion bereit. Foto: Paul Zinken/dpa

Die Taxibranche in Deutschland sieht weiter mit großen Sorgen in die Zukunft.

Trotz der weitgehenden Aufhebung der Corona-Maßnahmen und des Regierungsbeschlusses, die Energiesteuer auf Kraftstoffe vorübergehend abzusenken, rechnet der Bundesverband Taxi und Mietwagen nicht mit einer schnellen Trendwende. «Es gibt jeden Tag reihenweise Unternehmen, die aufgeben, die einfach nicht mehr können», sagte Verbandsgeschäftsführer Michael Oppermann der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. «Gestern standen wir am Abgrund, heute sind wir einen Schritt weiter», umschreibt er die Lage. «Das kennen wir noch nicht mal aus der Ölkrise in den 70er Jahren.»

Krise nach der Krise

Die Branche komme schließlich bereits aus einer wirtschaftlichen Durststrecke. Typische Taxifahrten durch Partygänger, Touristen, Messegäste, Geschäftsreisende oder Urlauber auf dem Weg zum Flughafen gab es wegen der Corona-Pandemie lange Zeit nur in geringem Umfang. Nun seien aber zusätzlich auch Werkstattpreise und Spritkosten auf Rekordhoch. «Wenn die Mindestlohnerhöhung kommt, ist das der nächste Schlag ins Kontor», sagte Oppermann.

Auch der Vorsitzende der Berliner Taxi-Innung, Leszek Nadolski, fragt sich, wie die Mehrkosten bezahlt werden sollen. Allein aus den Umsätzen sei das nicht finanzierbar. «Die Spritpreise machen uns tot», sagte er. Für viele Taxiunternehmer rechne sich das Geschäft einfach nicht mehr. «Jeden Tag werden in Berlin jetzt ein bis zwei Taxen abgemeldet.» Viele Taxi-Betriebe fürchteten um ihre Existenz.

Die Entwicklung ist deutschlandweit ähnlich: Seit Beginn der Pandemie ist die Zahl der Taxi-Unternehmen nach Angaben des Bundesverbands bereits um ein Fünftel auf rund 18.000 zurückgegangen. Oppermann erwartet, dass sich die Entwicklung noch beschleunigt und es Ende des Jahres ein Drittel weniger sein werden.

Ein Grund ist die Entwicklung an der Tanksäule: Zuletzt ist der Preis für Diesel wieder leicht gesunken, lag aber weiter über zwei Euro pro Liter. Im Vergleich zum Niveau vor Beginn des Krieges in der Ukraine hat er sich um rund 50 Cent verteuert. Im März 2021 kostete er im Durchschnitt pro Liter noch 1,32 Euro. Dieselantrieb ist in der Branche nach wie vor Standard. Der Anteil der Fahrzeuge mit E-Antrieb ist noch sehr gering, schnelles Umrüsten aus Oppermanns Sicht unrealistisch: «Wenn Sie heute ein E-Auto bestellen, sind Sie insolvent, bevor es geliefert wird», sagte Oppermann. Und die Anschaffungskosten seien nach wie vor hoch.

Die Reduzierung der Energiesteuern um 14 Cent pro Liter Diesel werde sich zwar bemerkbar machen. «Das ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber es kompensiert nicht die Mehrkosten, die wir haben», kritisierte Oppermann. «Wir brauchen in irgendeiner Form zusätzliche Maßnahmen, sonst funktioniert die ganze Kalkulation einfach nicht.»

Wettbewerb mit Uber und Co.

Durch die weitreichenden Aufhebungen der Corona-Maßnahmen sei eine Verbesserung der Situation durchaus zu erwarten - etwa, weil wieder mehr Menschen mit dem Taxi zum Flughafen wollten, sagte Oppermann. «Aber das hält uns nur eine Krise vom Hals.» Die Umsatzrückgänge seien dadurch nicht vollständig auszugleichen.

Gleichzeitig bleibe der Wettbewerb mit der Konkurrenz von Fahrdienstvermittlern wie Uber hart. Für die Taxi-Alternative fällt die Entscheidung nicht zuletzt aus Preisgründen. Aber um die Kostensteigerungen abzufedern, sind aus Sicht der Taxibranche höhere Tarife unverzichtbar. Oppermann hält ein Plus von 20 Prozent für nötig. «Weniger wegen der Kraftstoffpreise, vor allem wegen des Mindestlohns.»

Beim Sprit gebe es die Hoffnung auf Besserung, beim gesetzlichen Mindestlohn sind bleibende Mehrkosten sicher, wie der Verbandsgeschäftsführer argumentiert. Wenn die Erhöhung von derzeit 9,82 Euro pro Stunde mit einer Zwischenstufe im Juli zum Oktober auf 12 Euro kommt, müssten bis dahin aus Branchensicht idealerweise auch die Taxitarife schon angehoben sein. Nur so richtig glauben will daran niemand: «Tarifanhebungen können gut mal ein Jahr dauern», klagte Oppermann.

Vorschlag: «Putin-Preisaufschlag»

Der Verband hat deshalb in den vergangenen Wochen eine Reihe von Forderungen nach schnelleren Lösungen an die Bundespolitik gestellt - nach einem «Putin-Preisaufschlag» etwa. «Das wäre kurzfristig zu machen», sagte Oppermann. «So etwas in der Art gab es schon mal in der Ölkrise.» Gemeint ist ein Zuschlag von mindestens einem Euro pro Fahrt. «Ich glaube, das Verständnis der Kunden wäre da.»

Auch eine fixe Summe - zum Beispiel 100 Euro - pauschal pro Auto und Woche an die Taxi-Unternehmen zu bezahlen, hält Oppermann für keine schlechte Idee und weist auf das Beispiel Irland hin, wo bei Betrieben der Transportbranche so verfahren werde. «Drin wär's schon, wenn man wollte.» Angesichts der steigenden Kosten bleibe den Betrieben einfach wenig Luft. «Die Unternehmen rufen nach Hilfe», sagte Oppermann. «Und die fühlen sich im Moment alleine gelassen.»

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